40.000
Aus unserem Archiv
Asbach

Bürgermeister Lothar Röser zum Abschied: "Mein Fell ist sehr dünn geworden"

Es war ein ungewöhnlicher Karriereweg, der den früheren hochrangigen Finanzbeamten Lothar Röser, Ende des Jahres aus dem Amt scheidender Bürgermeister der VG Asbach, ins Rathaus geführt hat. Das haben fast alle der vielen Redner bei der Verabschiedung Rösers am Mittwoch im Asbacher Bürgerhaus betont. Dass auch sein Abschied manchen Beobachtern als ungewöhnlich in Erinnerung bleiben wird, dafür sorgte der 61-Jährige selbst, in dem der den Schleier demonstrativer Harmonie, der sonst oft über solchen Veranstaltungen schwebt, für einen Moment lüftete und seine Verletzlichkeit offenbarte.

Sein vormals dickes Fell sei über die Jahre sehr dünn geworden, bekannte Röser. Das sei ein wichtiger Grund gewesen, nicht mehr für eine weitere Amtszeit als Bürgermeister zu kandidieren, obwohl die Regularien das ohne Weiteres zugelassen hätten. Prägend sei dabei vor allem ein Ereignis gewesen, aufgrund dessen er besser verstanden habe, was der frühere Bundespräsident Horst Köhler meinte, als dieser anlässlich seines Rücktritts mehr Respekt vor Amt und Mensch einforderte. Seinerzeit, im März 2012, hatte die Rhein-Zeitung es zum Thema gemacht, dass der Verbandsgemeinderat Röser eine Gehaltserhöhung genehmigt und ihn gleichzeitig durch den mehrheitlichen Beschluss, durch die Installation eines Beigeordneten mit eigenem Geschäftsbereich in seiner Arbeit entlastet hatte. Als „Artikel, der vor Unwahrheiten nur so strotzte“ bezeichnete Röser nun fünfeinhalb Jahre später den Bericht – ohne jedoch darauf einzugehen, welche Behauptungen im Einzelnen falsch gewesen sein sollen.

Unterm Strich überwiegen offenbar aber die positiven Erinnerungen für Röser, der in seiner Rede besonders die zwischenmenschlichen Kontakte hervorhob. Echte Kameradschaft habe er als Chef der Freiwilligen Feuerwehr mit den Wehrleuten erlebt, deren ehrenamtliche Leistung in der Öffentlichkeit nicht vergessen werden dürfe. Besonderen Dank sagte er den „Kollegen, die mich getragen haben“ und von denen einige zu engen Freunden geworden seien. Vor dem Hintergrund sinkender Bewerberzahlen mahnte er an, die von ihm in die Wege geleitete Verbesserungen des Arbeitsumfelds, etwa die Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements weiterzuführen.

„Ich werde euch dabei zur Seite stehen“, sagte Röser – ein Fingerzeig für die berufliche Zukunft? So wollte er den Satz auf RZ-Nachfrage nicht verstanden wissen. „Das heißt, dass ich nicht von jetzt auf gleich weg, sondern weiter ansprechbar bin“, stellte er klar. Beruflich wolle an seine Tätigkeit als Dozent bei der Führungsakademie der Finanzverwaltung anknüpfen und beratend tätig sein, erklärte er. „Aber alles piano“, betonte Röser, der vor allem mehr Zeit für seine Frau Ingrid haben will.

An den anderen Rednern war es zuvor, die Verdienste des Asbachers hervorzuheben, dem vor acht Jahren mit Unterstützung eines Aktionsbündnisses aus Vertretern aller Parteien außer der CDU der Einzug ins Rathaus als unabhängiger Bewerber gelungen war. Der Erste Beigeordnete André Gottschalk hob Rösers Geschick hervor, auch bei hitzigen Diskussionen im VG-Rat die Gemüter zu beruhigen. Als Verdienste zählte er unter anderem die Eröffnung des Mehrgenerationenhauses und der Betreuenden Grundschulen sowie die rege Bautätigkeit, etwa bei den Feuerwehrgerätehäusern auf. Landrat Rainer Kaul wies auf die besondere Verantwortung hin, in der Röser als Bürgermeister der derzeit noch größten VG im Kreis Neuwied gestanden habe. Bad Hönningens Bürgermeister Michael Mahlert als Vorsitzender der Kreisgruppe des Gemeinde- und Städtebundes erinnerte an einen Ausflug im Kreis der VG-Chefs, bei dem Röser bewiesen habe, wie gut er sich im eigenen Hoheitsgebiet auskennt. In die Schar der Abschiedsredner reihten sich außerdem die Fraktionssprecher Jürgen Jonas (SPD), Roland Kohler (Grüne), Martin Buchholz (CDU) und Hermann Bernardy (FWG) sowie Personalratsvorsitzender Andreas Holl, Wehrleiter Arno Schücke und Josef Rüddel als dienstältester Ortsbürgermeister ein.

Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher

Neuwied Linz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter Neuwied
Sonntag

16°C - 29°C
Montag

18°C - 31°C
Dienstag

18°C - 29°C
Mittwoch

17°C - 27°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach