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    Kreis Neuwied

    Einbrecher zwingen Kirchen zum Abschließen

    Auch vor Gotteshäusern schrecken Einbrecher nicht mehr zurück, im Kreis Neuwied gab es gleich mehrere Fälle.

    Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

    Steigende Einbruchszahlen sind im Kreis Neuwied ein Problem. Und betroffen davon sind nicht nur Wohnhäuser und Firmen, auch Kirchen sind nicht mehr davor gefeit.

    Leidtragende waren in jüngster Zeit vor allem die Gläubigen in Engers. Dort waren im August beide Gotteshäuser Ziel von Kriminellen. In der evangelischen Kirche stahlen sie aus einem Safe die Kollekte, in St. Martin zerstörten sie ein Sakristei-Fenster und stiegen ein. Nur zwei Wochen später musste Pfarrer Heinz Christ dann noch einen weiteren Einbruch in seiner Pfarreiengemeinschaft Engers-Heimbach zur Kenntnis nehmen. Dieses Mal war die Blocker Kirche betroffen. Und auch der Einbruch in die Weiser Kapelle ist noch in Erinnerung. Hier stiegen Täter vor rund drei Jahren durch ein Dachfenster ein. „Traurig“, findet der Pfarrer, vor allem weil aus St. Martin zwei Reliquienmonstranzen und zwei Kelche entwendet worden sind. „Das hat weh getan, vor allem wegen des ideellen Wertes.“

    Für die Einbrecher dürften sie dagegen wenig bringen, wie auch der Blocker Einbruch ein Fehlschlag war. Die Täter versuchten da, den Kerzengeld-Tresor aufzubrechen, scheiterten aber – was es für die Gemeinde nur unwesentlich besser machte. Denn zerstört war er und zu holen wäre ohnehin nahezu nichts gewesen: Die Opferstöcke werden in der Pfarrei aufgrund früherer Erfahrungen nach jedem Gottesdienst geleert, erklärt Christ, der sich auch an drei Einbrüche ins Engerser Pfarrheim erinnert. „Wenn die Beute 50 Euro wert war, dann war das viel. Aber wir hatten riesige Schäden“, sagt er mit einem Seufzen und beziffert die Höhe beim schlimmsten Fall auf 15 000 Euro.

    Die Folge: Sowohl in Engers als auch in Weis sind die erreichbaren Fenster von Kirche und Kapelle mittlerweile vergittert. Und offene Kirchen gibt es außerhalb der Messen nur noch zur Weihnachtszeit, wenn die Krippe aufgebaut ist. Dann aber ist immer jemand im Gotteshaus und passt auf.

    Schlechte Erfahrungen haben auch die Katholiken in der St.-Matthias-Gemeinde in Neuwied gemacht. Dort sind jüngst öfter Apostelkerzen vom Hochalter gestohlen worden, wie Küsterin Emma Rach berichtet. Außerdem transportierten im vergangenen Jahr Diebe den Opferstock ab. Der wurde später – aufgebrochen – in der Nähe des Schwimmbads gefunden. Das Resultat war wieder ähnlich: Hoher Schaden, fast keine Beute. Die Leerung hatte zwei Tage zuvor stattgefunden.

    „Ganz schrecklich. Der Respekt ist abhanden gekommen“, findet auch Margit Ebbecke. „Wir hätten gern offene Kirchen für jedermann. Es ist schließlich unsere Aufgabe zu sagen: ,Gott ist da, kommt.' Aber Diebstähle und Vandalismus verhindern das“, sagt die Dekanatsreferentin und ergänzt: „Es ist für uns ein schwieriger Spagat, aber wir sind gezwungen abzuschließen.“

    In der evangelischen Kirche in Rengsdorf ist das Problem etwas anders gelöst. Wie Pfarrer Friedemann Stinder berichtet, ist das Gotteshaus von Frühjahr bis Herbst immer samstags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Dann aber gibt es eine „Tempelwache“, wie er es nennt. „Es ist immer jemand in der Kirche, der aufpasst, den Besuchern aber gleichzeitig Auskunft über die Geschichte geben kann“, sagt Stinder. Ansonsten sei seine Gemeinde von Einbrechern bisher in Ruhe gelassen worden. „Wir hatten vielleicht vor zehn Jahren mal einen Einbruch in das Jugendbüro, und einmal ist eine Sparbüchse für ,Brot für die Welt' gestohlen worden. Aber das ist noch länger her“, erinnert sich der Pfarrer.

    Grundsätzlich, so erklärt er weiter, sei die Problematik bei den evangelischen Gemeinden aber geringer – zum einen, weil die reformierten Gotteshäuser allgemein spartanischer eingerichtet sind, und zum anderen, weil die Auffassung eine andere ist. Wie auch Pfarrer Werner Zupp von der Marktkirchengemeinde erzählt, sehen die Evangelischen die Kirche eben nur als Ort des Gottesdienstes an. Das private Gebet kann dagegen genauso gut zu Hause oder an jedem anderen Ort gesprochen werden. Daher stört es weniger, wenn die Kirche abgeschlossen werden muss.

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