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    Affenhaltung: Neuwieder Zoo wehrt sich gegen die Note „mangelhaft“

    Heimbach-Weis -  Wütend blättert Mirko Thiel durch die Seiten der Fachzeitschrift „National Geographic“. In einer Übersichtskarte der aktuellen Juliausgabe wird die Haltung von rund 450 Menschenaffen in 40 Zoos im gesamten Bundesgebiet beurteilt. Darunter ist auch der Neuwieder Zoo. Mit der Note „mangelhaft“. Für den Direktor des größten Tierparks in Rheinland-Pfalz mehr als ein Ärgernis: „Der Grundtenor des Artikels ist doch die Abschaffung aller Zoos.“

    Im Zoo in Heimbach-Weis leben vier Schimpansen auf einer 1000 Quadratmeter großen Anlage. Bei schönem Wetter nutzen die Tiere den Außenbereich mit natürlicher Vegetation und einem Bachlauf.
    Im Zoo in Heimbach-Weis leben vier Schimpansen auf einer 1000 Quadratmeter großen Anlage. Bei schönem Wetter nutzen die Tiere den Außenbereich mit natürlicher Vegetation und einem Bachlauf.
    Foto: Jörg Niebergall

    Heimbach-Weis -  Wütend blättert Mirko Thiel durch die Seiten der Fachzeitschrift „National Geographic“. In einer Übersichtskarte der aktuellen Juliausgabe wird die Haltung von rund 450 Menschenaffen in 40 Zoos im gesamten Bundesgebiet beurteilt. Darunter ist auch der Neuwieder Zoo. Mit der Note „mangelhaft“. Für den Direktor des größten Tierparks in Rheinland-Pfalz mehr als ein Ärgernis: „Der Grundtenor des Artikels ist doch die Abschaffung aller Zoos.“

    Von unserem Reporter  Carsten Liebfried 

    Die Mitarbeiter der Organisation „Great Ape Project“ (GAP) nahmen für die Fachzeitschrift die Lebensbedingungen der vier Schimpansen in Heimbach-Weis unter die Lupe. Aber: „Kein Mitarbeiter der Zeitschrift oder der Organisation war bei mir oder hat sich bei mir gemeldet“, sagt Thiel. Auf RZ-Nachfrage heißt es bei „National Geographic“: „Die Karte stammt nicht von uns.“ Stattdessen verweist die Zeitschrift auf das GAP als Quelle. Dort war der zuständige Ansprechpartner Dr. Colin Goldner gestern nicht zu erreichen. Zoodirektor Thiel bringt das zugrunde liegende Benotungssystem auf die Palme. „Die Zoos wurden nur mit ‚ausreichend’, ‚mangelhaft’ und ‚ungenügend’ benotet.“ Darunter auch bekannte Tierparks wie die in Hamburg, Köln und München. Lösungsansätze? Fehlanzeige.

    Seit vielen Jahren sind die Menschenaffen eine der Attraktionen des Neuwieder Zoos. Neben der intensiven Pflege kümmern sich die Pflegerinnen in einer Rundum-Betreuung um die haarigen Verwandten. Auf der großräumigen Anlage leben momentan drei männliche Schimpansen (Charley, Niki, Marlock) und eine Affendame namens Puni. Ihnen stehen fast 1000 Quadratmeter zur Verfügung. Davon misst der Bereich außerhalb des Affenhauses eine Grundfläche von 700 Quadratmetern. Abgegrenzt ist das Gelände durch einen etwa sechs Meter breiten Wassergraben. „Nach den derzeit gültigen Haltungsrichtlinien ist das Innengehege mehr als viermal so groß“, erklärt Thiel, „die Außenanlage mehr als 15-mal größer als eigentlich vorgeschrieben.“ Das Gesetz sieht für bis zu zwei Tiere außen und innen je 25 Quadratmeter Raumbedarf vor. Viel zu wenig, wie nicht nur Mirko Thiel findet. Aber die Tierrechtsorganisation GAP fordert als Mindestbedingung unter anderem für große Menschenaffen eine Grundfläche von 50 Quadratmeter pro Tier im Innen- und 250 Quadratmeter pro Tier im Außenbereich.

    Diese Anforderungen kann der Neuwieder Zoo weder aus finanziellen noch aus räumlichen Gründen erfüllen. „Aber wir beachten die gesetzlichen Voraussetzungen“, betont Thiel. Die Benotung im Test kann er sich deshalb nicht erklären. Zumal die vier Affen schiedlich-friedlich im Außenbereich ihr Futter suchen, welches die Pflegerin in Astlöchern oder Büschen versteckt hat. „Die Mitarbeiterinnen lassen sich immer etwas Neues einfallen“, sagt Thiel. Müsli, Obst oder Gemüse, alles was die gesunde Speisekarte hergibt. Auch hierbei entspricht der Zoo den geforderten Kriterien des Tests, denn „Ausstattung und pflegerische Betreuung müssen modernen primatologischen Erkenntnissen genügen“. „Schimpansen sind intelligente Tiere“, weiß Mirko Thiel. „Die kognitiven Fähigkeiten der Tiere werden ständig trainiert.“ Im Affenhaus gibt's dafür eigens mehrere sogenannte Puhlkästen, in denen Nüsse und andere Leckereien versteckt werden. Bei dem Wunsch vieler Tierrechtsorganisationen nach einem Leben von Affen in freier Wildnis schüttelt Zoodirektor Mirko Thiel nur den Kopf. „Wo sollen denn die Tiere hin?“, fragt er und liefert prompt die Antwort: „Die natürlichen Lebensräume sind doch gar nicht mehr vorhanden.“

    Gleichwohl räumt er ein, dass die Haltung von Menschenaffen vor etwa 20 Jahren keineswegs artgerecht war. „Edelstahlstangen, Betonböden und geflieste Wände gehörten zum Standard.“ Seitdem ist das Ziel, „die Lebensräume der Tiere im Zoo stetig zu verbessern“. Nach dem Umbau des Geheges im Jahr 2006 für 1,3 Millionen Euro ist das Affenhaus mit einem Klettergerüst aus Holz, Schaukeln sowie einem Rindenmulchboden mit integrierter Sandfläche ausgestattet.

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