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    RaubachPfarrerin: Kirche braucht Veränderungen

    Rund ein halbes Jahr ist Katrin Koelmann Pfarrerin in Raubach. Im RZ-Gespräch erzählt sie, wie es wahrgenommen wird, dass sie als Frau vor ihrer Gemeinde predigt. Außerdem verrät die Pfarrerin, dass auch die evangelische Kirche Veränderungen braucht – aber diese müssten die Gläubigen selbst anstoßen.

    Frau Koelmann, vor einem halben Jahr haben Sie die Pfarrstelle in Raubach angetreten – unter der besonderen Voraussetzung Ihrem eigenen Freund nachzufolgen. Beschreiben Sie mal.

    Es war für mich keine leichte Entscheidung, meine Heimat zu verlassen. Ich komme aus Nordhorn aus einer kleinen, familiären Kirche. Dort kenne ich die Leute, bin mit vielen per Du. Das ist in der rheinischen Kirche natürlich erstmal anders. Aber ich hatte großes Glück, dass es mit Raubach geklappt hat, wo vorher mein Freund Patrique Friesenkothen tätig war. Das war für mich ein ausschlaggebender Grund, es zu probieren. Ich kannte die Gemeinde und viele Leute und wusste, worauf ich mich einlasse.

    Und wie funktioniert das im Alltag? Gibt es da einen Austausch zwischen Ihnen?

    Dadurch, dass Patrique davor in Raubach war, konnte er manche Dinge nicht direkt abbrechen, wie die Begleitung der Konfirmanden. Gerade am Anfang können wir viel voneinander profitieren, wir ergänzen uns gut.

    Wie ist Ihr erster Eindruck?

    Ich bin gut zufrieden. Es ist eine Gemeinde mit sehr vielen ehrenamtlich Aktiven. Ich habe zwar große Fußstapfen vor mir, sowohl die von Wolfgang Eickhoff, als auch die von Patrique, da muss ich erstmal selber schauen, was ich einbringen kann. Aber ich denke allein, weil ich eine Frau bin, bringe ich schon einmal andere Begabungen mit. Gleichzeitig ist aber alles auch zeitlich begrenzt. Wir planen jetzt erstmal hier und dann müssen wir weitersehen.

    Wie nimmt das die Gemeinde auf, die Leute wissen ja auch, dass Sie irgendwann wieder weg sein könnten. Sind die Leute da reservierter und wahren eher die Distanz?

    Ich habe das Gefühl, das spielt keine Rolle und, dass es für sie eher schön ist, neue Gesichter zu sehen und verschiedene Formen von Gottesdienst zu erleben.

    Und auch das Vertrauen ist da, um mit Sorgen zu Ihnen zu kommen?

    Ich glaube schon, dass Patrique Friesenkothen oder Wolfgang Eickhoff bei manchen Gläubigen ein anderes Level haben. Aber es kamen auch schon Leute gezielt zu mir. Viele Menschen haben einfach ein grundsätzliches Vertrauen zu Pfarrern und Pfarrerinnen. Die persönliche Ebene muss natürlich immer erst wachsen. Das ist ganz normal.

    Sie haben angesprochen, dass Sie als Frau Ihre eigenen Begabungen mitbringen. Wann ist es ein Vorteil, eine Pfarrerin zu sein und kein Pfarrer?

    Ich bin gleich anfangs angesprochen worden, ob ich eine Frauenadventsfeier mitmachen möchte. Da ist mein Freund nie gefragt worden. Das ist natürlich schön, da als Frau wahrgenommen zu werden. Ich bin zwar nicht die Feministin, aber ich versuche schon, das Thema aufzugreifen, da es mir ein Anliegen ist und ich kann mir schon vorstellen, dass ich manche Dinge anders oder besser verstehe als meine männlichen Kollegen.

    Setzen Pfarrerinnen andere Schwerpunkte?

    Ich würde das nie pauschal sagen. Von mir würde ich sagen, dass ich eine sehr empathische Person bin, aber das würde ich meinen männlichen Kollegen auf gar keinen Fall absprechen. Aber ich kriege schon mit, dass es Frauen gibt, die sich nie trauen würden, vorne zu stehen und in der Öffentlichkeit zu reden und die es gerade dann bewundern, wenn eine Frau das tut. Meine Mutter und meine Großmutter erst recht hätten sich nie getraut, da vorne zu reden. Und ich denke, gerade manche ältere Frauen sind schon stolz, dass es so weit ist, dass Frauen das auch machen können. Aber ich kenne ja nur meine Perspektive und weiß nicht, wie die Sicht der Gemeinde da ist.

