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Linz

Klares Nein des Stadtrats: Linz ist gegen großflächigen Einzelhandel in Notscheid

Silke Müller

Der Linzer Stadtrat will keinen großflächigen Einzelhandel im Gewerbegebiet Notscheid in St. Katharinen. Einen entsprechenden Beschluss hat er in seiner jüngsten Sitzung einstimmig gefasst.

St. Katharinen möchte in Notscheid Einzelhandel ansiedeln. Das aber ist den Linzern ein Dorn im Auge.  Foto: Nitsch
St. Katharinen möchte in Notscheid Einzelhandel ansiedeln. Das aber ist den Linzern ein Dorn im Auge.
Foto: Nitsch

St. Katharinen möchte zum einen dem Rewe-Markt ermöglichen, seine Verkaufsfläche von derzeit 1200 Quadratmetern auf 1600 Quadratmeter zu erweitern. Zum anderen sieht der Plan vor, einen Aldi-Markt mit 1250 Quadratmetern sowie einen weiteren Fachmarkt – angedacht ist unter anderem ein Outletcenter – mit rund 1500 Quadratmetern anzusiedeln.

Doch das schmeckt den Linzern überhaupt nicht. Und sie haben ein Wörtchen mitzureden, weil die Bunte Stadt Mittelzentrum ist und deshalb das für den großflächigen Einzelhandel erforderliche Zielabweichungsverfahren befürworten müsste. Das hat Daniel Heßler vom Planungsbüro ISU in der jüngsten Sitzung des Linzer Stadtrats deutlich gemacht. Die Zustimmung aus Vettelschoß und Linz sei erforderlich, damit sich St. Katharinen in Sachen Zielabweichungsverfahren an die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) wenden könne. „Die SGD tut sich schwer, wenn ein zentraler Ort sagt, er könne damit nicht leben“, sagte Heßler im Hinblick auf das notwendige Verfahren.

Der von St. Katharinen beauftragte Planer hatte dem Linzer Gremium zuvor dargelegt, was das Schaffen eines großflächigen Einzelhandels in Notscheid für die Bunte Stadt bedeutet – nämlich einen potenziellen Abzug der Kaufkraft. Und genau damit können die Linzer Stadtratsmitglieder eben nicht leben. „St. Katharinen strebt eine Ausnahmeregelung an. Aber diese würde das Mittelzentrum Linz erheblich beeinträchtigen und beschädigen“, sagte SPD-Fraktionschef Dieter Lehmann. „Man kann von Linz ein solches altruistisches Verhalten nicht verlangen“, betonte er. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Pappendorf gab zu bedenken, dass womöglich hinter St. Katharinens Vorhaben noch viel mehr stecke. Noch sei der Rewe-Parkplatz in Notscheid relativ leer. Pappendorf befürchtet aber, sollte etwas Attraktives dort angesiedelt werden, dass dann doch der eine oder andere Kunde einen Schlenker in Richtung der Höhengemeinde in Kauf nehmen würde. Neben dem möglichen Sterben des einen oder anderen Geschäfts in Linz prognostiziert der CDU-Fraktionschef zudem einen Verlust an Gewerbesteuer für die Stadt. „Dem können wir auf keinen Fall zustimmen. Das kann nur schädlich sein für Linz“, fasste Pappendorf zusammen.

Anja Birrenbach (Bündnis 90/Die Grünen) verwies darauf, dass die Kaufkraft sowieso begrenzt sei. Ihr zufolge muss deshalb das bestehende Angebot gestärkt werden. „Wir sollten auf der grünen Wiese keine neue Keimzelle entstehen lassen“, warnte sie. Ein großflächiger Einzelhandel in Notscheid könnte auch St. Katharinen um das letzte Ortskerneigenleben bringen, sagte Birrenbach.

Würde der Stadtrat zustimmen, würde sich das auf weitere Bestandteile des Mittelzentrums wie Banken und Co. auswirken, befürchtete Bruno Hoppen (CDU). „Wir würden an Zentralität verlieren, nicht nur als Stadt, sondern auch als Verbandsgemeinde, weil wir Institutionen auf Dauer nicht gehalten haben“, sagte er. Das sah Brigitte Hömig (FWG) ähnlich. Sie sprach zudem von einer Entwicklung des Aldi-Marktes, der von seinem Discounter-Image weg wolle. Aber das sei nicht der einzige Punkt, bei dem es aufzupassen gelte, meinte sie im Hinblick auf das angedachte Outletcenter. „Das kommt für mich überhaupt nicht infrage“, sagte sie.

Stadtbürgermeister Hans Georg Faust, der wie Hoppen eine Schwächung des Mittelzentrums befürchtet, hatte bereits eingangs der Diskussion das Gremium eingeschworen, die Belange der Bunten Stadt in den Mittelpunkt zu stellen. „Wir sind hier der Rat von Linz, und ich bin der Bürgermeister der Stadt Linz. Als Rat sind wir verpflichtet, die Interessen von Linz zu berücksichtigen“, erklärte er und verdeutlichte damit, dass die Interessenlage je nach Blickwinkel von St. Katharinen oder aber der Verbandsgemeinde Linz aus unterschiedlich sei.

Thematisiert wurde auch die Tatsache, dass das Gewerbegebiet Rottbitze Kaufkraft nach NRW abziehe. Darauf war unter anderen auch Pappendorf eingegangen. Man müsse sich da etwas überlegen, meinte er ein. „Aber wir können das Einkaufsverhalten nicht beeinflussen. Viele bringen ihre Einkäufe von da mit, wo sie arbeiten. Das werden wir nicht verhindern können“, betonte der CDU-Fraktionschef.

Von unserer Redakteurin Silke Müller

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