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    Idar-Oberstein

    Wird das Edelsteinhandwerk zum Weltkulturerbe?

    Im Rahmen eines Gesprächs auf der Intergem stellte Graveurmeister Hans-Ulrich Pauly die Idee vor, das Edelsteinhandwerk in der Region um Idar-Oberstein zum immateriellen Unesco-Weltkulturerbe erklären zu lassen. Antragsteller würde der Förderverein der Edelsteingraveure sein, deren Vorsitzender Pauly ist.

    Von unserem Reporter Jörg Staiber

    Vorbild für den Antrag ist das Kannenbäckerland im Westerwald, deren Töpfertradition 2016 zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt wurde. Zunächst muss dafür ein entsprechender Antrag beim Land eingereicht werden, wo er geprüft und gegebenenfalls zur Deutschen Unesco-Kommission weitergeleitet wird, die schließlich den Vorschlag bei der Unesco machen kann.

    Pauly erläuterte, dass mit der vor knapp 200 Jahren erfolgten Auswanderungswelle von Hunsrückern nach Brasilien und den dortigen Edelsteinfunden eine Entwicklung in Gang gesetzt wurde, die die Region zum weltweit einmaligen Zentrum für die Bearbeitung, Prüfung und Erforschung von Edelsteinen werden ließ. Neben einer großen Zahl von Handwerksbetrieben umfasse dies auch Einrichtungen wie die Fachrichtung Schmuck und Edelsteine der Hochschule Trier, die Fachschule für Edelstein- und Schmuckgestaltung, die Deutsche Stiftung Edelsteinforschung, das Forschungsinstitut für mineralische und metallische Werkstoffe, Edelsteine/ Edelmetalle (FEE), die Deutsche Gemmologische Gesellschaft und etliche andere mehr. „Es ist eine weltweit einmalige gewachsene historische Kultur“, betonte Pauly.

    „Unser Gewerbe hat sich zwar zahlenmäßig verkleinert, aber es ist alles erhalten geblieben“, unterstrich der Idarer Edelsteinschleifer René Arnoldi. „Es sind heute nur noch rund 500 Leute, aber die können alles abdecken“, unterstrich Dieter Hahn, Inhaber der ältesten Diamantschleiferei Deutschlands und früherer Präsident der Diamant- und Edelsteinbörse. Zudem habe Idar-Oberstein „heute eine bessere Position auf dem Weltmarkt als je zuvor“. Die „Industrie“, erläuterte Pauly, umfasse heute noch 14 Innungsbetriebe bei der Handwerkskammer und rund 100 Betriebe, die unter den Dach der IHK laufen. Schmuckgestalterin Maren Giloy verwies auf den Titel „World Crafts City“, der vom World Crafts Council für Städte verliehen wird, für die ein bestimmtes Kunsthandwerk prägenden Charakter hat.

    Allerdings, sagte Pauly, sei es notwendig, verstärkt zusammenzuarbeiten, um gemeinsam Stärken und Fähigkeiten zu erhalten und auszubauen. Den Mangel an einheimischem Nachwuchs müsse man durch Menschen von außerhalb ausgleichen. Pauly berichtete von seinen guten Erfahrungen mit Studierenden der in Idar-Oberstein angesiedelten Fachrichtung für Edelstein- und Schmuckgestaltung. Der sei inzwischen international ausgerichtet, Absolventen, die tatsächlich ein großes Interesse an der Arbeit mit Edelsteinen entwickelten, würden oftmals gern hierbleiben, weil es nirgendwo auf der Welt vergleichbare Arbeitsbedingungen gebe. René Arnoldi verwies darauf, dass die heimische Schleifertradition auch deshalb zurückgegangen sei, weil das Edelsteingewerbe früher keine attraktiven Arbeitsbedingungen anzubieten hatte. Die Arbeit sei schwer, ungesund und schlecht bezahlt gewesen. Deshalb sei heimischer Nachwuchs ausgeblieben. Man müsse deutlich machen, dass sich dies gewandelt hat und heute auch in der Edelsteinindustrie mit modernsten Geräten und Methoden gearbeitet werde.

     

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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