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Neuwied

Neuwied: Wer Bundesliga schauen will, muss suchen

Die Fußball-Sommerpause neigt sich dem Ende zu: Doch wer Gladbach, Dortmund, Schalke, Köln und Co. in Neuwied schauen will, der muss künftig länger suchen, wenn er kein Bezahlfernsehen zu Hause hat.

Das Sky-Schild, das bis vor kurzem am Rotana-Café in der Pfarrstraße hing, hat Geschäftsführer Beri Tawfeek bereits abgebaut. Angesichts der neuen Preiserhöhung haben drei weitere Gaststätten ihr Abo gekündigt. Foto: Christina Nover
Das Sky-Schild, das bis vor kurzem am Rotana-Café in der Pfarrstraße hing, hat Geschäftsführer Beri Tawfeek bereits abgebaut. Angesichts der neuen Preiserhöhung haben drei weitere Gaststätten ihr Abo gekündigt.
Foto: Christina Nover

Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh und unserer Mitarbeiterin Sabine Nitsch

Neuwied – Die Fußball-Sommerpause neigt sich dem Ende zu: Am kommenden Wochenende findet die erste Pokalrunde statt, eine Woche später rollt in der Bundesliga wieder der Ball. Doch wer Gladbach, Dortmund, Schalke, Köln und Co. in Neuwied schauen will, der muss künftig länger suchen, wenn er kein Bezahlfernsehen zu Hause hat. Denn die Zahl der Sky-Kneipen in der Stadt nimmt ab. Weil der Sender erneut die Preise für gewerbliche Kunden kräftig erhöht hat, haben die Besitzer von Thirsty Lion in der Neuwieder Marktstraße, Engerser Hof und Voyage in Engers gekündigt. Weitere Wirte sind schwer sauer und überlegen nachzuziehen.

"Ich habe für den Thirsty Lion gekündigt, weil man mir vergangenes Jahr den Preis von 247 auf 437 Euro im Monat erhöht und jetzt wieder eine Anpassung auf 640 Euro ab Oktober angekündigt hat", schimpft Martin Lenzen und ergänzt: "Sorry, liebe Fußballfans, aber bei circa 10 000 Euro Kosten im Jahr inklusive Personal müsste ich allein mit Fußball rund 30 000 Euro umsetzen, um auf null zu kommen. Das geht einfach nicht", sagt er.

Ähnlich argumentiert Marina Wacker vom Voyage: "Pro Monat sollte ich 450 Euro bezahlen, um Sky in einem 53 Quadratmeter großen Raum zu zeigen. Viel zu teuer! Das rechnet sich nicht", sagt sie und betont: "Die übertreiben total." Und weil Peter Koll vom benachbarten Engerser Hof genauso denkt, gibt es jetzt im Stadtteil überhaupt keine Bundesliga mehr. Und auch in Koblenz, so hat er gehört, habe eine Kündigungswelle eingesetzt, sodass es dort künftig nur noch eine Sky-Bar gebe.

Doch zurück zu seiner Gaststätte: "Angefangen haben wir mal mit 275 Euro, dann waren es 346, und jetzt sollte ich 420 Euro zahlen. Das funktioniert hier nicht. Wir sind ja nicht auf der Fanmeile, sondern auf dem Dorf", sagt er und erzählt, dass gute Spiele ihm vielleicht 10 bis 15 zusätzliche Gäste beschert haben.

Und bei dieser Anzahl funktioniert selbst die Sky-Rechnung nicht, die Martin Lenzen wiederum schon für übertrieben hält. "Im Sky-Flyer heißt es, dass der durchschnittliche Gast in einer Sportsbar während einer Liveübertragung für 18,11 Euro verzehrt. Nun rechne mal jeder Samstagnachmittagsfußballkneipengänger, was er oder sie so konsumiert. In meinem Lokal schaffen das die allerwenigsten. Die rechnen sich die Welt doch schön", unterstreicht er und kritisiert auch die seiner Meinung nach undurchsichtige Preisberechnung: "Sky hat ein ganz besonderes Modell, das nach deren Aussage zu mehr Gerechtigkeit führt. Die Kosten berechnen sich demnach aus den Faktoren ,Sportaffinität in der Region‘, ,Kaufkraft in der Region‘ und ,Bevölkerungsstruktur‘. Ist doch ganz einfach und völlig logisch, oder?", fragt er sarkastisch.

Gekündigt hat auch Beri Tawfeek, Geschäftsführer des Trix-Nachfolgers Rotana-Café und Shisha-Lounge in der Pfarrstraße: "Ich kann mir das nicht mehr leisten", stellt er fest, zumal die Nachfrage seiner Gäste deutlich zurückgegangen sei, vor allem, weil bei der attraktiven Champions League nur ein exklusives Spiel auf Sky läuft. "Das lohnt sich nicht", stellt auch er fest und gibt an, derzeit 440 Euro pro Monat zu zahlen. Ab September fordert der Bezahlsender 590 Euro. Ziemlich sauer auf Sky ist auch Heiner Kloft von der American Sportsbar auf dem Luisenplatz. Gekündigt hat er aber (noch) nicht. Günter Krämer ist praktisch schon einen Schritt weiter und zeigt keinen Fußball mehr. In der Gaststätte, die er bis vor zwei Jahren in Engers führte, hatte er noch Sky, für seine aktuelle Gaststätte, das Amadeus am Pegelturm in der Innenstadt, hatte er vor wenigen Wochen bei Sky angefragt und sollte 380 Euro für die Übertragung im Raucherraum zahlen. "Das geht doch gar nicht. Die sind total verrückt geworden", findet er und weist darauf hin, dass auch in den spielfreien Sommermonaten weitergezahlt werden muss. Und die Topspiele kämen ohnehin im frei empfangbaren Fernsehen.

Wie individuell unterschiedlich Sky offenbar vorgeht, zeigt das Beispiel vom Bowlingcenter in Heddesdorf. Denn Dimitri Kutscherenko hat von einer Erhöhung noch nichts gehört. Ebenso geht es Michael Dickenberger von "Zum Annemie" in Gladbach. "Aber ich warte jeden Tag darauf", sagt er im Gespräch mit der RZ. Und wenn sie dann kommen sollte, will er nachdenken, was er tut, gibt es sich erst einmal zurückhaltend.

Heinz Osianer hingegen berichtet, dass er gerade erst einen neuen Vertrag abgeschlossen hat. "Beim Ossi" in Oberbieber werden die Fußballfans also künftig Fußball schauen können.

Laut Sky-Internetseite zeigen auch das Alt-Wollendorf in Feldkirchen und das Gasthaus zur Wied in Niederbieber Fußball. Hier hatten wir bei unseren Anfragen jedoch nicht das Glück, den jeweiligen Betreiber sprechen zu können.

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