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Neuwied/Koblenz

14-Jährige belästigt: Neuwieder Sittenstrolch steht erneut vor Gericht

Christina Nover

Emilio M. (Name von der Redaktion geändert) ist bei der Neuwieder Polizei ein alter Bekannter. Schon zigmal ist er auffällig geworden, vor allem wegen Hausfriedensbruch und exhibitionistischer Handlungen. Im Juni 2016 trieb er es zu weit – ein 14-jähriges Mädchen sagte aus, Opfer eines Übergriffs geworden zu sein. Genau mit dieser Tat beschäftigt sich derzeit das Koblenzer Landgericht.

Schon zu Beginn der Verhandlung macht der Vorsitzende Richter Martin Schlepphorst deutlich, dass nicht das Verhängen einer Strafe das Ziel sein kann, sondern die Entscheidung, wie es mit Emilio M. weitergehen soll. Denn der gebürtige Italiener ist bekanntermaßen psychisch krank.

Diagnostiziert wurde bei ihm eine „Schizoaffektive Störung.“ Mehrere Verfahren gegen ihn wurden schon wegen Schuldunfähigkeit eingestellt. Der Angeklagte war regelmäßiger Gast in psychiatrischen Kliniken der Region, ohne Medikamente wurde er jedoch schnell wieder auffällig. Der ihm zur Seite gestellte Betreuer bekam ihn kaum zu Gesicht. Seit seiner Tat im vergangenen Sommer ist Emilio M. im Nette-Gut in Weißenthurm untergebracht.

An Brust und Hintern gefasst

Der Angeklagte soll am 12. Juni 2016 an der Bushaltestelle in der Wilhelm-Leuschner-Straße in Anwesenheit einer 14-Jährigen sein Geschlechtsteil hervorgeholt und sie belästigt haben. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, sie zum Sex aufgefordert und ihr an Brust und Hintern gefasst zu haben. Das Mädchen konnte ihm entfliehen und suchte Hilfe bei Zollbeamten, die zufällig vor der Kreisverwaltung parkten. Diese hielten den Angeklagten fest und fanden bei ihm neben einem kleinen Revolver auch jede Menge Patronen.

Die Waffe hat der Angeklagte nach eigener Aussage in der Schublade eines Küchenschranks gefunden, der für den Sperrmüll bestimmt war. „Ich wollte sie der Polizei übergeben, damit sie nicht in die falschen Hände gerät“, berichtete er. Bei der Waffe handelt es sich laut einem Behördengutachten um einen Revolver Kaliber 22, der nur mithilfe einer Spannvorrichtung abgefeuert werden kann. Der alte Schreckschussrevolver ist jedoch funktionsfähig und bedarf einer Erlaubnis. Die Patronen, so informiert Richter Schlepphorst die Anwesenden, gehörten nicht zum Revolver.

Während der Angeklagte sich zum Mitführen der Waffe bekennt, verneint er die restlichen Anschuldigungen. Er habe der auf den Bus wartenden 14-Jährigen lediglich anbieten wollen, sich mit ihm ein Taxi zu teilen. „Ich habe das Mädchen nicht angefasst, erklärt der Angeklagte. Auf die Nachfrage des Richters hin, ob er der Jugendlichen sein Geschlechtsteil gezeigt habe, räumt er ein, dass sein Reißverschluss wohl offen gestanden und er an dem Tag keine Unterhose getragen habe.

Auf der Wache immer unten ohne

Einer der Polizisten, die vom Zoll dazu gerufen worden waren, erkennt den Mann sogleich. „Emilio und ich sind schon per du“, meint der Beamte bei seiner Zeugenaussage verschmitzt. Ebenso wie sein Kollege berichtet er dem Gericht von einer ganzen Reihe an Problemen, die der 54-Jährige Angeklagte bereits verursacht hat. „Wenn er nach einem Vorfall mal wieder bei uns auf der Wache war, dann saß er immer mit entblößtem Glied da“, so der Zeuge. Aggressiv sei der Mann nie gewesen – dafür aber stets sehr gesprächig.

Den Aussagen der Beamten zufolge, habe er ihnen „alles Mögliche“ über seinen Lebenslauf erzählt. Er behauptete unter anderem, der Besitzer verschiedener Läden zu sein und in den besten Kreisen zu verkehren. Der gelernte Koch, der seit 1995 keinen festen Job mehr hat, gab sich auch gern selbst als Kriminalbeamter aus, wie die Polizeibeamten amüsiert mitteilen. Der echte Kripo-Beamte, der die Befragung des 14-jährigen Opfers übernommen hat, und dem Emilio M. ebenfalls bekannt ist, spricht angesichts der jüngsten Tat von einer Steigerung: „Erst ist er nur mit offenem Latz durch die Stadt gelaufen. Dann ist er auch in Läden rein und hat schließlich sogar Leute angesprochen.“ Dass er jemanden anfasst, sei neu für den stadtbekannten Sittenstrolch gewesen.

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