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Buchholz

Adonis ist ein Kämpfer: Der blinde und taube Australian Shepherd verlor bei einem Unfall ein Bein

Mit einem Knuff in die Seite fordert Lisa Haller ihren Hund Adonis auf, sie zu fangen. Die Buchholzerin läuft über die Wiese, während der Australian Shepard ihr folgt. Das Aufspüren seines Frauchens gelingt ihm ausschließlich mit der Nase, denn der Dreijährige ist von Geburt an taub und blind. Durch einen Unfall vor zwei Jahren fehlt ihm dazu noch ein Bein.

Lisa Haller und (von links) Adonis, Eywa, Lisa Haller und Tyrion.  Foto: Simone Schwamborn
Lisa Haller und (von links) Adonis, Eywa, Lisa Haller und Tyrion.
Foto: Simone Schwamborn

Doch so wie Adonis über die Wiese fetzt, scheinen ihn die mehrfachen Handicaps nicht sonderlich zu beeinträchtigen. Dank seines Frauchens, das auf die besonderen Bedürfnisse des mehrfach behinderten Hundes eingeht. Lisa Haller fand den Hund im Welpenalter. Im November 2014 lief sie mit ihrem Mischlingshund Eywa durch den Wald zwischen Buchholz und Hussen, als die Hündin zuerst den Karton mit dem kleinen Geschöpf entdeckte. „Die Fundstelle lag nicht am Weg“, erinnert sich Haller. Wer auch immer den Welpen da zurückließ, wollte offenbar nicht, dass der kleine Kerl gefunden wird. Sie schätzte sein Alter auf etwa acht Wochen. „Er war abgemagert, ausgetrocknet und hat gestunken wie eine Jauchegrube. Recht schnell habe ich gemerkt, dass er auch noch taubblind war.“

Sie gab dem Welpen einen Namen, päppelte ihn auf und fand heraus, dass Adonis das Merle-Gen in sich trägt. „Wenn beide Elterntiere das Merle-Gen in sich tragen, wirkt sich das gesundheitlich auf die Welpen aus“, weiß Haller. Die Welpen können tot geboren werden, fehlgebildete Organe haben oder vor der ersten Läufigkeit sterben. „Adonis konnte nach dem Auffinden noch eine Weile so etwas wie Schatten sehen, aber nach rund einem Jahr gar nichts mehr.“

Mit vielen Leckerchen und Lob erreichte sie, dass Adonis auf bestimmte Berührungen reagiert. Streicht sie ihm mit der Hand von hinten über den Kopf, dann weiß er, dass es jetzt losgeht und er sie begleiten soll. Knufft sie ihm in die Seite, läuft er los und sucht sie im Spiel. Berührt Haller Adonis Ohr, setzt er sich hin.

Neben der Taubblindheit musste der Hund lernen, mit einer weiteren, körperlichen Beeinträchtigung umzugehen. Den Traktor konnte Adonis nicht sehen und nicht hören, als er mit ihm im Sommer 2015 kollidierte. Zurück blieb ein kaputtes Bein. „Ich war in der Tierklinik, dann beim Neurologen und bei der Physiotherapie. Doch leider musste das Bein amputiert werden.“ Entgegen aller Erwartungen flitzte Adonis, nachdem die Wunde verheilt war, sofort wieder los. „Erstaunlicherweise kam er sofort mit den drei Beinen sehr gut zurecht“, erzählt die Buchholzerin.

Womit Adonis weniger gut zurecht kam, war das Anleinen. Wenn die Buchholzerin ihren Hund an die Leine nehmen wollte, machte er unter sich. „Ich vermute, dass er das Anleinen mit einem schrecklichen Erlebnis aus der Zeit vor dem Auffinden verknüpft.“ Mithilfe einer Tiertrainerin und des Mischlings Tyrion, der ins Haus zog, besserte es sich. „Tyrion war fünf Monate alt und wollte mit Adonis immer nur spielen. Das ständige Gefordertsein hat Adonis aus der starken Depression herausgerissen.“ Gesundheitlich hat Adonis sein Frauchen immer auf Trapp gehalten. Und Haller wurde nicht müde, ihm immer wieder zu helfen, auch bei der Fehlstellung des Körpers, weil Adonis das Sehen und Hören mit dem Schnüffeln kompensiert und seine Nase stets knapp über dem Boden hält. Ein Tierschutzverein besorgte für den Australien Shepard, der mehrere Paten hat, einen Frontrolli. Mit dem speziell angepassten Hunderollstuhl und der Physiotherapie konnte die Fehlstellung korrigiert werden.

Wenn Adonis über die Wiese fetzt, trägt er ein Halstuch mit der Aufschrift „Don’t touch me – nicht anfassen“ und den Symbolen für Taub und Blind. „Die Spaziergänger respektieren die Bitte, die auch auf der Hundeleine steht. Denn er sieht und hört ja nichts und erschrickt sich, wenn er plötzlich aufgehoben oder geknuddelt wird.“ Seit Haller den Vierbeiner hat, gab es immer wieder Herausforderungen zu meistern, zuletzt verschiedene Allergien. „Er ist für mich ein guter Lehrmeister. Er hat mir Ruhe, Geduld, Gelassenheit, auch das Kämpfen und somit viel fürs Leben beigebracht.“ Ihr großer Wunsch ist, Tyrion als Blindenhund für einen blinden Hund auszubilden, damit er Adonis helfen kann.

Von unserem Mitarbeiterin Simone Schwamborn

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