40.000
Aus unserem Archiv
Asbach

Kontaktaufnahme: Asbacher werben um John-Deere-Stadt als Partner

Ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Die Verbandsgemeinde Asbach streckt ihre Fühler über den Atlantik aus und strebt eine Städtepartnerschaft mit Moline im US-Bundesstaat Illinois an, dem Firmensitz des John-Deere-Konzerns, zu dem die Wirtgen-Gruppe seit dem vergangenen Jahr gehört. Einstimmig bei einer Enthaltung hat der VG-Rat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, Kontakt mit der Verwaltung der 44.000-Einwohner-Stadt aufzunehmen – mit dem Ziel, einen Partnerschaftsvertrag abzuschließen.

Dass Moline eher ländlich geprägt ist, erkennt man an dieser Aufnahme der Innenstadt.  Foto: Kepper66
Dass Moline eher ländlich geprägt ist, erkennt man an dieser Aufnahme der Innenstadt.
Foto: Kepper66

Es gehe darum, „Vertrauen in die neuen Strukturen zu schaffen“ und dafür zu sorgen, dass Personen und Vereine von der amerikanischen Seite wahrgenommen würden, begründete Bürgermeister Michael Christ den Vorschlag, der auf Gesprächen mit dem von John Deere entsandten Wirtgen-Geschäftsführer Domenic Ruccolo beruht. „Er ist sehr interessiert“, berichtete Christ. Gleiches gelte auch für John-Deere-Präsident Samuel Allen. Und das Wiedtal-Gymnasium in Neustadt habe signalisiert, dass man sich über einen transatlantischen Schüleraustausch freuen würde.

Hier hakte Stefanie Klör (SPD) mit der Aufforderung nach, parallel nach einer europäischen Partnergemeinde für die VG zu suchen. Denn: „Viele Jugendliche können sich die weite Reise in die USA gar nicht leisten.“ Jürgen Schmied, Vorsitzender der CDU-Fraktion, erklärte, dass die angestrebte Partnerschaft weiteren Kooperationen nicht im Wege stehe. Die Kontaktaufnahme mit der Geburtsstätte des Weltkonzerns diene aber vor allem der „strategischen Ausrichtung“ der Verbandsgemeinde. Es gehe darum, Mitarbeiter und politisch Verantwortliche näher aneinander heranzuführen und ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, heißt es dazu in den Sitzungsunterlagen der Verwaltung.

Im Juni 2017 war bekannt geworden, dass die John Deere AG, die weltweit 70.000 Mitarbeiter beschäftigt, die Unternehmensgruppe, zu der neben Wirtgen vier weitere Firmen gehören, zum Preis von 4,6 Milliarden Dollar übernimmt. Moline ist Heimat des Unternehmens, seit der Hufschmied und Firmengründer John Deere den Firmensitz 1848 dorthin verlegte. Die Stadt liegt circa 270 Kilometer westlich von Chicago am Mississippi in einer stark von der Landwirtschaft geprägten Region.

Während Buchholz mit dem ungarischen Hegyko und Windhagen mit Pfaffschwende in Thüringen bereits Gemeindepartnerschaften pflegen und Neustadt Teil des Netzwerks „Neustadt in Europa“ ist, wäre es für die Verbandsgemeinde die erste Städtepartnerschaft in ihrer Geschichte. Gute Voraussetzung: Auch Moline hat ausweislich seines Internetauftritts noch keinen internationalen Städtepartner.

Von unserem Redakteur
Michael Fenstermacher

Kluger Schachzug der Verwaltung

Am Shareholder Value, dem Wert des Unternehmens und damit dem Kurswert der Aktien, ist unternehmerisches Handeln in der angelsächsischen Wirtschaftstradition üblicherweise ausgerichtet. Das ist bei der John Deere AG als neuer Eigentümerin der Wirtgen-Gruppe nicht anders. An den Umgang mit dem extrem erfolgreichen Familienunternehmen Wirtgen gewöhnt, leiten sich daraus bei einigen Beobachtern im Asbacher Land Sorgen ab. Wie nachhaltig ist das Bekenntnis des Weltkonzerns zu Windhagen und den anderen deutschen Wirtgen-Standorten? Was, wenn eine neue Unternehmensführung sich in einigen Jahren nicht mehr daran gebunden fühlt und Arbeitsplätze und Technologie in die USA verlagert? Eine Partnerschaft zwischen der VG Asbach und der John-Deere-Stadt Moline bietet gegen eine solche Entwicklung zwar keine Gewähr, dennoch ist es ein kluger Schachzug der Verwaltung, auf diese Art auf eine Entstehung persönlicher Bindungen hinzuarbeiten. Denn die zählen offensichtlich auch etwas im Weltkonzern, der seit 170 Jahren an einem Standort fernab der US-Ballungszentren festhält. Mehr als nur ein netter Nebeneffekt ist dabei die Gelegenheit, einen Schüleraustausch zu etablieren. Und für begabte Englisch-Asse, deren Familien mit der Finanzierung einer USA-Reise überfordert sind, lässt sich bei sprudelnden Steuereinnahmen sicherlich eine Lösung in Form von Stipendien finden.

E-Mail an michael. fenster macher@rhein-zeitung.net

Neuwied Linz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
x
Top Angebote auf einen Klick
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter Neuwied
Samstag

11°C - 18°C
Sonntag

13°C - 20°C
Montag

13°C - 22°C
Dienstag

14°C - 25°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach