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Niederwambach

Großbrand in Niederwambach: Nichts bleibt nach dem Feuer

Robin Brand

Nachdenklich fährt René Schmitz mit den Fingern über den beschädigten Lack seines Autos. Die Windschutzscheibe und eine Seitenscheibe sind geborsten, das Blechkleid an mehreren Stellen von herabstürzenden Ziegeln beschädigt. Das ramponierte Auto ist fast alles, was Schmitz an materiellem Besitz geblieben ist nach dem verheerenden Brand in Niederwambach.

Nach dem verheerenden Brand rücken die Hentschels (oben links) und ihre Nachbarn eng zusammen. Das Feuer hat ihnen fast nichts gelassen.
Nach dem verheerenden Brand rücken die Hentschels (oben links) und ihre Nachbarn eng zusammen. Das Feuer hat ihnen fast nichts gelassen.
Foto: Robin Brand

Binnen Stunden hatte ein Feuer das alte Wohnhaus vollständig zerstört. Schmitz und seine Lebensgefährtin sowie die junge Familie Hentschel haben in den Flammen fast alles verloren. Es ist gegen halb eins, als Sebastian Hentschel in der Nacht auf Samstag nach Hause kommt. Er raucht noch eine Zigarette im Hof, so wie er es jeden Abend nach der Arbeit tut. Leichter Rauchgeruch liegt in der Luft. Hentschel denkt sich nichts dabei. Viele in der Nachbarschaft haben einen Kamin. Im Wohnzimmer im Obergeschoss schaut er noch ein wenig fern – doch plötzlich bricht der Empfang ab. Hentschel vernimmt ein Piepen, das weder von der Wasch- noch von der Spülmaschine stammt. Er schaut nach den Kindern, die seelenruhig schlafen. Das Piepen scheint aus dem Erdgeschoss zu kommen. Als Hentschel die Tür zum Flur öffnet, schlägt ihm dichter Rauch entgegen. Das Haus steht in Flammen.

Es folgen dramatische Minuten für die Mieter des alten Hauses im Niederwambacher Ortsteil Lahrbach. Hentschel und seine Frau Madlen können sich und die Kinder ins Freie retten und die Nachbarn im Erdgeschoss wecken – bis auf Schmitz’ Neffen, der zu Besuch ist. Ohnmächtig liegt der junge Mann im Bad. Blut läuft aus seiner Nase. Mit vereinten Kräften hieven Schmitz und Hentschel den jungen Mann ins Freie – kurz darauf trifft die Feuerwehr ein, kann aber nicht mehr verhindern, dass das Gebäude den Flammen vollständig zum Opfer fällt. Wie die ermittelnde Kriminalinspektion Betzdorf mitteilt, ist es nicht ungewöhnlich, dass sich die Flammen in einem alten Haus derart schnell ausbreiten. Brandbeschleuniger haben sich nicht gefunden, erklärt die Kripo.

Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen in der Nacht zum Samstag, 8. September, einen Vollbrand eines Mehrfamilienhauses im Ortsteil Lahrbach von Niederwambach (Landkreis Neuwied).
Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen in der Nacht zum Samstag, 8. September, einen Vollbrand eines Mehrfamilienhauses im Ortsteil Lahrbach von Niederwambach (Landkreis Neuwied).
Foto: Sascha Ditscher

Wenige Tage nach dem Brand sind die Opfer wieder an den Ort gekommen, der einst ihr Zuhause war. Madlen Hentschel kämpft mit den Tränen, als sie das Haus erblickt. Zwei Katzen sind seit dem Feuer nicht wieder aufgetaucht. Der dreijährige Sohn versteht nicht, warum er nicht mehr in sein Kinderzimmer darf. Ein Planschbecken steht seltsam unberührt in einem der Zimmer. Die Küche der Hentschels wurde von den Flammen verschont. Die Fotoalben können sie retten. Aber kaum mehr als diese. Ein paar Gegenstände in der Waschküche sind noch zu gebrauchen.

Aber Madlen Hentschel ist sich nicht sicher, ob sie die Erinnerungen an die Brandnacht überhaupt behalten will: „Es sitzt verdammt tief“, sagt sie. Derzeit wohnt sie mit Kindern und Mann bei den Schwiegereltern. René Schmitz ist gemeinsam mit seiner Partnerin Nadine Larsson bei deren Eltern untergekommen. „Sonst hätte ich in einer Obdachlosenunterkunft schlafen müssen“, sagt Schmitz.

Das Feuer hat alles zerstört.
Das Feuer hat alles zerstört.
Foto: Robin Brand

Nicht nur auf die Familie ist in den schwierigen Tagen nach dem Feuer Verlass. „Die Hilfe, die wir erhalten haben, ist unglaublich“, sagt Larsson. Menschen aus dem gesamten Westerwald haben Unterstützung angeboten, Kleider und Möbel gespendet. „Dafür sind wir der Feuerwehr, der Verwaltung und den Menschen wirklich sehr, sehr dankbar“, sagt Larsson.

Für die Familien beginnt nun die schwierige Wohnungssuche. Dass sie in der Region bleiben wollen, ist für sie klar. Madlen Hentschel sagt: „Unsere Kinder gehen in Altenkirchen und Puderbach in Schule und Kindergarten. Das soll so bleiben. Es ist ja fast das einzige, was ihnen aus ihrem alten Leben geblieben ist.“

Von unserem Redakteur Robin Brand

Spendenkonto eingerichtet

Die Verbandsgemeinde Puderbach hat ein Spendenkonto eingerichtet: Sparkasse Neuwied, IBAN: DE92 5745 0120 0010 0001 15, Verwendungszweck: Wohnhausbrand Lahrbach. Spendenquittungen werden bei Angabe der Adresse im Verwendungszweck ausgestellt.

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