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    RegionBistumsreform: Protest gegen XXL-Pfarreien

    Aus 887 Pfarreien sollen bis zum Jahr 2020 35 werden. So stellt sich das Bistum Trier die „Pfarrei der Zukunft“ vor. Seit März liegen die Pläne für die neuen Zuschnitte der Glaubensgemeinschaften auf dem Tisch. Gerade im ländlichen Raum wächst der Widerstand gegen die XXL-Pfarreien der Zukunft. Das Bistum muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass es auf den Nachwuchsmangel bei Priestern und den Rückgang der Katholikenzahlen keine besseren Antworten hat als kommerziell geführte Unternehmen: Sie machen Filialen dicht und ziehen sich aus der Fläche zurück.

    In der „Pfarrei der Zukunft“ spielt die Neuwieder St. Matthias Kirche eine zentrale Rolle.  Foto: Robin Brand
    In der „Pfarrei der Zukunft“ spielt die Neuwieder St. Matthias Kirche eine zentrale Rolle.
    Foto: Robin Brand

    Zu groß und nicht auf die Lebenswirklichkeit der Menschen zugeschnitten, lautet einer der Hauptvorwürfe an die Planer, die auf dem Reißbrett „Pfarreien der Zukunft“ entworfen haben, die durchschnittlich 366 Quadratkilometer groß sind und in denen rund 40.000 Katholiken aus 23 ehemaligen Pfarreien leben. Jeder Raum so groß, dass er als Netzwerk funktionieren kann und eine gewisse Vielfalt gesellschaftlichen Lebens bietet. Auch die Infrastruktur aus Straßen und Bahnlinien spielte bei der Zusammenstellung eine Rolle. Für viele Laien, aber auch für etliche Hauptamtliche ist das die falsche Herangehensweise zur Reform der katholischen Kirche im Bistum Trier. Der Protest geht quer durchs Bistum – von Norden nach Süden, von Ost nach West.

    Im Dekanat Konz-Saarburg haben sich 20 Hauptamtliche – Pastoren, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten und auch der Dechant Klaus Feid – gegen die Bistumspläne ausgesprochen, aus drei Verbandsgemeinden (VG) eine sogenannte Pfarrei der Zukunft mit Saarburg als Zentrum zu bilden. „Wir haben uns mit einer Zweidrittelmehrheit für zwei Einheiten statt einer ausgesprochen“, so Dechant Feld.

    In Zell an der Mosel will man sich ebenfalls nicht damit abfinden, künftig zur Großgemeinde Cochem mit dann mehr als 40.000 Katholiken zu gehören. Gemeinsam mit den Nachbarn in Traben-Trabach, die sich fortan Richtung Bernkastel-Kues orientieren sollen, strebt man hier eine eigene Pfarrei der Zukunft an – möglicherweise noch ergänzt durch Hunsrückgemeinden aus dem Kreis Cochem-Zell.

    Am Mittelrhein ist die Verärgerung über die Bistumspläne in Boppard besonders groß. Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne, statt in Boppard in Oberwesel eine Pfarrei der Zukunft anzusiedeln, hatte der Bopparder Dechant Hermann-Josef Ludwig aus seiner Enttäuschung keinen Hehl gemacht: „Das ist ein Rückschritt und zeugt von einer großen Unkenntnis. Das muss sich unbedingt ändern. So ist es keine Lösung.“

    In einer sogenannten „Bopparder Erklärung“ sprechen sich die Räte in der Pfarreiengemeinschaft Boppard für eine Pfarrei der Zukunft aus, die dem Zuschnitt des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal folgt – ohne die Stadt Koblenz und die rechtsrheinischen Pfarreien. In einer solchen Pfarrei der Zukunft mit dem Pfarrort Boppard würden dann 27.000 Katholiken leben. In einem 38 Punkte umfassenden Positionspapier wird die Rolle von Boppard als Mittelzentrum am Mittelrhein betont und dass es bereits zahlreichen Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft in Boppard gibt. Die Bischöfliche Realschule Marienberg gehöre ebenso dazu wie die Regionalstelle des Caritasverbandes, Kindertagesstätten, Einrichtungen der Jugendpflege sowie zwei Ordenskonvente. Und schließlich sei mit der Erhebung der St. Severus Kirche zur Basilika minor bekundet, dass von Boppard die Missionierung des Mittelrheins und des Hunsrücks ausgegangen sei. Zudem lebten am Pfarrort Boppard fast 50 Prozent der Katholiken der vom Bistum vorgeschlagenen Großpfarrei; am vom Bistum favorisierten Pfarrort Oberwesel dagegen nur 25 Prozent.

    Hohe Wellen schlägt die Bistumsreform auch in Adenau im Kreis Ahrweiler. Da beschäftigen sich mittlerweile auch Stadt- und Verbandsgemeinderat mit den Plänen, die Katholiken im Adenauer Land dem Pfarrort Gerolstein zuzuschlagen. Der Verbandsgemeinderat Adenau will sich mit einer Resolution für eine Pfarrei der Zukunft in Adenau einsetzen. Die Stadt sei kommunales, schulisches und geschäftliches Mittelzentrum in einem ländlichen Raum, mit rund 15.000 Katholiken. Mit Gerolstein bestünden weder historische, politische, noch wirtschaftliche oder kulturelle Verbindungen. Es gäbe noch nicht einmal eine Hauptverkehrsstraße, die von Adenau nach Gerolstein führt. Der Zuschnitt einer Pfarrei Adenau entspreche ungefähr dem historischen Kreis Adenau. Die Evangelische Kirchengemeinde Adenau umfasst heute noch dieses Gebiet.

    Laut Bistum kann es bis zum Herbst durchaus noch zu neuen Grenzziehungen bei der einen oder anderen Großpfarrei kommen. Anfang 2020 soll die Reform unter Dach und Fach sein.

    Von unserem Redakteur Uli Adams

    Nur noch 294 Priester im Bistum

    Das Bistum Trier ist das älteste unter den 27 deutschen Bistümern. Trier ist seit dem 3. Jahrhundert Bischofssitz.

    Das Bistum umfasst die ehemaligen Regierungsbezirke Trier und Koblenz sowie über Teile des Saarlands. Im Bistum leben knapp 2,5 Millionen Menschen, darunter 1,4 Millionen Katholiken. Derzeit gibt es im Bistum 887 Pfarreien, die in 172 Pfarreiengemeinschaften zusammengefasst sind. Parallel zur Zahl der Gläubigen geht auch die Zahl der katholischen Priester zurück. Gab es im Jahr 2000 noch 588 aktive Priester, sind es inzwischen nur noch 294. Nach Schätzungen werden es in zehn Jahren nur noch 194 sein. Die Zahl der Ruhestandsgeistlichen steigt dagegen. Aktuell sind es 288.

    Pfarrei der Zukunft überrollt Reform 2020Serienauftakt: Bistum reagiert auf Proteste und Kritik
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