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Windhagen

Milliardendeal: Wirtgen-Verkauf beschäftigt Gemeinderat

Michael Fenstermacher

Um die Bebauungspläne Vierwindener Straße und Grabenbitze/Sack geht es am Donnerstag, 22. Juni, ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus Windhagen, wenn der Gemeinderat zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommt. Das Thema, das seit Monatsanfang die Gespräche beherrscht wie kein zweites, steht dagegen nicht auf der Tagesordnung: der Milliardendeal über den Verkauf der Wirtgen Group an den US-Konzern John Deere.

Das Areal der Wirtgen Group in Asbach gehört jetzt zum US-Konzern John Deere.  Foto: Wirtgen Group
Das Areal der Wirtgen Group in Asbach gehört jetzt zum US-Konzern John Deere.
Foto: Wirtgen Group

Dabei hatte die Windhagener SPD genau das bereits wenige Tage nach Bekanntwerden des Geschäfts in einer Pressemitteilung des Fraktionsvorsitzenden Thomas Stumpf gefordert. Die SPD, so Stumpf, sorgt sich um den dauerhaften Erhalt der Arbeitsplätze in Windhagen, Bauchschmerzen bereiten ihr auch noch ausstehende Baumaßnahmen, unter anderem der Neubau eines Werksteils in Stockhausen. Hinzu kommt für Stumpf das Thema Gewerbesteuer, die möglicherweise seitens der Wirtgen GmbH nicht mehr im vollen Umfang nach Windhagen fließen könnte, fügt Stumpf im RZ-Gespräch hinzu. Auch bleibe abzuwarten, inwieweit der fehlende persönliche Bezug der neuen Besitzer zum Ort den Windhagener Vereinen und Initiativen zum Nachteil werden könnte.

Dass das Thema nicht auf der Tagesordnung steht, will Ortsbürgermeister Josef Rüddel aber nicht als Absage verstanden wissen. Es könne auch unter dem Punkt Mitteilungen der Gemeindeleitung oder Anfragen besprochen werden, sagt er auf Nachfrage. Damit wäre Thomas Stumpf einverstanden. „Das Mindeste ist aber, dass wir eine Perspektive für Gespräche mit den neuen Verantwortlichen aufgezeigt bekommen und den neusten Sachstand erfahren“, betont er. Rüddel dagegen erklärt, er habe seit dem 1. Juni nichts Neues in der Sache erfahren. „Wir müssen abwarten“, sagt der 92-Jährige, dem es um die Steuereinnahmen angesichts des niedrigen Satzes in Windhagen nicht bange ist.

Auch Axel Schülzchen, Vorsitzender der CDU-Fraktion, hält nichts von „verfrühten Spekulationen“. Für ihn das Wichtigste: „Es gibt keine Überschneidungen in den Produktpaletten, also ist auch nicht zu erwarten, dass die Produktion verlagert wird.“ Zwar sei es schade, dass die Familie Wirtgen, mit der sich über Jahrzehnte eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt hat, sich zurückziehe. Andererseits werde durch den Verkauf der Fortbestand des Unternehmens dauerhaft gesichert. „Die Gewerbesteuer wird da entrichtet, wo produziert wird“, macht er sich in diesem Punkt keine Sorgen. Und anstatt Reden im Rat zu halten, sei es nun wichtiger, schnell einen Draht zu den künftigen John-Deere-Statthaltern bei Wirtgen aufzubauen.

Grünen-Fraktionschef Roland Kohler sieht unterdessen noch einige offene Fragen, zu den geplanten Erweiterungen, aber zum Beispiel auch, ob künftig die Bilanzen für Wirtgen in der John-Deere Europazentrale in Mannheim erstellt werden und welche Erträge wo ausgewiesen werden. „Wir können nur hoffen, dass die Marke Wirtgen so stark im Weltmarkt verankert ist, das es auch künftig gut weitergeht“, betont Kohler, der aber alle Unternehmen der Gruppe glänzend aufgestellt sieht. Der Verkauf sei aber auch ein kleines Warnsignal an Orts- und Verbandsgemeinde, dass alte Gewissheiten nicht für immer gültig bleiben.

„Die Wirtgen-Brüder sind wie ihre Eltern sehr heimatverbunden, das ist beim neuen Eigentümer naturgemäß nicht mehr“, sagt FDP-Ortsvereinsvorsitzender Johann Walgenbach, der sich in Vertretung von Fraktionschef Alfons Ewenz gegenüber der RZ äußert. Aufgrund des niedrigen Gewerbesteuersatzes rechne er aber damit, dass auch John Deere Windhagen verbunden bleibe. Für die Verkaufsentscheidung der Wirtgen-Brüder bringt er Verständnis auf. „Das war nach dem sehr starken Jahr 2016 sicherlich der richtige Zeitpunkt.“

Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher

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