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Neuwied

Pädophiler ist froh über Einweisung in Forensik

Thomas Krämer

Eine Bewährungsstrafe mit ambulanter Therapie lehnte er selbst ab – und hat insofern bekommen, was er wollte: Zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten ist ein 29-jähriger Neuwieder vom Landgericht wegen Nötigung und sexuellem Missbrauch eines Kindes verurteilt worden. Das Gericht sprach ihm nach dem Gutachten der forensisch-psychiatrischen Sachverständigen aber eine verminderte Schuldfähigkeit zu, da er zwar von seiner Einsicht her verstand, dass das, was er da tat, falsch war, er aber seine Steuerungsfähigkeit über das Geschehen offenbar verloren hatte. „Ich will, dass das hier aufhört!“, hatte er am ersten Prozesstag ausgesagt. Diese „Parallelperson“, die da in ihm existiere und ihn beherrsche, müsse weg, sagte er weiter. Nun wird er in der forensischen Klinik Nette-Gut untergebracht und behandelt.

Der Mann war angeklagt, ein damals elfjähriges Mädchen übers Internet zur Zusendung von Videos mit sexuellem Inhalt erpresst zu haben. Nachdem er ein Video von ihr samt Kontaktadresse im Internet gefunden hatte, nahm er unter einem weiblichen Pseudonym Kontakt zu dem Kind auf. Er drohte ihr mit der Verbreitung des ersten Videos und gab ihr diverse Handlungsanweisungen zu weiteren Zusendungen, die das Mädchen zuerst auch befolgte. Dann aber vertraute sie sich einer Freundin und ihrer Mutter an und brach den Kontakt ab. Trotzdem versuchte der Mann weiter, Verbindung aufzunehmen. „Ich konnte einfach nicht loslassen“, gab er vor Gericht an.

Durch sein Geständnis musste das Kind nicht vor Gericht gehört werden. Erst durch die Aussage der Mutter des Kindes sei ihm, so sagte der Angeklagte auch noch einmal am letzten Prozesstag aus, der „reale Hintergrund“ seiner Taten klar geworden.

Der Angeklagte ist einschlägig vorbestraft, beging die neuen Handlungen unter laufender Bewährung. Jetzt verurteilte ihn die Kammer um die Vorsitzende Richterin Monika Fay-Thiemann zu der Freiheitsstrafe, die ihn aber in den Maßregelvollzug in einer psychiatrischen Klinik führt. Die Gutachterin hatte ihm zwar Krankheitseinsicht, aber im unbehandelten Zustand eine weitere Gefährlichkeit für die Gesellschaft diagnostiziert. Laut des Gutachtens hat der Angeklagte seit seinem 16. Lebensjahr pädophile Neigungen, diese haben sich im Laufe der Zeit zu einer Sucht gesteigert. Allerdings lebte der Mann seine Neigungen bisher nur virtuell, also im Internet aus. Reale Kontakte mit Kindern waren für ihn laut der Gutachterin und seiner eigenen Einlassungen nie ein Thema – bisher, wie die Gutachterin betonte.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Kammer betonten, dass es selten ist, dass ein Angeklagter selbst seine Einweisung in eine Klinik zur Therapie wünscht. Ohne Therapie sei seine Prognose absolut negativ. Nun hat der Mann Zeit, an sich zu arbeiten. Richterin Fay-Thiemann hob den derzeit bestehenden Haftbefehl auf und ordnete die sofortige Verbringung in der Forensik an. „Das muss man nicht so machen, das haben wir aber jetzt so entschieden“, verkündete sie in der Urteilsbegründung. Folglich verzichteten der Angeklagte und sein Verteidiger auf Einlegung von Rechtsmitteln.

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