40.000
Aus unserem Archiv
Erpel/Kretzhaus

Kreis stellt Ultimatum: Freizeitpark mit Panzer muss weg

Jetzt haben es Gary Blackburn und seine Frau Monika schriftlich: Der Freizeitpark „Little Britain“ samt Panzer, Queen-Statue und roten Telefonzellen in Kretzhaus, Gemarkung Erpel, muss verschwinden – und zwar sofort. Das besagt eine Verfügung der Kreisverwaltung vom 6. Juli. Als Grund gibt die Behörde an, dass die private kostenlose Ausstellung keine Baugenehmigung hat. Darüber hinaus soll das frei zugängliche Gelände samt einem Wanderweg abgesperrt werden. Ist das wirklich das letzte Kapitel in dieser langen Geschichte?

Gary Blackburn samt Friedenstaube vor dem Teil von „Little Britain“, das für Aufsehen gesorgt hat: der Panzer vom Typ Centurion.
Gary Blackburn samt Friedenstaube vor dem Teil von „Little Britain“, das für Aufsehen gesorgt hat: der Panzer vom Typ Centurion.
Foto: dpa
In dem Schreiben droht die Bauaufsicht Eigentümerin Monika Blackburn jedenfalls: „Sollten wir bis spätestens 10. August keine weitere Mitteilung Ihrerseits erhalten, so sehen wir uns gezwungen, die Beseitigung der Anlagen anzuordnen.“ Bei Nichtbefolgung der Verfügung erwartet Monika Blackburn ein Zwangsgeld von zunächst bis zu 3000 Euro. Die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens wird geprüft – mit einer Geldbuße bis zu 50 000 Euro.

Damit scheint eine Geschichte dem Ende zuzugehen, die nicht nur die Behörden im Kreis schon seit geraumer Zeit in Atem hält. Stein des Anstoßes war damals ein Panzer vom Typ Centurion, der einst bei der Schweizer Armee eingesetzt wurde und nun auf dem Grundstück der Blackburns steht. Ein rotes Tuch für manch einen wie für die Nachbarn Andrea und Matthias Oppermann. Letzterer hatte einst von „einer Verhöhnung der Menschen, die durch Kriegserlebnisse belastet und traumatisiert sind“, gesprochen.

Im Juni vergangenen Jahres versuchten die Blackburns, für den Panzer als Werbeanlage eine Sondergenehmigung zu erhalten. Doch der Plan scheiterte, denn der Erpeler Gemeinderat als zuständiges Gremium lehnte den Antrag mehrheitlich ab. Dabei war der Panzer schon damals alles andere als ein Novum für die Unkeler VG-Verwaltung. „Der Panzer hat uns zwölf Monate in Atem gehalten“, hatte Ordnungsamtschef Christoph Heck seinerzeit im Gremium gesagt und von einem Vor-Ort-Termin berichtet, an dem sogar der Büroleiter von Ministerpräsidentin Malu Dreyer teilgenommen hatte.

Rund zwei Monate später schaltete sich die CDU-Landtagsabgeordnete Ellen Demuth ein. „Panzer werden in so vielen Kriegen eingesetzt, das ist eine Verhöhnung aller Opfer“, sagte sie damals und richtete deshalb eine Anfrage an die Landesregierung. Dort hieß es aber als Antwort, dass der Panzer auf Privatgrund stehe, weder fahr- noch einsatzfähig sei und deshalb nicht mehr unter das Kriegswaffenkontrollgesetz falle. Seitens der Kreisverwaltung hieß es bereits im vergangenen August, dass der Panzer als Werbeanlage nicht genehmigungsfähig sei. Als die Behörde dem Besitzer daraufhin eine Anhörung zuschickte, zog er seinen Antrag auf Sondergenehmigung zurück – in der Hoffnung, den Panzer ohne Werbung stehen lassen zu können.

Das aber sah die Kreisverwaltung anders. „Weil das Gerät ortsfest ist, bedarf es einer Baugenehmigung“, hatte ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung der RZ im Oktober mitgeteilt. Damals hieß es aber auch, dass der Eigentümer noch die Möglichkeit habe, einen neuen Bauantrag für den Panzer zu stellen, obwohl der Mitarbeiter der Kreisverwaltung schon zu diesem Zeitpunkt der RZ gegenüber sagte, dass ein erneuter Antrag auch keine Chance auf Erfolg habe. Als unwahrscheinlich bezeichnete der Mitarbeiter der Kreisverwaltung damals auch die Möglichkeit, für den Panzer eine Genehmigung als Denkmal zu erhalten.

Über diesen Zeitraum hinweg ist parallel auf dem Grundstück der private Freizeitpark „Little Britain“ gewachsen – ohne Baugenehmigung. Ob die Tage des Parks nun gezählt sind? Gary Blackburn jedenfalls hat am Donnerstag angekündigt, Widerspruch einzulegen. „Das hat mich völlig überrascht“, sagte er. „60.000 Leute fahren hier jedes Jahr mit der Kasbachtalbahn vorbei und sehen bei einem Fotostopp ,Little Britain‘, so Blackburn. Den Weg über sein Betriebsgelände zum Rheinsteig nutzten nochmals mindestens genauso viele Wanderer: „Die sind begeistert.“ Von seinem kleinen Freizeitpark gingen keinerlei Gefahren aus. Der 54-Jährige verweist auf Einträge in seinem Gästebuch. „Ein skurriler, aber interessanter Ort zu Beginn einer schönen Wanderstrecke“, heißt es dort beispielsweise. Oder mit Blick auf eine lebensgroße Statue: „Ein Picknick mit der Queen hatten wir bisher noch nie – vielen Dank!“ Blackburn sieht „Little Britain“ als Beitrag für die deutsch-englische Freundschaft. „Ich fühle mich diskriminiert“, klagt er.

Erpels Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer indes sagt zu „Little Britain“: „Ich habe sehr viele positive und sehr viele negative Stimmen gehört.“ In der Verfügung der Kreisverwaltung ist die Rede vom „Interesse der Allgemeinheit an einer geordneten baulichen Entwicklung des Gemeindegebiets“. Blackburn habe daher von der Gemeinde Erpel kein grünes Licht für seine Bauanträge bekommen. Adenauer erklärt: „Wir haben versucht, Herrn Blackburn goldene Brücken zu bauen.“ Aber für eine Ausstellungsfläche müsse nun mal der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. „Das ist die Frage, ob das da oben im Waldgebiet zu realisieren ist. dpa/sm

Neuwied Linz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter Neuwied
Mittwoch

2°C - 5°C
Donnerstag

2°C - 7°C
Freitag

3°C - 6°C
Samstag

3°C - 6°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach