40.000
Aus unserem Archiv
Neuwied

ION lockt 7000 Menschen an: Leere Neuwieder Kirche bewegt Besucher

Lieselotte Sauer-Kaulbach

Einen wahren Ansturm erlebt derzeit die Neuwieder Matthiaskirche. Das vielseitige Programm des Kunstprojekts ION lockt Tausende Besucher an. Kein Wunder, dass das Halbzeitfazit sehr positiv ausfällt.

Freuen sich über den immensen Erfolg von ION (von links): Jana Schmück, Andreas Reichel, Berit Jäger und Joachim W. Schneider
Freuen sich über den immensen Erfolg von ION (von links): Jana Schmück, Andreas Reichel, Berit Jäger und Joachim W. Schneider
Foto: Lieselotte Sauer-Kaulbach

Nein, ganz leer ist der Raum nicht, zur Halbzeit des Projekts ION, das mit dem Entfernen aller Bänke, Bilder, Heiligen aus der Matthiaskirche begann. Schließlich lautet sein Motto: „Fülle leeren, Leere füllen“. Wer aber erwartet, dass die beteiligten Künstler die Leere möglichst schnell wieder mit Arbeiten füllen, täuscht sich. Am ehesten entspricht dieser Erwartung ein großformatiges Bild, an dem der Bonner Künstler Andreas Reichel auf dem Boden des Mittelschiffs arbeitet. Es entsteht neben den Tischen unter Metallgerüsten mit Scheinwerfern und Lautsprechern, an denen diskutiert und gegessen wird, unter anderem beim täglichen „Business Break“. Man erkennt unterschiedlich große Punkte auf Rosa, der dominierenden Farbe des Kircheninneren. Er will mit seinem Bild bewusst vieles offen lassen, „nicht eine neue Maria an die Stelle der alten rücken“, meint Reichel. Es geht ihm vielmehr um Offenheit über das Gewohnte hinaus.

7000 Besucher sind bisher zu den ION-Aktionen gekommen, zu Tanzabenden, Konzerten, manche auch einfach, um den leeren Kirchenraum zu erleben. Projektleiter Kaplan Oliver Seiz staunt: „Mit einer so großen Zahl haben wir nicht gerechnet, aber wir freuen uns natürlich.“ Das Interesse dokumentiert nach seiner Meinung das Bedürfnis nach einer Spiritualität, die der Kirche oftmals abhanden gekommen ist. Das Projekt zeigt neue Wege auf. Malerei gehört dazu, Performances, Tanz, Klangcollagen, Musik und Texte wie der SchriftZug, den Violetta Richard, Künstlerin und Mitglied des Projektteams, am Eröffnungstag auf die Stufen der Kirche schrieb.

„Es ist erstaunlich, wie intensiv viele Menschen reagieren“, sagt Gemeindereferentin Petra Frey. „Auch die Messe, die ja jetzt an verschiedenen Orten in der Kirche gehalten wird, rührt da ganz anders an.“ Thomas Sorger, Organist und Kirchenmusiker der Matthiaskirche, ergänzt: „Auch bei mir stellen sich neue Empfindungen ein, die ich dann improvisierend in Musik umsetze.“ Es ist, so die einhellige Meinung aller Beteiligter, eben doch etwas Besonderes, in und mit einem Kirchenraum zu arbeiten, „selbst dann, wenn man nicht gläubig ist“, ergänzt die Tänzerin und Choreografin Jana Schmück. Diese Intensität der Empfindungen bestätigen auch Birgit Jäger, die mit ihrer Tochter Amelie und der aus Mitgliedern des Neuwieder Theater & Co. rekrutierten Tanztruppe Igor Strawinskys „Sacre du Printemps“ interpretierte. „Ein vermeintlich heidnisches Werk in einer Kirche, das ist schon beeindruckend“, kommentiert Seiz.

Mittlerweile füllt sich der Raum für die mittägliche „Business Break“. Petra Frey gibt den Zuhörern Pablo Picassos tiefgründige Gedanken über die Bedeutung des Suchens und Findens mit auf den Weg, ist doch auch ION ein stetes Suchen und Finden im Kirchenraum. Wie die kreisförmig geschwungene Bank aus Holz, die Berit Jäger und Joachim W. Schneider zimmerten. Sie ist eigentlich Foto- und Videokünstlerin, er Komponist. Gemeinsam arbeiten die beiden auch an einem Bilder und Musik eng verzahnenden Video. Es ist in der letzten Woche, ab dem 23. September, zu sehen – wie alle während der vier Projektwochen entstandenen Arbeitten.

Neuwied Linz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter Neuwied
Dienstag

1°C - 6°C
Mittwoch

3°C - 5°C
Donnerstag

2°C - 6°C
Freitag

4°C - 7°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach