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    Kreis Neuwied

    Mit Bagatellleiden in die Notaufnahme: Kliniken sind gegen Gebühr

    Wer ohne echten Notfall in die Notaufnahme kommt, soll 20 Euro zahlen: Von diesem Vorschlag einiger Kassenärztlicher Vereinigungen halten die Kliniken im Kreis Neuwied durchweg nichts.

    Ausnahmsweise ein ruhiger Tag in der Notaufnahme: Oft ächzen die Kliniken aber unter den vielen Patienten, die in der Bereitschafstdienstzentrale besser aufgehoben wären.
    Ausnahmsweise ein ruhiger Tag in der Notaufnahme: Oft ächzen die Kliniken aber unter den vielen Patienten, die in der Bereitschafstdienstzentrale besser aufgehoben wären.
    Foto: Jörg Niebergall

    Die Klinikleiter fürchten Zweiklassenmedizin und Bürokratisierung. Statt als Patienten zahlen zu müssen, sollten die Bürger besser aufgeklärt werden, fordern sie.

    Die Idee hakt den Kliniken zufolge schon daran, dass die Grenze zwischen echtem Notfall und ungefährlichem Bagatellleiden hauchdünn sein kann – und von Patienten subjektiv wahrgenommen wird. Der Verwaltungsdirektor des Verbundkrankenhauses Linz-Remagen, Thomas Werner, erklärt: „Für den Patienten, der kommt, ist es ein Notfall.“ Manchmal ist es auch von ärztlicher Seite eindeutig: Wer mit schweren Unfallverletzungen in die Notaufnahme kommt, ist klar ein Notfall – wer einen Schnupfen hat, ist keiner. Dazwischen gebe es viele Grauzonen, sagt Christof Schenkel-Häger, Ärztlicher Direktor des Marienhaus-Klinikums Neuwied. Eine Gebühr, so fürchten die Klinikleiter, bringe daher einen erheblichen bürokratischen Aufwand mit sich. Schenkel-Häger erinnert an die 2012 abgeschaffte Praxisgebühr: „Ihr Effekt war nach einigen Monaten völlig verpufft.“

    Gebühr könnte Patienten mit Notfällen fernhalten

    Wenn Ärzte und Schwestern mit den Patienten regelmäßig diskutieren müssten, könne auch sie das zusätzlich belasten, warnt Dieter Pöhlau, Ärztlicher Direktor der Asbacher Kamillus-Klinik. Auch er hat Verständnis für die Patienten. Mit Blick auf die Schlaganfalleinheit seiner Klinik sagt er: „Wir schulen unsere Patienten, dass sie bei neurologischen Ausfällen schnell reagieren.“ Würden sie mit einer Gebühr abgeschreckt, sei das kontraproduktiv. Auch andere echte Notfallpatienten könne eine Gebühr fernhalten, mahnen die Klinikleiter.

    Genau beziffern lässt sich das Problem der Bagatellleiden in der Notaufnahme allerdings nicht. Zum Franziskus-Krankenhaus, dem Linzer Standort des Verbundkrankenhauses Linz-Remagen, kommen jährlich rund 3800 Patienten wegen echter oder vermeintlicher Notfälle. Knapp zwei Drittel von ihnen kommen zu Zeiten, in denen die Hausarztpraxen geschlossen haben, berichtet Verwaltungsdirektor Werner. „Es kann uns in personelle Engpässe bringen, wenn da viele Fälle kommen.“ Lukrativ sind Notfallbehandlungen für die Häuser dagegen nicht. Schenkel-Häger vom Marienhaus-Klinikum zitiert ein Gutachten der Deutschen Krankenhausgesellschaft: Gut 30 Euro bekommt eine Klinik demnach für einen Notfall vergütet. Die Behandlungskosten liegen deutlich höher, bei beispielsweise bis zu 120 Euro. „Wirtschaftlich ist das kein gutes Geschäft“, sagt Schenkel-Häger.

    Einig sind sich die Klinikleiter auch darüber, wieso Patienten mit Bagatellleiden überhaupt zur Notaufnahme kommen – anstatt während der Öffnungszeiten zum Hausarzt oder außerhalb zur Bereitschaftsdienstzentrale (BDZ) zu gehen. Viele Patienten wissen ihnen zufolge gar nicht, dass es die BDZ gibt. Für viele, besonders ältere Patienten ist sie außerdem zu weit entfernt. Vor allem zeigt sich das Problem im ländlichen Raum, sagt Reinhold Ostwald, Ärztlicher Direktor des Evangelischen Krankenhauses Dierdorf/Selters. Denn auch Senioren aus Dierdorf oder Asbach müssten mit einem Leiden am Wochenende oder am Abend zur BDZ nach Neuwied oder Altenkirchen. Dazu kommt laut Ostwald: „Die Landbevölkerung identifiziert sich natürlich mit 'ihrem' Krankenhaus.“ Auch für Pöhlau in Asbach ist klar, dass die Patienten bei schlechterer medizinischer Versorgung auf dem Land auf die Krankenhäuser zurückgreifen.

    Bessere Aufklärung gefordert

    Statt einer Gebühr fordern die Klinikleiter deswegen, die Bevölkerung besser aufzuklären, wer mit welchem Leiden wann und wo gut aufgehoben ist: „Da geht's um Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Schenkel-Häger vom Marienhaus-Klinikum. Er nimmt dabei alle Beteiligten im Gesundheitssystem in die Pflicht, darunter auch die Krankenhäuser selbst und die Politik.

    Von unserer Reporterin Marion Ziegler

    Wenn der Arzt zu hat: Die Bereitschaftsdienstzentralen

    Krank, am Wochenende, die Hausarztpraxis ist geschlossen. Was nun? Anlaufstelle ist dann die Bereitschaftsdienstzentrale (BDZ) der niedergelassenen Ärzte. Sie versorgt Patienten in Zeiten, zu denen die niedergelassenen Ärzte nicht geöffnet haben.

    Ende 2013 löste die BDZ in der Marktstraße 104 in Neuwied die im Kreis und über Kreisgrenzen zuvor dezentral organisierten Bereitschaftsdienste ab. Träger ist die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz. Deutschlandweit sind die Bereitschaftsdienste erreichbar unter der Telefonnummer 116117. mzi

     

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    Neuwied Linz
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