40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Neuwied/Linz
  • » Enkeltrick und Co.: Betrüger schlagen immer wieder zu
  • Aus unserem Archiv
    Kreis Neuwied

    Enkeltrick und Co.: Betrüger schlagen immer wieder zu

    Betrüger haben durch den sogenannten Enkeltrick eine Seniorin um 32.000 Euro erleichtert. Vorausgegangen waren Anrufe bei der Dame über Stunden hinweg, bis es schließlich zur Geldübergabe kam. Der Fall ereignete sich Anfang Oktober zwar in Koblenz, hätte sich aber auch gut und gern im Kreis Neuwied zutragen können. Denn obwohl der Enkeltrick uralt ist, funktioniert er nach wie vor.

    Its immer wieder eine beliebte Masche, um Senioren um ihr Geld zu bringen: der Enkeltrick. Foto: dpa
    Its immer wieder eine beliebte Masche, um Senioren um ihr Geld zu bringen: der Enkeltrick.
    Foto: dpa

    Das weiß Viktor Hartmann, kommissarischer Leiter der Betrugsabteilung bei der Kriminalinspektion Neuwied. Seit Mitte 2014 sind dort knapp 300 Fälle in Stadt und Kreis angezeigt worden. „Dabei handelt es sich zwar bis auf wenige Ausnahmen um Versuchsanrufe, die nicht zu einem Schaden geführt haben“, sagt Hartmann. „Aber hinzu kommt eine unheimlich hohe Dunkelziffer. Die Schadenssummen sind immens“, ergänzt er. „Wenn wir über den Tag verteilt sieben oder acht Anzeigen erhalten, können wir sicher davon ausgehen, dass sich noch mindestens 20 Fälle mehr ereignet haben, die nicht angezeigt worden sind“, erläutert er. Entweder hätten die Angerufenen den Betrug von vornherein durchschaut, sofort aufgelegt und kein Interesse daran, eine Anzeige zu machen, weil ja nichts passiert sei. Oder die Opfer würden aus Scham schweigen, weil sie auf den Trick hereingefallen seien, nennt Hartmann Gründe für die hohe Dunkelziffer.

    Die Masche der Betrüger, es handelt sich der Polizei zufolge um organisierte Banden aus Osteuropa, ist immer die gleiche. Erst wird eine Region ausgesucht, dann das für diesen Bereich geltende Telefonbuch beziehungsweise die Internetdaten gezielt nach Vornamen älterer Mitbürger abgesucht, bevor das Abtelefonieren beginnt. Die klassische Frage, mit der die Betrüger ihr Gespräch beginnen: „Rate mal, wer dran ist?“. Die klassische Zwangslage, die vorgegaukelt wird: Der Anrufer sitzt beim Notar, möchte eine Wohnung kaufen, benötigt aber sofort Geld, damit ihm das Schnäppchen nicht durch die Lappen geht. Die klassische Übergabe: Natürlich kann der Anrufer nicht selbst kommen und schickt deshalb eine andere Person – oft die vermeintliche Sekretärin des Notars – vorbei. Bis es so weit ist, wird das Opfer durch zahlreiche Anrufe, die über Stunden erfolgen, unter Druck gesetzt wie im Fall der Koblenzerin.

    „Die Aufklärungsrate der Polizei ist sehr gering“, sagt Hartmann. Denn nach der Geldübergabe würden sich die Täter sofort aus dem Staub machen, das Mobiltelefon, mit dem der Betrug verübt worden ist, entsorgen. Für die Beamten macht das die Ermittlung schwer. Wer sich vor dem Enkeltrick schützen will, dem rät der Polizeibeamte, das Löschen des eigenen Telefonbucheintrags zu veranlassen.

    Das gilt übrigens auch für weitere Betrügereien, die der Neuwieder Polizei immer wieder gemeldet werden. „Zurzeit vergeht kaum eine Woche, in der uns nicht ein falscher Polizeibeamter angezeigt wird“, berichtet Hartmann. Auch hier schätzt er die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Fälle als hoch ein. Die Masche, so führt er aus, sei ähnlich wie beim Enkeltrick. Die Betrüger würden die Opfer, die sie zuvor im Telefonbuch ausgemacht haben, anrufen und sich als Kommissar ausgeben. Durch die Technik Call-ID-Spoofing würden die Angerufenen auch tatsächlich eine Telefonnummer der Neuwieder Polizei im Display sehen. Allerdings endet diese mit 110. Und diese Durchwahl gibt es bei der Polizei nicht. Die Strategie: „Der Betrüger gibt vor, eine Einbrecherbande geschnappt zu haben, wobei einer flüchtig sei. Da ein Zettel mit Name und Adresse des Angerufenen gefunden worden sei, will der angebliche Polizist dafür sorgen, dass Hab und Gut des Angerufenen in Sicherheit gebracht werden“, skizziert Hartmann. Die Opfer würden bereitwillig Auskunft geben, ihr Hab und Gut abholen lassen oder es sogar im Briefkasten hinterlegen, wenn ihnen glaubhaft gemacht würde, dass sie auf diese Weise helfen könnten, den vermeintlich Flüchtigen dingfest zu machen.

    Durch wieder eine andere Betrugsmasche ist eine Frau aus dem Kreis Neuwied jüngst um mehr als 7000 Euro geprellt worden. Ihr, so berichtet Hartmann, wurde per Telefon mit einem Haftbefehl gedroht, wenn sie nicht sofort die Summe überweise, die aus einem Gewinnspiel noch offenstehe, an dem sich die Dame beteiligt haben soll. Über Wochen hinweg habe die Frau Teilbeträge über einen Geldtransferdienstleister ins Ausland überwiesen.

    „In allen Fällen werden Opfer unter Druck gesetzt, oder es wird eine Zwangssituation erzeugt“, sagt Hartmann. „Betrüger lassen sich immer neue Maschen einfallen. Aber auch die alten bleiben stets aktuell“, bilanziert der Neuwieder Polizeibeamte.

    Von unserer Redakteurin Silke Müller

    Neuwied Linz
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter Neuwied
    Montag

    2°C - 5°C
    Dienstag

    4°C - 5°C
    Mittwoch

    6°C - 6°C
    Donnerstag

    5°C - 9°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach