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    Fischbach/Neubrandenburg

    Urteil im Fall Sarah: Fünf Jahre Haft

    Am vierten Prozesstag gab es am späten Freitagnachmittag ein Urteil: Axel G. muss für fünf Jahre in Haft. Das Gericht geht von Körperverletzung mit Todesfolge und Freiheitsberaubung aus.

    Verteidiger Henning Köhler (rechts) und Axel G. im Neubrandenburger Gericht: Der Alt-Rehser muss für fünf Jahre in Haft. Das Gericht blieb unter dem von der Staatsanwaltschaft und Nebenkläger Hötger geforderten Strafmaß.  Foto: Crimespot
    Verteidiger Henning Köhler (rechts) und Axel G. im Neubrandenburger Gericht: Der Alt-Rehser muss für fünf Jahre in Haft. Das Gericht blieb unter dem von der Staatsanwaltschaft und Nebenkläger Hötger geforderten Strafmaß.
    Foto: Crimespot

    Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten Haft gefordert. Weiter ging die Forderung des Idar-Obersteiner Anwalts und als Nebenkläger auftretenden Damian Hötger: Elf Jahre Haft wegen Totschlag aus Unterlassung, Freiheitsberaubung und Störung der Totenruhe hielt er für angemessen. Er sah durchaus Mordtendenzen angesichts der Arg- und Wehrlosigkeit, die Sarah gegenüber Axel G. aus seiner Sicht ausgestrahlt habe. Hötger, der Sarah persönlich kannte und ihre Interessen im Jahr 2011 gegenüber Sat.1 mit Blick auf ihre Teilnahme an der Kuppelshow „Schwer verliebt“ vertreten hatte, wurde vor Gericht sehr emotional: „Es ist ein herrlicher Frühlingstag. Die Sonne strahlt. Sarah wird das nie mehr erleben. Sarah wurde zur Schlachtbank geführt wie ein Schaf. Sie war ihm ausgeliefert.“

    Das Urteil kommentiert Hötger wie folgt: „Wenn man von Körperverletzung mit Todesfolge ausgeht, ist das Urteil juristisch betrachtet in Ordnung, wenngleich es ethisch und natürlich menschlich fraglich ist.“ Und natürlich hätte man auch juristisch zu einer anderen Annahme als Körperverletzung kommen können, sagt er. Verteidiger Henning Köhler forderte indes in seinem Plädoyer einen Freispruch für den Angeklagten, da einige Beweise seiner Meinung nach nicht gewertet werden dürften.

    Axel G., der die aus Fischbach stammende Sarah (32) im Juni 2016 nach einem Streit offenbar zu Tode gepeitscht hat, schwieg weiterhin zu den Tatvorwürfen, zeigte keinerlei Reue, stellte aber Anträge: so auf Befangenheit der Kammer um den Vorsitzenden Richter Klaus Kabisch. Sie sei nicht unvoreingenommen bezüglich eines möglichen Strafmaßes gegenüber seinem Mandanten, argumentierte der Verteidiger. Der Antrag, der nun bereits zum zweiten Mal gestellt worden war, wurde erneut abgelehnt. Und: Seine Festnahme sei unter brachialer Gewaltanwendung abgelaufen. Unter Schock habe er gestanden, sei gefoltert worden. Auch Essen sei ihm verweigert worden, um eine Aussage zu erzwingen. Zu Beginn des vierten Verhandlungstages sagte Gutachterin Peggi Grünberg, Fachärztin für Nervenheilkunde aus Greifswald aus, dass eine präzise Diagnose ihrerseits mit Blick auf den Angeklagten sehr schwer sei: Er wolle bekanntlich nicht mit ihr reden. Insofern könne sie sich nur auf die Aktenlage und Diagnosen ihrer Kollegen aus der Vergangenheit beziehen.

    Ihre Einschätzung: Bei Axel G. könnte eine bipolare affektive Störung vorliegen. Darunter versteht man eine psychische Krankheit, die durch wiederholt auftretende Episoden charakterisiert ist, in denen Stimmung und Aktivitätsniveau des Betroffenen deutlich verändert sind. Phasen depressiver und manischer Natur wechseln sich ab. In einigen Fällen gibt es auch Episoden der Gereiztheit oder Aggression. Zwischen den einzelnen Episoden liegen Zeiträume mit „normaler“ Stimmungs- und Antriebslage. Zudem äußerte sich eine ärztliche Bereichsleiterin aus Neustrelitz. Ihr wurden die Vorkommnisse vom 9. August (am frühen Morgen wurde Axel G. vor seinem Haus festgenommen) vergangenen Jahres von der Notärztin, die nicht vor Gericht erschien, geschildert. Von dem 51-Jährigen sei Aggressionspotenzial ausgegangen. Sie sprach vor Gericht von „Wahnhaftigkeit“. Aus diesem Grund wurden Axel G. intravenös zwei Medikamente verabreicht. Wie die Medizinerin betonte, sei aber die Wahrnehmung am Tag darauf dadurch nicht mehr eingeschränkt gewesen, sodass die gegenüber zwei Polizisten am 10. August 2016 gemachten Angaben des Angeklagten Relevanz haben. Dort legte Axel G. eine Art Geständnis ab und gab zu, Sarah gepeitscht zu haben, unter anderem, weil der Bundesnachrichtendienst sie auf ihn angesetzt und sie ihn zudem bestohlen habe.

    In Internetforen sorgen der Prozesslauf und nun auch das Urteil für viele Kommentare, die durchaus von Empörung und Entsetzen geprägt sind. Das Interesse an Sarahs trauriger Geschichte und der Wunsch nach Gerechtigkeit prägten die unzähligen Aussagen mit Blick auf das Schicksal der jungen Frau, die fast 5000 Facebook-Freunde hatte, aber im wahren Leben sehr einsam war. Die Suche nach der großen Liebe und nach einem neuen Zuhause endete für sie in Alt Rehse: Dort lebte sie gemeinsam mit Axel G., den sie im Internet kennengelernt hatte, seit Winter 2015 in einem früheren Tagungshaus. Mithilfe unserer Zeitung und Damian Hötger kämpfte Sarah 2011 und 2012 gegen die Machenschaft des Senders Sat.1: Ihr Mut brachte ihr damals viel öffentliche Anerkennung ein. Was sich ebenfalls viele Internetnutzer wünschen: dass Sarah nun endlich Ruhe findet. Sie war bereits vor einigen Monaten in aller Stille in einem Ruheforst in der Region beigesetzt worden.

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

    Sarah H.: Chronik eines einsamen Lebens Drama geht weiter: Prozess um zu Tode gefolterte Sarah H. wird neu verhandelt  [Update]Fall Sarah: Anwalt Hötger setzt auf RevisionAuch Nebenkläger Hötger legt Revision ein - Wie es im Fall Sarah weitergehen kannZu Tode gefoltert: Nach Revision kommt Fall Sarah vor den Bundesgerichtshofweitere Links
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