40.000
Aus unserem Archiv
Neuwied

Personalnot im Jugendamt: Rat bewilligt zwei Stellen

Jetzt haben es die Neuwieder Stadtväter schwarz auf weiß: Das Jugendamt ist personell völlig unterbesetzt. Wer glaubte, auch im Jugendamt den Rotstift ansetzen zu können, der sieht sich nun eines Besseren belehrt. Die Lage ist sogar so dramatisch, dass sich der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend mehr oder weniger im Schweinsgalopp mit dem Thema auseinandersetzen und im Eilverfahren zwei neue Stellen schaffen musste.

Neuwied – Jetzt haben es die Neuwieder Stadtväter schwarz auf weiß: Das Jugendamt ist personell völlig unterbesetzt. Wer glaubte, auch im Jugendamt den Rotstift ansetzen zu können, der sieht sich nun eines Besseren belehrt. Die Lage ist sogar so dramatisch, dass sich der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend mehr oder weniger im Schweinsgalopp mit dem Thema auseinandersetzen und im Eilverfahren zwei neue Stellen schaffen musste.


Grund für diese ungewohnte Hektik ist ein Gutachten des Beratungsunternehmens Rödl & Partner aus Nürnberg. Dieses sollte das städtische Amt für Jugend und Soziales eingehend unter die Lupe nehmen. Hintergrund waren ungewöhnlich hohe Kostensteigerungen – auch bei sinkenden Fallzahlen. Beispiel: 2008 mussten 109 seelisch behinderte Kinder und Jugendliche betreut werden, was 468 000 Euro kostete. Zwei Jahre später war die Fallzahl zwar auf 80 gesunken, doch die Kosten waren direkt doppelt so hoch.
Das Gutachten liegt zwar seit April vor, doch erst seit es vergangene Woche dem Jugendhilfeausschuss und dem Stadtrat vorgestellt wurde, ist die Verwaltungsspitze regelrecht in Panik verfallen. Groß ist offenbar die Angst, dass in Neuwied ein schlimmer Fall von Kindeswohlgefährdung passiert und hinterher klar wird, dass der Oberbürgermeister um die Personalengpässe wusste.
Also sollte der Stadtrat jetzt schnell die schlimmsten personellen Löcher stopfen. Das hat er auch wunschgemäß getan und grünes Licht für zwei weitere Vollzeitstellen im Bereich des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) geschaffen. Dort arbeiten die Sozialarbeiter, die sich um Kinder kümmern, mit denen die Eltern nicht zurechtkommen oder die aufgrund anderer Umstände dringend Hilfe brauchen. Die Empfehlung des Beratungsunternehmens lautet, nun die Zuständigkeitsbezirke der Bezirkssozialarbeiter kleiner zu fassen, um so die Fallzahlen-Belastung pro Mitarbeiter zu senken.
In der Stadtratsdiskussion fand SPD-Fraktionsgeschäftsführer Michael Mang anschauliche Worte: „Uns Sozialdemokraten geht es um die kleine Mia, die von ihrem Vater geschlagen wird, Jan, den Schulschwänzer, Anna, bei der ihre Eltern nach deren Trennung nicht mehr ein noch aus wissen, Viktor, der an Dyskalkulie leidet, Mohammed, das Waisenkind, welches unter Amtsvormundschaft steht, oder auch Leonie, die nie gelernt hat, mit ihrer Wut umzugehen und nun von der Jugendgerichtshilfe vor Gericht betreut werden muss.“
Martin Hahn begrüßte für die CDU-Fraktion, dass durch das Gutachten endlich Transparenz besteht. „Wir können nun verstehen, welche Arbeit im Jugendamt geleistet wird“, sagte Hahn, der sich dafür stark machte, noch stärker in die Prävention zu investieren, um spätere Reparaturkosten so gering wie möglich zu halten.
Karl-Josef Heinrichs (FWG) konnte aufgrund der Kürze der Zeit nur seine persönliche Meinung vortragen. Er betonte, es sei nicht gut, die Dinge nur auf den Stellenplan zu reduzieren und beklagte, die eigens eingesetzte Lenkungsgruppe sei von der Verwaltung nicht gut eingebunden worden. Heinrichs erklärte ferner, er sehe Potenzial in der Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendamt. „Beide Seiten müssen nur wollen.“ Für die Grünen erklärte Ralf Seemann, man könne heute gar nicht anders, als der Schaffung neuer Stellen zuzustimmen; die inhaltliche Diskussion müsse aber noch folgen. Ähnlich sah es Dietrich Rühle (FDP), der allerdings nicht nachvollziehen konnte, wie Rödl & Partner auf einen Bedarf von zwei Stellen im ASD kommt.
Apropos Kreisjugendamt: Eine Zusammenlegung von Stadt- und Kreisjugendamt ist offenbar vom Tisch; das war zwischen den Zeilen bei allen Redner herauszuhören. Vor allem Sigurd Remy (SPD) hatte sich stets für eine Fusion starkgemacht.

Von unserem Redakteur Marcelo Peerenboom

Neuwied Linz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter Neuwied
Dienstag

16°C - 30°C
Mittwoch

15°C - 28°C
Donnerstag

16°C - 30°C
Freitag

17°C - 29°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach