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    Premiere im Schlosstheater: Starkes Spiel bei "Johanna von Orléans"

    Die Schauspieler mussten, auch wenn das Stück schon längst vorbei war, echtes Stehvermögen beweisen, denn der Applaus des Publikums wollte nicht abreißen, wieder und wieder öffnete sich der Theatervorhang. Gut zwei Stunden hatten die Zuschauer mit Johanna mitgefiebert, sich vielleicht auch durch das emotional mitreißende Spiel Eva Weidemanns mit der französischen Nationalheldin gemeingemacht.

    Doch auch in Rolf Heiermanns Bearbeitung des Dramas „Die Jungfrau von Orléans“ muss Johanna sterben. Zwar nicht auf dem Schlachtfeld wie bei Friedrich Schiller, an dessen Stück sich Heiermann orientierte, sondern – historisch korrekt – nach einem Gerichtsprozess auf dem Scheiterhaufen.


    Schon der Einstieg in das Stück lässt erahnen, dass es sich nicht um eine klassische Inszenierung handeln wird. Das zehnköpfige Ensemble betritt unvermittelt die Bühne, „wir müssen alles erzählen, von Anfang an“, wird gefordert. Die Rollen werden verteilt, die Mönche legen sich ihre Kutten um, und los geht es mit dem historischen Stoff: Die Anklageschrift wird verlesen.
    Um den Vergehen, die Johanna darin vorgeworfen werden, folgen zu können, wird in Rückblenden das Geschehene nachgespielt: Johannas Abschied von der Familie, Johanna beim König, auf dem Schlachtfeld ... Immer wieder wechseln Schauspieler ihre Rollen und Kostüme. Und auch das auf den ersten Blick schlicht in Braun gehaltene, karge Bühnenbild hilft, sich zu orientieren. Holzkisten und Bretter dienen, unterschiedlich arrangiert, mal als Tisch und Stühle, mal als Thron, versinnbildlichen die Kerkermauern oder werden zu einer Folterbank arrangiert. Im Hintergrund können durch Schiebetüren die den Prozess beobachtenden Mönche den Rückblenden als Zaungäste beiwohnen.

    Nahezu fortwährend in Aktion Eva Wiedemann als Johanna mit einem emotionsgeladenen, energischen Spiel. Überzeugend mimt sie die zarte Tochter, von Gott mit einer Mission bedacht. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass es für sie keinen anderen Weg als den ihr auferlegten gibt. Sie schafft es, sich charmant und gewieft zugleich Beaudricourts Aufdringlichkeit zunutze zu machen, dem entmutigten Charles wieder Selbstbewusstsein einzuhauchen und auf die Schlacht von Orleans einzustimmen, energisch die Truppen im Kampf anzuführen. Und auch ihre Zerrissenheit und immer größer werdende Verzweiflung während des Gerichtsprozesses lässt sie die Zuschauer hautnah miterleben. Nicht minder überzeugend gehen ihre Schauspielkollegen in ihren Rollen auf.

    Auch wenn „Die Jungfrau von Orléans“ Historie aufarbeitet, so gibt es trotzdem auch Schnittpunkte mit der Gegenwart: Frauen, die ihren Mann stehen müssen, sexuelle Übergriffe, denen sich Johanna immer wieder erwehren muss, aber auch in Gottes Auftrag in den Krieg zu ziehen – und in Johannas Fall als Ketzerin gerichtet zu werden. Als Zuschauer fiebert man mit ihr bis zum Ende mit, es wird eine enorme Fallhöhe erzeugt. Doch das Drama nimmt seinen Lauf.

    Weitere Aufführungen von „Die Jungfrau von Orleans“ gibt es bis zum 24. November jeweils um 20 Uhr. Am Sonntag, 12. November, gibt es einer weitere Vorstellung um 16 Uhr. Weitere Infos und Karten im Internet unter www.schlosstheater-neuwied.de und unter Telefon 02631/222 88. Im Anschluss an die Vorstellungen haben die Theaterbesucher noch die Gelegenheit, den Abend bei einem Getränk in der Gastronomie des Theaters ausklingen zu lassen.

    Von unserer Redakteurin Mira Müller

    Die Mitwirkenden

    Johanna: Eva Wiedemann

    Bischof Cauchon: Lorenz Schirren

    Inquisitor/Bertrand: Gerhard Fehn

    Agnes Sorel/Margot: Fabienne Hesse

    Charles: Frank Musekamp

    Vater/Erzbischof: Heiko Haynert

    Robert de Beaudricourt/La Hire/ Henker: Werner Schwarz

    Ankläger/La Tramouille: Stefan Krause

    Warwick: Wolf-Guido Grasenick

    Bruder Ladvenue/Johann von Nove­lompont: Nikolas Knauf

    Inszenierung: Rolf Heiermann

    Ausstattung: Anita Rask-Nielsen

    Regieassistenz: Lisa Friedrich

    Maske, Kostum- und Requisitenbetreuung: Aline Hüttner

    Technische Leitung: Thomas Riemenschnitter/Axel Koltermann

    Inspektion: Michael Brust

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