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Rengsdorf

B 256: Wenn der Putztrupp im Tunnel anrückt

Robin Brand

Das Team der Verkehrssicherung kommt nach dem Berufsverkehr: Um 9 Uhr sperren die Arbeiter die B 256 in Richtung Neuwied mit Absperrgittern ab, die zweispurige Fahrbahn in Richtung A 3 wird abwechselnd auf je einer Seite gesperrt. Die turnusmäßige Wartung des Rengsdorfer Landschaftstunnels steht an.

Die Fahrbahn, die Wände und die Sensoren werden gereinigt, die Technik überprüft und das Havariebecken entleert: Bei der halbjährlichen Tunnelwartung in Rengsdorf wird das gesamte System einer Überprüfung unterzogen. Denn ein Tunnel braucht vor allem eins: Aufmerksamkeit.
Die Fahrbahn, die Wände und die Sensoren werden gereinigt, die Technik überprüft und das Havariebecken entleert: Bei der halbjährlichen Tunnelwartung in Rengsdorf wird das gesamte System einer Überprüfung unterzogen. Denn ein Tunnel braucht vor allem eins: Aufmerksamkeit.
Foto: Robin Brand

Viermal im Jahr ist diese notwendig, zweimal wird für die größere Wartung die Fahrbahn halbseitig gesperrt. Dann steht auch die Reinigung des Tunnels und der Fahrbahn auf dem Plan. Die Arbeiten sind genau getaktet. „Bis der abendliche Berufsverkehr kommt, muss die Strecke wieder frei sein“, sagt Jochen Kollakowski vom Landesbetrieb Mobilität (LBM), einstiger Bauleiter der Umgehung Rengsdorf. 11 Millionen Euro hat der zwischen 2009 und 2012 gebaute Tunnel einst gekostet, weitere 1,4 Millionen Euro verschlang die Technik – eine der wartungsintensivsten Komponenten des Bauwerks.

Kameras erfassen automatisch die Verkehrsdichte, Sensoren messen Helligkeit und CO2-Dichte. Eine Spezialfirma aus Norddeutschland wartet die Lampen im Tunnel, und reinigt die Sensoren der Überwachungstechnik. Nimmt das Tageslicht ab, dimmt die Technik automatisiert auch die Tunnelbeleuchtung, wird es heller, wird der Tunnel stärker beleuchtet, um ihn den Gegebenheiten unter freiem Himmel anzupassen. Das funktioniert nur, wenn die Sensoren die Umgebungshelligkeit messen können.

„In keinem anderen Land sind die Vorgaben so strikt wie in Deutschland“, weiß Kollakowski. Um diesen gerecht zu werden, lässt sich der LBM allein die zweimal im Jahr fällige größere Wartung jeweils etwa 10.000 Euro kosten, sagt der Bauleiter. Exakte Arbeit ist dabei vor allem bei der Absperrung gefragt. Lässt diese auch nur die vage Vermutung zu, dass sie umfahren werden könnte, erliegen viele Autofahrer der trügerischen Hoffnung, berichtet der zuständige Streckenwart Jörg Forneberg. Heute verirrt sich kein Fahrzeug in den abgesperrten Bereich. Zielstrebig mähen und säubern die Arbeiter den Bereich vor dem Tunnel, dort wo sich einer der beiden jeweils an den Tunnelenden platzierten 70.000 Liter fassenden Löschwassertanks befindet. Ein Reinigungsfahrzeug befreit die Fahrbahn von dem Dreck, der sich in einem Tunnel, der von etwa 20.000 Fahrzeugen in 24 Stunden durchfahren wird, in einem halben Jahr ansammelt. Die Abgase und den Abrieb also, den circa 3,66 Millionen Autodurchfahrten in dem 208 Meter langen Bauwerk hinterlassen haben. Forneberg und sein Kollege, der Vorarbeiter Mirko Ohrem, entleeren während der Wartung auch das 120.000 Liter fassende Havariebecken. „Alle Oberflächenwasser, Öle und andere Stoffe werden dort gesammelt“, sagt Forneberg. Sensoren messen auch dort die Schadstoffbelastung, schlagen Alarm, wenn Grenzwerte überschritten sind.

Nach etwa sieben Stunden haben die sieben Arbeiter des LBM gemeinsam mit denen der beauftragten Firma den Tunnel fit gemacht für das nächste halbe Jahr. Für Forneberg und Ohrem wird es bis zum nächsten Wiedersehen mit dem Rengsdorfer Landschaftstunnel allerdings nicht so lange dauern. Gemeinsam mit zwei LBM-Kollegen teilen sie sich einen Rund-um-die-Uhr-Bereitschaftsdienst: Ob die Beleuchtung nicht funktioniert oder der CO2-Gehalt in der Luft zu stark ist, ob die Technik streikt oder der Schadstoffgehalt im Havariebecken bedenklich ist: Der Tunnel meldet sich.

Von unserem Redakteur Robin Brand

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