    Gibt es auch negative Beispiele?

    Man hört schon manchmal, dass es ja toll ist, dass mein Freund mich unterstützen kann. Das höre ich dann schon auf dem Ohr, dass ich eine Frau bin und Unterstützung brauche.

    Wie reagieren Sie da?

    Ich versuche das gar nicht groß zu thematisieren. Manchmal betone ich, dass ich das schon selber hinkriege. Aber ich will das Fass nicht aufmachen.

    Können Sie das komplett ausblenden?

    Komplett nicht, aber ich habe auch nicht erlebt, dass ich mich groß diskriminiert gefühlt hätte. Wir können da zu Hause auch gut drüber lachen.

    Wie ihr Freund sind Sie weit herumgekommen in der Welt. Was haben Sie da für sich selbst mitgenommen und was haben Sie über Glauben gelernt?

    Für mich selbst habe ich mitgenommen, dass meine Wahrheit nicht die alleingültige ist, sondern, dass es verschiedene Wege des Glaubens gibt und, dass keiner besser oder schlechter ist. Unsere Kultur ist nur eine von ganz vielen und wir können ganz viel voneinander lernen, sowohl von den Konfessionen als auch von den verschiedenen Kulturen. Es gibt so viele Christen, die ganz anders und sehr begeistert glauben, wie es in Deutschland ja nicht immer der Fall ist.

    Fehlt die Begeisterung für den Glauben?

    Hier in Raubach nicht unbedingt. Hier ist Begeisterung und Offenheit für viele Dinge da. Aber ich habe vorher ja in einer Stadt gewohnt, und in Osnabrück hatte schon das Gefühl, dass wir mehr dafür kämpfen mussten, als Kirche wahrgenommen zu werden.

    Gerade die katholische Kirche spürt das auch, befindet sich nach der Synode in unserer Region im Umbruch. Inwiefern muss sich auch die evangelische Kirche ändern?

    Klar, wir brauchen Veränderungen, aber ich finde es schwer, wenn wir als Pfarrpersonen diese vorgeben. Es muss von den Leuten selbst kommen. Wir können Strukturen und Wissen anbieten, aber mir ist es wichtig, dass die Leute ihre Ideen einbringen.

    Verspüren Sie Druck, als junge Pfarrerin daran gemessen zu werden, auch junge Menschen für die Kirche zu begeistern?

    Ich bin immer dafür, dass die jungen Leute gehalten werden, weil ohne sie können wir irgendwann auch zu machen. Ich finde es aber schwierig herauszufinden, was wir den jungen Leuten anbieten können. Wir haben momentan nur einen Kindergottesdienst mit einem Team von zehn, zwölf Leuten, aber wenn dann nur fünf Kinder kommen, steht das in keinem guten Verhältnis. Da überlege ich gerade, wie ich die Jugendlichen anders einbinden kann.

    Und wie geht es mit Ihnen persönlich weiter? Sie bereisen gerne die Welt, sind sehr verbunden mit Ihrer Heimat. Können Sie sich eine langfristige Zukunft in Raubach überhaupt vorstellen?

    Das eine schließt das andere ja nicht aus. Ich bin nebenbei noch in der Vereinten Evangelischen Mission engagiert, über die ich viele Dienstreisen wahrnehmen kann. Es gibt also im Rahmen des Pfarramts auch genügend Möglichkeiten, in der Ökumene tätig zu bleiben. Das ist mir eine Herzensangelegenheit, und das will ich auf gar keinen Fall aufgeben. Aber das Leben im Dorf ist auf jeden Fall eine Umstellung. Das bezieht sich aber mehr auf den Alltag als auf die Kirche. Ich mag die Menschen und die Atmosphäre, ich muss aber auch andere Dinge sehen, um mich zu inspirieren. Das wäre auch mit der Stelle in Raubach möglich. Aber wie es kommt, hängt von vielen Faktoren ab und ist schwer vorherzusagen.

    Die Fragen stellte Robin Brand

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