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Neustadt

Auf dem Präsentierteller: Neschen, ein Dorf ist leichte Beute

Ein, zwei, drei, sogar vier Einbrüche pro Haushalt - das ist das bittere Ergebnis einer Umfrage der Bürgerinitiative Neschen-Scharenberg. Die Neustädter Ortsteile liegen direkt an der A 3 und wünschen sich eine Schutzmauer.

Foto: cno

Von unserer Redakteurin Christina Nover

Im Laufe der vergangenen zehn Jahre gab es laut Angaben der Initiative 36 Einbrüche in den beiden Neustädter Ortsteilen, in denen insgesamt 360 Einwohner leben. Viel zu viele Delikte aus Sicht der Bewohner, die in unmittelbarer Nähe zur A 3 leben und besonders betroffen sind. "Die Hangstraße hat es in der Tat in sich, sie ist geradezu fällig für einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde", weiß der Sprecher der Bürgerinitiative, Hans Joachim Schmitz zu berichten und ergänzt: "Wir brauchen Hilfe."

Kleiner Umkreis, viele Einbrüche

Die erhoffen sie sich nun über den Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel, den sie am Donnerstag nach Neschen eingeladen hatten. Auf einer Karte hatten sie mit roten Stecknadeln markiert, wo es in den vergangenen Jahren überall Einbrüche und Einbruchsversuche gegeben hat. Auf dem Grundstück von Gastgeber Peter Vianden tummeln sich gleich vier Stecknadeln. Vianden ist erst vor anderthalb Jahren nach Neschen gezogen, die Einbrüche gehen auf "das Konto" des vorherigen Hausbesitzers. "Nachdem ich gehört habe, was hier schon passiert ist, habe ich Maßnahmen ergriffen und aufgerüstet", erklärt er. Panzerglas, Alarmanlage, großer Hund. Bisher zeigen seine Vorkehrungen Wirkung, doch entspannt ist er auch nicht: "Im Sommer mal die Tür offen lassen - kann man vergessen. Wir sind schon so weit, dass wir die Rollläden runterlassen, wenn wir mal ne Stunde weg sind", berichtet Vianden.

Dass selbst Hunde nicht helfen, musste jedoch eine andere Anwohnerin erfahren. Bei ihr wurde eingebrochen - während zwei Hunde im Haus waren, von den Tätern einfach weggesperrt: "Die Hunde verhielten sich ganz anders als sonst. Sie waren sehr ruhig. Die müssen ihnen irgendwas gegeben haben", erklärt Familie Bungarten, die bereits zwei Mal Opfer von Einbrechern wurden. Sie glauben: Die Täter sind Profis.

Hohe Investitionen in Schutzvorkehrungen

Wie aus der Umfrage der Bürgerinitiative hervorgeht, haben Anwohner aus Neschen und Scharenberg schon mindestens 56 000 Euro in Diebstahlsicherungen investiert. Allein 6000 Euro bezahlte Marga Stümper, bei der schon zwei mal eingebrochen wurde: "Wir haben im Erdgeschoss alles vergittert - ich komme mir schon vor wie im Gefängnis", erklärt Stümper, deren Versicherung sich mittlerweile verabschiedet hat. Sie ist sauer. Andere Frauen trauen sich kaum, alleine das Haus zu betreten, wenn sie mal einkaufen waren oder von der Arbeit kommen, haben Angst, vor dem, was sie erwartet. Alle Anwesenden sind sich sicher: "Wir werden beobachtet, unsere Häuser gezielt ausgekundschaftet." Besonders einfach ginge das vom Parkplatz der Raststätte, die sich oberhalb von Neschen befindet. Dort befindet sich nur ein niedriger Zaun vor dem Hang, über den man direkt ins Dorf gelangt.

Mauer mit Mehrfachwirkung

Die Anwohner wünschen sich deshalb eine Lärmschutzwand mit dreifach Schutz: "Schutz vor Lärm, Müll und Einbrechern", erklärt Hans Joachim Schmitz. Von Erwin Rüddel erhoffen sie sich Unterstützung für ihr Wunschprojekt. Dieser zeigte Verständnis und sagte zu, sich an die entsprechenden Stellen zu wenden, um herauszufinden, ob bereits eine Lärmschutzwand in Planung ist. Der Aspekt der Einbruchsvermeidung könne dabei aber nur eine untergeordnete Rolle spielen. Denn: Neschen ist kein Einzelfall. Auch viele andere Orte entlang der A 3 würden unter Wohnungseinbrüchen leiden. In Neschen könnte eine Schranke etwas Abhilfe schaffen: "Würde man die Notabfahrt von der Raststätte verschließen, würde man einen günstigen Fluchtweg versperren", so Schmitz.

Er rechnet vor: Die Polizei aus Straßenhaus braucht etwa 13 Minuten, bis sie in Neschen ist. Ein Einbruch dauert nicht viel länger als 10 Minuten. Die Einwohner fühlen sich Einbrecherbanden ausgeliefert: "Neschen, ein Dorf auf dem Präsentierteller" fassen sie in einem Infoblatt zusammen.

Neuwied Linz
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