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Neustadt/Linz

Direktor Latz vor Abschied: Weltreisender verlässt seinen Neustädter Hafen

Michael Fenstermacher

Er hat alle Kontinente außer der Antarktis bereist, im Iran den Sturz des Schahs miterlebt und sich auf einer Reise durch China für die Etablierung eines Schüleraustauschs eingesetzt: Mit seinem Leben könnte Wolfgang Latz, Schulleiter am Wiedtal-Gymnasium (WTG) Neustadt, wohl locker einen Roman füllen. Stattdessen nutzt er die Erkenntnisse seiner zahlreichen Reisen lieber, um als Herausgeber der Geografiebücher aus dem Diercke-Verlag Impulse für den Lehrplan zu setzen. Der Linzer wirkt wie jemand, für den Ruhestand ein Fremdwort ist, und doch schließt sich für ihn am morgigen Donnerstag ein Kapitel: Ab 14 Uhr verabschiedet ihn „seine“ Schule mit einer Feierstunde.

Eine erfüllende Aufgabe ist für Wolfgang Latz die Leitung des Wiedtal-Gymnasiums. Nun geht er in Ruhestand.  Foto: Michael Fenstermacher
Eine erfüllende Aufgabe ist für Wolfgang Latz die Leitung des Wiedtal-Gymnasiums. Nun geht er in Ruhestand.
Foto: Michael Fenstermacher

Damit endet eine Ära von 35 Jahren, denn als junger Lehrer kam Latz bereits 1983 – nach Studium in Mainz, Referendarzeit in Andernach und einem kurzen Gastspiel im bergischen Wipperfürth – als junger Lehrer für Deutsch und Erdkunde ans WTG. Erst sechs Jahre vorher war das Gymnasium gegründet worden, dem er bescheinigt, das schulische Bildungsniveau im vorderen Westerwald auf einen neuen Stand gebracht zu haben. „In meiner eigenen Schulzeit am Martinus-Gymnasium in Linz gab es kaum Mädchen von hier“, berichtet er. Denn in der Rheinstadt habe es in den 1960er-Jahren zwar zwei Jungeninternate gegeben, aber keins für Mädchen. Und mit dem Bus nach Linz zu pendeln, sei undenkbar gewesen.

„Das Schöne ist, hier kann man was gestalten“, sagt Latz über die noch immer junge Schule, deren ersten Abiturjahrgang er mitunterrichtete. Das Fehlen einer langen Tradition sei eine Chance gewesen, die Schule und ihr Konzept an die Bedürfnisse der Region anzupassen. Das spiegele sich schon im Namen Wiedtal-Gymnasium wieder, „der zum Ausdruck bringt, dass wir ein regionales und ländliches Gymnasium sind.“ Eine bewusste Entscheidung sei auch der Verzicht auf einen Schwerpunkt, obwohl alle Voraussetzungen für eine Zertifizierung als MINT-Schule mit besonderer Kompetenz in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik erfüllt werden. Lieber wolle man ein breites Angebot bereithalten. So kooperiert das WTG im technischen Bereich eng mit regionalen Unternehmen wie Wirtgen oder Treif, konnte zuletzt aber auch Leistungskurse für Kunst oder Sport anbieten. „Ein Gymnasium muss im Leben stehen“, sagt Latz dazu.

Seit 2006 verantwortet er diesen Kurs. „Lehrer war immer mein Traumberuf, Schulleiter nicht“, betont er. Und doch sei er glücklich, die Chance ergriffen und eine erfüllende Aufgabe gefunden zu haben. Die eigene Rolle vergleicht er dabei eher mit der eines Kapitäns, der in enger Abstimmung mit seiner Crew den Schultanker steuert, als mit der eines Verfassers großer Entwürfe. Viele Entwicklungen kämen dabei unvorhergesehen – etwa, dass das WTG zur Ausbildungsschule mit Studienseminar wurde. Zudem musste er mit dafür Sorge tragen, die Kapazität der Schule, die für 600 Schüler ausgelegt war und an derzeit an die 1100 Schüler lernen, anzupassen. „Die täglichen Entscheidungen machen das Schulleben spannend, nicht der große Wurf“, sagt Latz.

Letzteren plant der Familienvater, der seit dem Geografiestudium die Welt bereist, auch nicht für seinen neuen Lebensabschnitt. „Ich werde sicherlich weiter an Schulbüchern arbeiten“, sagt er. Mehr reisen werde er dagegen nicht, aber zu anderen Zeiten, wenn er sich nicht mehr nach den Ferien richten muss. Südindien – eines seiner Lieblingsziele – könne er dann endlich mal außerhalb der Regenzeit erleben. „Außerdem stehen Bhutan und Nepal auf meiner Liste“, erzählt er.

Eines aber wird Wolfgang Latz ganz sicher vermissen: Die tägliche Fahrt vom Eigenheim in Linz nach Neustadt. „Die habe ich immer genossen“, sagt er und berichtet von traumhaften Ausblicken vom Höhenkamm ins Wiedtal.

Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher

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