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Neuwied

Outsourcing-Pläne: Bei ZF-TRW in Neuwied brodelt es kräftig

Ulf Steffenfauseweh

Eine solche Szene, sagt Uwe Helmer, hat er in seinem Unternehmen noch nie erlebt. Und der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende ist schon ein paar Tage dabei. Als kürzlich in der Mitarbeiterversammlung der Vertreter der Geschäftsleitung das Wort ergreifen wollte, stand der Großteil der Belegschaft auf und verließ demonstrativ den Saal. Das sichtbarste Zeichen, dass es im Neuwieder Werk von ZF-TRW derzeit gewaltig brodelt.

In einer Mitgliederversammlung in dieser Woche gaben die Teilnehmer eindrucksvoll dem Betriebsrat und der IG Metall den Auftrag, für alle Arbeitsplätze des Unternehmens zu kämpfen.
In einer Mitgliederversammlung in dieser Woche gaben die Teilnehmer eindrucksvoll dem Betriebsrat und der IG Metall den Auftrag, für alle Arbeitsplätze des Unternehmens zu kämpfen.
Foto: IG Metall

Hintergrund sind Outsourcing-Pläne. Wie Betriebsratschefin Beate Elingshausen im Gespräch mit der RZ berichtet, will die Unternehmensführung die komplette Logistik auslagern. Betroffen sollen mehr als 300 der insgesamt 540 Mitarbeiter sein. Konditionen? Unklar. „Wir hatten ein Gespräch mit den Chefs, und da hieß es, dass alles ergebnisoffen ist. Aber das Vorgehen sieht ganz anders aus. Sie erhöhen ohne Ende den Druck und wollen das durchpeitschen“, ist Elingshausen überzeugt und schimpft: „Das geschieht alles ohne Not. Wir sind ein hochprofitabler Standort“. Hinzu komme, dass ZF ein stiftungsgeführter Konzern ist, der sich eigentlich dem guten Zweck verschrieben hat.

„Früher haben wir immer auf die Amis geschimpft. Wir dachten, ZF hat einen anderen Ansatz“, sagt Betriebsrat Christoph Elingshausen. Zum Hintergrund: Das als „Lucas KFZ Ausrüstungs GmbH“ gegründete und 1992 von Koblenz nach Neuwied umgezogene Unternehmen gehörte lange Jahre zum US-Konzern TRW. Der wiederum ist vor zwei Jahren komplett von der ZF Friedrichshafen AG übernommen worden. Seit Anfang 2017 heißt das Neuwieder Werk offiziell „ZF Aftermarket. TRW KFZ Ausrüstungs GmbH“.

Wie die Betriebsräte berichten, war den neuen Chefs nach der Übernahme und einer Gesetzesänderung klar, dass der damals bestehende Werksvertrag für den Logistikbereich nicht haltbar ist. Es gab zu viele Schnittstellen, keine klare Trennung, sagen sie. „Die Kollegen waren vollkommen im Haus integriert, die Übergänge fließend. Das war nicht rechtskonform“, ist die BR-Vorsitzende überzeugt und berichtet, dass in der Folge eine Umwandlung in ein Arbeitnehmerüberlassungsmodell stattfand. Gut die Hälfte der heutigen Mitarbeiter ist daher jetzt bei den Leiharbeitsfirmen Randstatt, Adecco und der insolventen ITN angestellt. „Das ist für uns schon ein Stück weit ein Skandal, dass mehr als die Hälfte der Leute in prekärer Beschäftigung ist“, kritisiert der Erste IG-Metall-Bevollmächtigte Markus Eulenbach.

„Noch schlimmer“ findet er aber, dass die Unternehmensführung jetzt, da die zeitliche Grenze der Arbeitnehmerüberlassung in Sicht ist, „nichts anderes vorhat, als den vorherigen Zustand wieder herzustellen“. Und für dieses neue Modell müssten zusätzlich 57 tarifgebundene ZF Mitarbeiter ausgelagert werden. „Ein Konzern mit eigentlich gutem Ruf und keinen wirtschaftlichen Nöten will seine Gewinne auf Kosten der Belegschaft erhöhen. Ich hab die Zahlen gesehen“, stellt der Gewerkschafter sauer fest.

Er fordert gemeinsam mit den Betriebsräten dringend „Sondierungsgespräche, die zu einer zielführenden Lösung führen“. Denn die Geschäftsführung führe schon jetzt potenzielle Kunden – sprich: künftige Arbeitgeber der ausgelagerten Mitarbeiter – durchs Haus.

Fabiola Wagner als Kommunikationschefin von ZF-Aftermarket sieht das alles etwas anders. Gegenüber der RZ führt sie aus, dass sich der Automobilzulieferer „natürlich wettbewerbsfähig aufstellen“ muss, auch um „in einer wettbewerbsintensiven Branche“ für die Kunden attraktiv zu sein. Derzeit prüfe man „diverse Möglichkeiten“ und suche auch nach Partnern. „Wir müssen immer optimieren, und diese Situation gibt es auch im Moment. Aber es ist noch nichts entschieden. Wir sind in Verhandlungen“, sagt sie und betont: „Wir wollen grundsätzlich nichts gegen die Mitarbeiter machen.“ Vielmehr habe das Unternehmen einen „besonderen Anspruch des Umgangs“. „Wir kommunizieren früh, was dazu führt, dass wir nicht immer gleich auch Ergebnisse verkünden können“, sagt sie.

Aftermarket

Das ZF-TRW-Werk in Neuwied ist auf dem sogenannten KFZ-Aftermarket tätig und beliefert hauptsächlich den „gebundenen Teilemarkt“. Einfacher ausgedrückt bedeutet das, dass das Unternehmen Servicepakete mit Ersatzteilen schnürt und an die Fahrzeughersteller verkauft. Die Teile selbst werden allerdings nicht in Neuwied produziert.

Hier werden die Servicepakete zusammengestellt und vertrieben.

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