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Kreis Neuwied

Datenschutz: Firmen ohne Info aufgeschmissen

Silke Müller

Ende Mai treten neue Datenschutzregeln in Kraft. Und die betreffen neben Firmen zum Beispiel auch Vereine, die personenbezogene Daten per Computer verarbeiten.

Vor allem die Unternehmen sind verunsichert, weiß Helene Röhrig von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz. „Das Telefon steht nicht still. Da geht viel Zeit drauf“, sagt sie. Denn neben den Telefonaten werden natürlich auch E-Mails mit Fragen zur neuen Datenschutzgrundverordnung beantwortet. „Wir leisten aber nur Erste Hilfe, einen Datenschutzbeauftragten können wir nicht stellen“, betont Röhrig. Um die Betriebe mit den neuen Regeln vertraut zu machen, bietet die IHK auch kostenlose Infoveranstaltungen an.

„Es herrscht ein irres Interesse“, sagt Florian Göttlich, IHK-Regionalgeschäftsführer in Neuwied, und berichtet von der jüngsten Infoveranstaltung im Food-Hotel mit rund 130 Teilnehmern. Auch er werde sich intern zum Thema noch fortbilden lassen, ergänzt er.

Die Zahl der Unternehmen insgesamt in der Region, die bisher an den Info-Veranstaltungen der IHK teilgenommen haben, schätzt Röhrig auf rund 900. „Alle Veranstaltungen waren bisher ausgebucht. Das gilt auch für die neunte Veranstaltung am 22. Mai in Koblenz“, sagt Gülfidan Karasakal von der IHK. Dabei gehe es stets nur darum, einen groben Rundumüberblick zu geben, denn viele Unternehmen wüssten gar nicht, welche Fragen sie stellen sollten. „Sie erkennen nicht, dass sie betroffen sind“, weiß Karasakal aus Erfahrung.

Damit alle interessierten Betriebe mit den entsprechenden Infos versorgt werden, führt die IHK Listen mit Nachzüglern, um gegebenenfalls weitere Termine anzubieten. Denn die Information über die neuen Datenschutzgrundverordnung ist wichtig. „Wir sehen die Gefahr einer hohen Abmahnwelle“, meint Karasakal. Will heißen: Die IHK geht davon aus, dass nach Inkrafttreten der neuen Datenschutzregeln Verbände systematisch auf Internetseiten nach Verstößen suchen und Abmahnungen an die Betreffenden rausschicken. Außerdem, und darauf weißt Karasakal gesondert hin, würden bei Nichteinhaltung Bußgelder drohen.

Um auch die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen zu ermutigen, die Hürde zu überwinden und Informationen zu den neuen Datenschutzregeln einzuholen, hat die IHK ein Fallbeispiel über ein Unternehmen mit vier Mitarbeitern auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Abzurufen ist es unter der Adresse www.ihk-koblenz.de unter der Rubrik „Recht und Steuern“ und dann „Datenschutz“.

Entspannt indes sieht Werner Dötsch, Vorsitzender der Tafel Linz, dem Inkrafttreten der Verordnung entgegen. „Wir sind von der Bundestafel rechtzeitig informiert und mit entsprechenden Hinweisblättern ausgestattet worden“, berichtet er. Die daraus resultierende Verfahrensanweisung im Rahmen des Qualitätsmanagements, die Dötsch erarbeitet hat, sei so gut wie fertig, meint er. Der einzige Mehraufwand, den er bisher gehabt habe, weil die Tafel die geforderten Inhalte bereits umsetze. Das Amt des Datenschutzbeauftragten will Dötsch selbst übernehmen. „Für die Helfer ändert sich gar nichts, und unsere Mitglieder werden informiert“, sagt er im Hinblick auf die neue Datenschutzgrundverordnung.

Auch beim knapp 1000 Mitglieder starken Verein TV Heddesdorf laufen derzeit die Vorbereitungen. „Wir sind aber noch nicht fertig“, sagt der Vorsitzende Ralf Seemann. Schließlich müsse alles, was mit Daten zu tun hat, dokumentiert werden. „Wir müssen das schon genau machen und jederzeit parat haben“, berichtet Seemann. Da ein Verein meist ehrenamtlich geführt werde, sei das schwierig.

„Wir haben aber das Glück, in der Geschäftsstelle eine Mitarbeiterin eingestellt zu haben“, sagt Seemann. „Das hat den Vorteil, dass wir keinen Fremden mit der Herausgabe von Daten betrauen müssen“, fügt er hinzu. Beim TV Heddesdorf, so erläutert er, sei diese Mitarbeiterin die Einzige außerhalb des Vorstands, die Zugriff auf die Daten habe.

Die Informationen, was zu tun ist, hat der TV Heddesdorf vom Sportbund erhalten. Für Seemann ist das allerdings nicht der einzige Weg, auf dem er sich mit der neuen Datenschutzgrundverordnung auseinandergesetzt hat. „Ich hatte mit den gleichen Fragestellungen auch in meinem beruflichen Umfeld und als Vorsitzender der Grünen zu tun“, berichtet Seemann.

Von unserer Redakteurin Silke Müller

Neuwied Linz
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