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Unkel

Nach dem Brand: Zukunft des Hauses Eibe ist weiter offen

Rund zwei Wochen nach dem Großbrand im Haus Eibe im Seniorenstift St. Pantaleon in Unkel sind die Spuren, die das Feuer hinterlassen hat, noch deutlich zu sehen. Das Dach ist mit einer Plane abgedeckt, während es im hinteren Teil des Gebäudes extrem müffelt, wie die stellvertretende Pflegedienstleiterin Ricarda Ghomina berichtet. Wie es mit dem Gebäude nun weitergeht – ob es saniert oder abgerissen wird – steht noch immer nicht fest. „Das Dach hat gebrannt, es wurde kubikmeterweise Löschwasser gebraucht. Sachverständige müssen prüfen, wie es um die Bausubstanz bestellt ist“, sagt Heribert Frieling, Sprecher der Marienhaus- Gruppe Waldbreitbach, die das Seniorenzentrum St. Pantaleon unterhält. In der kommenden Woche, so kündigt er an, soll es eine Infoversammlung für Bewohner, deren Angehörige und Betreuer geben.

Ricarda Ghomina, Franz-Martin Korf und Heimleiterin Renate Schoor (von links) vor dem Haus Eibe. Wie es mit dem Gebäude weitergeht, steht noch nicht fest. Foto: Müller
Ricarda Ghomina, Franz-Martin Korf und Heimleiterin Renate Schoor (von links) vor dem Haus Eibe. Wie es mit dem Gebäude weitergeht, steht noch nicht fest.
Foto: Müller

Das Team um Heimleiterin Renate Schoor indes hatte in den zurückliegenden Tagen und Wochen jede Menge zu tun. Da galt es zunächst, eine neue Bleibe für die rund 50 Bewohner zu finden. Während sechs von ihnen in einem anderen Gebäude des Seniorenstifts St. Pantaleon in Unkel untergekommen sind und zwei bei Angehörigen leben, sind die anderen in umliegenden Altenheimen untergekommen: in St. Augustin, Neustadt, Bad Hönningen, Rheinbrohl, Bad Breisig, Linz, Bad Honnef, Hausen und Unkel.

Franz-Martin Korf ist Sohn eines Bewohners im Haus Eibe. Seit dem Brand lebt sein 84-jähriger Vater in einem Heim in St. Augustin. Ihn bei sich aufzunehmen – das sei wegen der schweren Erkrankung des Seniors nicht möglich gewesen, sagt Korf. Er sowie auch sein Vater bedauern, dass der 84-Jährige nun seine bisherigen vertrauten Bezugspersonen wie die Fußpflegerin nicht mehr um sich habe. „Mein Vater hat sich hier sehr gut eingelebt und wohl gefühlt“, sagt Korf und ergänzt: „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass er hier sein Zimmer bald zurückbekommen kann.“ Auch die Mitarbeiter im Seniorenstift vermissen die Bewohner von Haus Eibe, wie Schoor berichtet. „Die Menschen sind ihnen ans Herz gewachsen. Wir würden sie am liebsten alle zurückholen“, sagt sie. Der Umzug nach St. Augustin hat sich für Korfs Vater einfach gestaltet. „Er hatte hier kein Mobiliar und keine Wertsachen. Wir mussten nur den Schrank leer räumen“, berichtet Franz-Martin Korf.

Was die Bewohner an Eigentum in den Flammen verloren haben, ist unterschiedlich. „Die, die im vorderen Bereich untergebracht waren, hatten mehr Glück“, sagt Ricarda Ghomina. Für andere indes lief es weniger gut, sie habe einiges verloren. Doch die Hilfsbereitschaft der Menschen sei groß gewesen, meint Schoor. So wurden am Samstag nach dem Brand im Seniorenstift Kleiderpakete für die Bewohner gepackt. Nachdem das Gebäude bereits am Vortag wieder freigegeben worden war, ist die Heimleitung zudem damit beschäftigt, Termine mit den Angehörigen zu vereinbaren und Listen zu erstellen, damit das unbeschädigte Eigentum abgeholt werden kann. Kleidung, Puppen, Fotoalben und vieles mehr. Dabei entscheidet ein Gutachter, was noch verwertbar ist und was nicht. Empfangsbestätigungen müssen unterschrieben, die Angehörigen umgemeldet und die Versicherungskarten geändert werden. Es ist eine logistische Meisterleistung, die das Seniorenstift stemmen muss. „Seit jenem Samstag sind wir immer noch am Räumen“, erzählt Schoor, die sich noch genau an die Brandnacht erinnert.

Gegen 21 Uhr sei sie benachrichtigt worden. „Ich hatte mein Enkelkind bei mir, mit dem ich eigentlich um Mitternacht zu seinem 18. Geburtstag anstoßen wollte“, sagt sie. Doch daraus wurde nichts. Wie im Trance, so erzählt sie, sei sie von Hennef nach Unkel gefahren. Die zahlreichen Menschen am Seniorenstift habe sie gar nicht wahrgenommen. „Ich war sofort aktiv im Geschehen. Nach der wichtigsten Nachricht, dass keiner zu Schaden gekommen sei, wurde gearbeitet“, sagt sie. Auch Ricarda Ghomina weiß noch ganz genau, wie ihre Freundin sie in der Brandnacht angerufen hatte, um sie zu fragen, ob es ihr gut ginge. „Ich habe daraufhin meinen Mann kontaktiert, damit er von der Arbeit nach Hause kommt und sich um unser 15 Monate altes Kind kümmert“, erzählt sie. Als er heimkam, habe sie sich gleich ins Auto gesetzt und sei von Bonn nach Unkel gefahren. „Sagt mir bitte, dass alle noch am Leben sind“, seien ihre ersten Worte am Brandort gewesen. Danach sei sie zu allen Bewohnern gegangen und habe anschließend mit leitenden Ärzten und dem DRK-Betreuungsteam die Bewohnerverteilung organisiert.

Es war eine lange Nacht für alle – Bewohner und Betreuer, die nach der Nachricht über den Brand aus den umliegenden Orten zur ihrer Arbeitsstätte gekommen waren um zu helfen. Ghomina verließ, wie sie berichtet, gegen 2.30 Uhr das Seniorenstift. Schoor war um 4 Uhr wieder daheim.

Von unserer Redakteurin Silke Müller

Benefizkonzert geplant

Die Burgbläser Rheinbreitbach, bei denen Franz-Martin Korf aktiver Musiker ist, wollen ihm zufolge mit Abstimmung der VG-Verwaltung Unkel ein Benefizkonzert für Bewohner des Hauses Eibe organisieren. Allerdings sind sie noch auf der Suche nach einem Veranstaltungsraum und suchen Freiwillige, die sich um die Bewirtung der Gäste kümmern möchten. „Schön wäre es, wenn wir den Veranstaltungsraum am Vorteil-Center bekommen könnten“, sagt Korf.

Wer helfen möchte, kann Kontakt zum Vorstand über die Internetadresse www.burgblaeser.de aufnehmen.

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