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Neuwied

Prozessauftakt: Tod durch Überdosis Drogen vor Gericht

ThomasKrämer

„Die ist da abgeschmiert, in der Wohnung!“ Das soll eine heute 21-Jährige im Dezember 2014 einer Bekannten berichtet haben. „Da“, das war die Marktstraße in Neuwied, und „die“, das war eine junge Frau, der die 21-Jährige Heroin verkauft haben soll. Die Kundin erlitt einen Herzkreislaufstillstand und starb drei Tage später im Krankenhaus.

Jetzt steht die 21-jährige Neuwiederin vor dem Landgericht Koblenz. Die Staatsanwaltschaft legt ihr zur Last, mit Betäubungsmitteln unerlaubt Handel getrieben und tateinheitlich Betäubungsmittel einem anderen abgegeben und dadurch leichtfertig dessen Tod verursacht zu haben. Die Angeklagte bestreitet den Drogenhandel und machte darüber hinaus am ersten Prozesstag keine Angaben.

Drogentherapie abgebrochen

Als erste Zeugin wurde die damalige Mieterin der Wohnung vernommen, in der das Opfer zusammenbrach. Die 27-Jährige gab an, dass die junge Frau damals bei ihr wohnte, weil sie drei Tage zuvor aus einer Drogentherapie geflogen war. Irgendwann am 19. Dezember sei sie dann weggegangen, wollte zum Arzt, zum Anwalt und zur Bank. Da war der Zeugin schon klar, dass sie weiter Drogen nahm. „Ich habe sie schon am Tag vorher durch die halbe Stadt geschleppt, weil sie kaum gehen konnte“, sagte sie vor Gericht aus. „Und sie hat erzählt, dass sie auch am Tag davor in Bonn eine Überdosis erwischt hatte.“ Die Zeugin beschrieb die Verstorbene als eine Süchtige, die alles durcheinander konsumierte. „In der ganzen Stadt war bekannt, dass sie sich so abschießt. Es war nur eine Frage der Zeit, dass es mal zu spät war“, lautete ihr Fazit.

Am bewussten Tag seien sie selbst und ihr damaliger Lebensgefährte zuhause gewesen, als die junge Frau in die Wohnung zurückkehrte. „Danach ist niemand mehr gekommen. Auch nicht die Angeklagte“, gab sie zu Protokoll.

Alibi für Heroin zum Sonderpreis?

Eine weitere Zeugin (29) sieht das anders. Auch sie gehörte damals zum Bekannten- und Kundenkreis der Angeklagten. Sie gab an, ein Telefonat mitgehört zu haben. Das spätere Opfer rief die Angeklagte an und verabredete sich mit ihr in der Wohnung in der Marktstraße. Später sei die Angeklagte dann erneut zu ihr gekommen und habe von dem Zusammenbruch der jungen Frau erzählt. „Ich sollte ihr ein Alibi geben. Dafür bekam ich 5 Gramm Heroin zu einem Sonderpreis“, berichtete die 29-Jährige weiter. Auch sie bestätigte allerdings, dass die Verstorbene wahllos Drogen konsumierte: „Die hat alles genommen, was sie bekommen konnte, war immer komplett zugedröhnt. Die hat immer alles auf einmal genommen.“

Eine weitere Zeugin, angeblich die damalige Drogenlieferantin der Angeklagten, konnte nicht befragt werden, da sie erkrankt war. Der Vorsitzende Richter Ralf Bock verkündete, dass die Zeugin am nächsten Verhandlungstag erneut geladen wird, da auf ihre Aussage nicht verzichtet werden könne. Der Prozess wird am Freitag, 16. März, fortgesetzt.

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