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    Neuwied

    Bestseller bestens auf die Bühne gebracht

    Am Neuwieder Schlosstheater hat die Bühnenadaption von Daniel Kehlmanns "Die Vermessung der Welt“ Premiere gefeiert. Hier die Kritik dazu.

    Theater"Die Vermessung der Welt", Schauspiel von Dirk Engler nach einem Roman von Daniel Kehlmann. Landesbühne Rheinland-Pfalz, Neuwied. Regie: Stephanie Jänsch. Darsteller: Eva Wiedemann, Juka Dimic, Wolf-Guido Grasenick, Matthias Kiel, Stephan Tölle.
    Theater"Die Vermessung der Welt", Schauspiel von Dirk Engler nach einem Roman von Daniel Kehlmann. Landesbühne Rheinland-Pfalz, Neuwied. Regie: Stephanie Jänsch. Darsteller: Eva Wiedemann, Juka Dimic, Wolf-Guido Grasenick, Matthias Kiel, Stephan Tölle.
    Foto: Friedhelm Schulz, Friedrichson-P

    Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

    Neuwied. Sechs Schauspieler für 22 Rollen, darunter Goethe als arroganter Witzbold und Immanuel Kant als tattriger, „Der Mond ist aufgegangen“ singender Greis. Und dann noch ein Plüschkrokodil: Klingt nach Klamauk. Klingt nach modernem Regietheater. Abstrakt und abgehoben. Ist es aber nicht.

    Die Landesbühne bleibt auch bei der Inszenierung von Daniel Kehlmanns Bestseller „Die Vermessung der Welt“ dem Motto von Intendant Walter Ullrich treu: „Bei mir ist drin, was draufsteht.“ Und so werden die Zuschauer im Neuwieder Schlosstheater nicht enttäuscht, sondern zweieinhalb Stunden lang bestens unterhalten: Sie danken es bei der Premiere mit langem Applaus und auch Bravorufen, als Regisseurin Stephanie Jänsch und Bühnen- und Kostümbildner Christian Baumgärtel mit auf die Bühne kommen. Denn die beiden sind verantwortlich dafür, dass die Bühnenfassung des Buches von Dirk Engler – anderenorts bei Kritikern auch schon krachend durchgefallen – gelingt. Trotz der häufigen Orts- und Personenwechsel hat das Publikum nie Probleme, der rasanten Handlung zu folgen.

    Kritisch anzumerken ist einzig, dass die politisch-geschichtliche Dimension, die Darstellung des Zeitalters des Aufklärung, ein wenig fehlt. Die Verhaftung von Gauß' Sohn Eugen als Anhänger des national-revolutionären Turnvaters Jahn kommt so ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen daher und ist ohne Kenntnis des Buches kaum nachvollziehbar. Aber um Kompromisse und Einschränkungen kommt man bei der Umsetzung eines Buches mit 260 Personen wohl nicht herum.

    Und so bleibt das Randnotiz in einem ansonsten stimmigen Bühnenstück, bei dem vor allem die gegensätzlichen wissenschaftlichen Ansätze, aber dann doch wieder ziemlich ähnlichen Charaktere der beiden Geistesgenies schön herausgearbeitet werden. Hier der Theoretiker Gauß, da der Praktiker Humboldt – aber beide völlig fokussiert auf ihre Vermessungen und dabei extrem egoistisch. Der eine bekommt nicht mit, wie sein Sohn geboren wird, dem anderen ist die völlig Erschöpfung seines Begleiters Bonpland ganz egal. Dessen Halluzinationen sind dabei auf der Bühne im Zusammenspiel von Tino Leo und Eva Wiedemann sehr gelungen wiedergegeben.

    Das gilt auch für die weiteren Darsteller: Für Wolf Guido Grasenick und Matthias Kiel, die in jeweils sechs Rollen ihre Vielseitigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellen. Für Makke Schneider als grantelnden Carl Friedrich Gauß, der am liebsten seine eigenen vier Wände nicht verlassen würde. Und vor allem für den überragenden Stephan A. Tölle, der den tapsigen und kindlich-enthusiastischen Alexander von Humboldt toll verkörpert und die Zuschauer immer wieder schmunzeln lässt.

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