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    Bundenbach

    War die Altburg tatsächlich viel wehrhafter?

    Im prähistorischen Ambiente der rekonstruierten Keltensiedlung stellte der in den 1970er-Jahren verantwortliche Grabungsleiter Karl-Heinz Koch seine neue Broschüre über die archäologische Freilegung der Altburg vor. Dem gelernten Vermessungstechniker war es damals ein Anliegen, für die wissenschaftliche Dokumentation jedes einzelne Pfostenloch und jeden Gebäudegrundriss akribisch zu dokumentieren.

    Karl-Heinz Koch
    Karl-Heinz Koch
    Foto: Uwe Anhäuser

    Bundenbach - Im prähistorischen Ambiente der rekonstruierten Keltensiedlung stellte der in den 1970er-Jahren verantwortliche Grabungsleiter Karl-Heinz Koch seine neue Broschüre über die archäologische Freilegung der Altburg vor. Dem gelernten Vermessungstechniker war es damals ein Anliegen, für die wissenschaftliche Dokumentation jedes einzelne Pfostenloch und jeden Gebäudegrundriss akribisch zu dokumentieren.

    Seine 45-seitige Broschüre, die für 3,50 Euro am Kiosk der Besuchergrube Herrenberg zu erwerben ist, sieht der Verfasser nicht als bloßes Führungsheft, sondern als grabungstechnische Bestandsaufnahme, die zu Korrekturen wesentlicher Befunde und Fundinterpretationen anregt. Damit hebt er Dr. Reinhard Schindlers 1978 durch dessen jähe Erkrankung allzu früh beendete Forschungen erneut auf die archäologische Agenda.

    Koch äußert dezent Kritik an den rekonstruierten Bauten der Keltensiedlung mit ihren Spitzdächern, die durch archäologische Befunde nirgends nachzuweisen sind. Und auch die reetgedeckten Speicherbauten auf dicken, kurzen Holzständern erscheinen ihm teils deplatziert. Es leuchtet ihm nicht ein, dass die kampferprobten und kriegserfahrenen Kelten vom Stamm der Treverer solche stark feuergefährdeten Bauwerke gleich hinter einer Palisadenwehr errichtet haben sollen. Nicht nur Bogenschützen mit Brandpfeilen, sondern bereits eine kräftig geschleuderte Fackel hätte hier einen Großbrand ausgelöst, für den sich im gesamten Grabungs- areal aber nicht der geringste Hinweis fand. Statt der in die originalen Pfostenlöcher eingesetzten wuchtigen Holzständer, auf denen mehrere der rekonstruierten Fachwerkhäuser ruhen, hält Koch es für wahrscheinlicher, dass hierin einst große Baumstämme verkeilt waren, die Verteidigungsplattformen hoch über den Palisaden trugen. An einem halben Dutzend Stellen sieht er solche jeweils vierpfostigen Wachttürme an den Seiten und Ecken der Anlage lokalisiert. Hätte man diese Türme anstelle von Speicherbauten ins Gesamtbild eingefügt, dann sähe die Altburg-Rekonstruktion bedeutend wehrhafter aus.

    Es ist zu vermuten, dass die wiederaufgebaute Palisadenanlage die verstärkt befestigte Oberburg einer über das gesamte Plateau verstreuten ersten Keltensiedlung war, die durch mehrere Wachttürme an exponierten Stellen gesichert wurde. Nachdem aber die im Kern des monumentalen Abschnittswalls noch vorhandene Wehrmauer errichtet worden war, kam der Oberburg keine besondere Bedeutung mehr zu. Ihre Palisaden hätten ja im Verteidigungsfall den Zugang auf die Mauerkrone unnötig erschwert. Deshalb standen nach Vollendung jenes gewaltigen Sperrriegels - anders als in der heutigen Gesamtansicht - keine Palisaden mehr unterhalb der Wehrmauer.

    Auch der mit einem großen Fachwerkhaus überbaute Kellerraum mit Doppeltreppe, in dem heutige Altburgbesucher einige museale Schaustücke besichtigen können, sah ursprünglich ganz anders aus. Vielleicht lag er innerhalb einer jener großen Rundbauhütten aus der frühesten Siedlungsphase, deren Pfostenlochgrundrisse zwar aufgedeckt, jedoch nicht rekonstruiert worden sind.

    Karl-Heinz Koch weist letztlich noch auf eine zweite große Toranlage an der äußersten Plateauspitze über dem Hahnenbachtal hin, deren Lage und Bedeutung rätselhaft bleibt. Wahrscheinlich muss sie im Zusammenhang mit der bereits zur Keltenzeit florierenden Bergbautätigkeit gesehen werden. Überhaupt dürfte die erfolgreiche Suche nach kostbaren Metallen an und in den Steilhängen des Hahnenbachtals die existenzielle Grundlage für das Entstehen der Keltensiedlung gewesen sein. Uwe Anhäuser

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