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    Kreis Neuwied: Traumatherapie für "kleine Helden" in der Kita

    Mehr als 170 Flüchtlingskinder im Kindergartenalter haben im vergangenen Jahr den Kreis Neuwied erreicht. Viele von ihnen haben während ihrer Flucht Traumatisches erlebt. Deutschlandweit gibt es bisher nur wenige traumatherapeutische Angebote für Kinder im Vorschulalter - eines davon im Kreis Neuwied. Mit dem Pilotprojekt "Behandeln statt Abwarten" will der Kreis betroffenen Kindern, ihren Eltern und den Einrichtungen im Kreis helfen. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des ehemaligen Betreuungsgelds.

    Über den Start des Pilotprojekts freuen sich Therapeutin Daniela Lempertz (links), Achim Hallerbach und Kitaleiterin Britta Baumann-Peikert.
    Über den Start des Pilotprojekts freuen sich Therapeutin Daniela Lempertz (links), Achim Hallerbach und Kitaleiterin Britta Baumann-Peikert.
    Foto: Kreis Neuwied

    Kindertagesstätte "Regenbogenland" in Erpel: In keiner anderen Kita im Kreis sind im Verhältnis zu ihrer Größe so viele Flüchtlingskinder untergebracht. "Gerade als die Kinder aus Syrien oder Ägypten kamen, haben wir gemerkt, es wird anstrengender als gedacht", sagt Kitaleiterin Britta Baumann-Peikert. "Man kann den Kindern ihre Geschichte ja nicht vom Gesicht ablesen." Die Kita ist eine der ersten im Kreis, die Daniela Lempertz, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Neuwied, mit ihrem traumatherapeutischen Angebot unterstützt. Zum Einsatz kommt die EMDR-Methode (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Bei der wissenschaftlich anerkannten Methode verarbeiten die Kinder stark vereinfacht ausgedrückt die belastenden Erinnerung unter Nutzung bilateraler Stimulation: Während sie erzählen, folgen sie den Fingern der Therapeutin mit den Augen, die ihre Hand abwechselnd nach rechts und links bewegt. So werden beide Hirnhälften stimuliert und die Erlebnisse besser verarbeitet.

    Das Behandlungskonzept beginnt mit der Schulung der Bezugserzieherinnen in der Kita, damit sie eine erste Einschätzung darüber vornehmen können, ob ein Kind unter einer besonderen psychischen Belastung steht. Nach einem Diagnosegespräch, der Einbeziehung der Eltern und einer weiteren Testung durch die Therapeutin erfolgen in Behandlungsgruppen mit maximal sechs teilnehmenden Kindern fünf Gruppensitzungen.

    Sie habe eine Gänsehaut gehabt, "zu sehen, was es den Familien für ein Gefühl gibt, in ihrer Heimatsprache sprechen zu können", sagt Baumann-Peikert. Denn die Therapiesitzungen erfolgen stets mit einem Dolmetscher. Danach seien sowohl Kinder als auch Eltern viel offener und interessierter gewesen. "Ein Kind hatte eine Wahnsinnsangst vor Lärm. Die Sitzungen haben ihm Sicherheit vermittelt. Ich bin dankbar für das Angebot", sagt die Kitaleiterin.

    "Unser gemeinsames Ziel war und ist es, die Kinder so weit zu stabilisieren und zu behandeln, dass die Kontaktaufnahme zu Erzieherinnen und anderen Kindern, Lernen, Spielen - kurzum: die Integration in die Kita - gefördert und erleichtert werden. Das Konzept von Daniela Lempertz hat uns da überzeugt. Es trägt auch dazu bei, die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas zu erleichtern," beschreibt Achim Hallerbach, Dezernent für das Kreisjugendamt. Das Angebot richtet sich an alle Kindergärten im Kreisjugendamtsbezirk. Bei den Eltern überwiegen, so Daniela Lempertz, Freude und Dankbarkeit für das Angebot an sich. Sie gewännen eine ganz neue Sicht auf ihre Kinder als kleine "Helden". Robin Brand

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