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Puderbach

Puderbachs Bürgermeister wehrt sich gegen Äpfel-Birnen-Vergleich

Für die Dierdorfer ist das Thema „Fusion mit Puderbach“ seit der Ausschreibung von zwei Bürgermeisterstellen vom Tisch. Im Verbandsgemeinderat betonten Bürgermeister und mehrere Ratsmitglieder, wie erleichtert sie sind, weil ein Zusammenschluss mit der Nachbar-Verbandsgemeinde ihrer Meinung nach vor allem Nachteile bringen würde. Zum Beleg präsentierte CDU-Ratsherr Hans-Dieter Spohr gegenüber der RZ ein von ihm zusammengetragenes Zahlenwerk. Wir befragten Puderbachs Bürgermeister Wolfgang Kunz (SPD) nach den für ihn wenig schmeichelhaften Daten.

Bürgermeister Wolfgang Kunz: "Bei der Steuerkraft sind wir schon jetzt besser als Dierdorf aufgestellt und werden uns weiter positiv entwickeln."
Bürgermeister Wolfgang Kunz: "Bei der Steuerkraft sind wir schon jetzt besser als Dierdorf aufgestellt und werden uns weiter positiv entwickeln."

Puderbach – Für die Dierdorfer ist das Thema „Fusion mit Puderbach“ seit der Ausschreibung von zwei Bürgermeisterstellen vom Tisch. Im Verbandsgemeinderat betonten Bürgermeister und mehrere Ratsmitglieder, wie erleichtert sie sind, weil ein Zusammenschluss mit der Nachbar-Verbandsgemeinde ihrer Meinung nach vor allem Nachteile bringen würde. Zum Beleg präsentierte CDU-Ratsherr Hans-Dieter Spohr gegenüber der RZ ein von ihm zusammengetragenes Zahlenwerk. Wir befragten Puderbachs Bürgermeister Wolfgang Kunz (SPD) nach den für ihn wenig schmeichelhaften Daten.

 

 


Herr Kunz, ist Ihre Verwaltung aufgebläht? Glaubt man den Zahlen von Hans-Dieter Spohr, dann brauchen Sie 177 kommunale Beschäftigte (= 1,2 je 100 Einwohner), während Dierdorf mit 57 (= 0,52 Prozent) auskommt?
Was glauben Sie, würde wohl die Kommunalaufsicht dazu sagen, wenn man die Zahlen so gegenüberstellen könnte? Herr Spohr führt die Bürger mit einem Äpfel-Birnen-Vergleich hinters Licht. Die Verbandsgemeinde Puderbach ist zum Beispiel Träger von fünf Kindergärten mit insgesamt 71 Erzieherinnen. In der VG Dierdorf hingegen sind die Kindergärten bei der Stadt beziehungsweise der katholischen Kirche. Auch gibt es bei uns drei Grundschulen, in Dierdorf nur zwei. Drei Kräfte müssen Sie noch für den Betrieb der Post hinzurechnen und zwei für die Untere Bauaufsicht. Und den Zweckverband „Kirchspiel Urbach“, der sicher keine unbedeutende Einrichtung ist, verwaltet im Gegensatz zur Märkerschaft Dierdorf auch die Verbandsgemeinde. Schließlich engagieren wir uns seit Jahren intensiv in der Jugendarbeit: Wir unterhalten ein Jugendheim, verwalten die Bruchhäuser-Stiftung und betreiben gemeinsam mit Partnern die „Puderbacher Tafel“.

Darüber hinaus gibt es keine Extras, die sich die Puderbacher Verwaltung leistet?
Die gibt es schon. Wir bilden pro Jahrgang im Schnitt sechs junge Menschen aus, die Dierdorfer stellen höchstens drei Auszubildende in drei Jahren ein. Da immer drei Jahrgänge zugleich beschäftigt sind, leisten wir uns so 15 zusätzliche Stellen. Ob das sinnvoll ist, mögen die Bürger selbst bewerten, wir finden schon. Und weil es bei uns politischer Wille ist, junge Menschen zu fördern, bieten wir zusätzlich bis zu zehn Jugendlichen die Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei uns zu absolvieren. Hierunter ist auch in diesem Jahr wieder eine Jugendliche aus Dierdorf. Auch das kostet Geld. Genau wie unsere drei Anwärter für den gehobenen Dienst. Dierdorf hat keinen einzigen.


Sie haben die Unterschiede zur VG Dierdorf erklärt. Aber laut der Spohr-Liste sticht die VG Puderbach heraus, während die Zahlen für Rengsdorf, Selters und Ransbach-Baumbach sich im Dierdorfer Rahmen bewegen. Woher kommen die Unterschiede? Zieht die VG Puderbach so viele Aufgaben an sich? Und warum?
Noch einmal: In dieser Tabelle vergleicht Herr Spohr Äpfel mit Birnen. Wir haben anders als beispielsweise Rengsdorf keinen einzigen kirchlichen Kindergarten. Wir haben überhaupt alle Kindergärten unter Verbandsgemeinde-Trägerschaft genommen, weil wir denken, dass das wesentlich effizienter ist. Man ist zum Beispiel im Krankheitsfall deutlich flexibler. Da haben die anderen doch große Abstimmungsprobleme mit ihren unterschiedlichen Zuständigkeiten. Ganz ähnlich wie bei den Kindergärten verhält es sich auch beim Thema Waldarbeiter. Hier sind es elf, die bei der VG beschäftigt sind. Das sind die Hauptgründe, warum wir deutlich mehr Verbandsgemeindebeschäftigte haben. Wir ziehen Aufgaben an uns, um die Region zu gestalten und zukunftsfähig aufzustellen. Erinnert sei auch an die Gewerbegebiete und Industrieansiedlungen. Das waren große Investitionen, die dafür sorgen werden, dass sich unsere Steuerkraft weiterhin positiv entwickeln wird. Hier sind wir jetzt schon besser aufgestellt als die VG Dierdorf.

Zur Verschuldung: Auch da werfen die Spohr-Zahlen kein gutes Licht auf Puderbach. Inklusive der Werke steht Ihre VG danach im Jahr 2009 mit mehr als 40 Millionen Euro in der Kreide, die Dierdorfer dagegen mit weniger als 17 Millionen.
Hätte Herr Spohr die neuesten Zahlen hinzugezogen, dann hätte er bei Dierdorf mindestens von einer doppelten Schuldenhöhe ausgehen müssen. Bei Puderbach müssen wir sehen, dass einer Verschuldung der VG von knapp 8 Millionen Euro ein Bilanzvermögen von rund 43 Millionen Euro gegenübersteht. Das wurde im Wesentlichen in den vergangenen Jahren geschaffen: Wir haben alle öffentlichen Gebäude saniert, eine Turnhallen renoviert und zwei neue gebaut. Wir haben zwei Grundschulen saniert und eine neue in Raubach gebaut. Wir haben einen zentralen Hochbehälter in Dernbach gebaut, neue Kunstrasenplätze in Urbach und Puderbach, ein Schwimmbad, neue Feuerwehrhäuser und und und. Hinzu kommen die VG-Werke. Wir entwässern 16 Gemeinden mit 39 Orten und haben es als Auftrag der Bürger verstanden, unsere Menschen mit dem qualitativ hochwertigen Wasser aus der Region zu versorgen. Dierdorf hat die bequemere und wie ich zugebe auch die vorerst günstigere Variante gewählt und sich ans Kreiswasserwerk anschließen lassen. Wir nehmen außerdem die Sanierung älterer Abwasserkanäle sehr ernst und investieren auch hier erhebliche Summen, nicht zuletzt der Umwelt aber auch unserem Trinkwasser zuliebe.

Kommen wir zurück zur Fusions-Diskussion. Sehen sie die Überlegungen auch als vorerst gestorben an, weil jetzt zwei neue Bürgermeisterstellen ausgeschrieben worden sind?
Ich sehe nicht, dass die Frage für acht Jahre vom Tisch ist, nur weil man neue Bürgermeister wählt. Aber das ist Problem der Dierdorfer. Wir werden mit unseren 15 000 Einwohnern anders als Dierdorf nicht unter das jetzige Kommunalreformgesetz fallen. Ob es politisch geschickt war, zum jetzigen Zeitpunkt eine Fusion – mit wem auch immer – und damit auf die Hochzeitsprämien zu verzichten, bleibt auch dahingestellt. Aber das werden nicht wir zu beantworten und zu verantworten haben.

Das Interview führte Ulf Steffenfauseweh

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