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Kreis Birkenfeld

Unwetter: Kritik im Kreisausschuss an der Bilanz des Landkreises

Stefan Conradt

Mehr als 300.000 Euro sind mittlerweile im Spendentopf, den die VG Herrstein gemeinsam mit der Kreisverwaltung zur Begleichung von Schäden nach den beiden Unwetterkatastrophen im Fischbachtal eingerichtet hat. Das verkündete VG-Bürgermeister Uwe Weber in der Kreisausschusssitzung am Montag, bei der die „Schadensereignisse nach Starkregenfällen“ diskutiert wurden.

Mit voller Gewalt traf die Flutwelle am Abend des 27. Mai Herrstein, Niederwörresbach und Fischbach (Foto). Dabei wurden zahlreiche Keller und Wohnräume geflutet und mehr als 50 Fahrzeuge beschädigt, bis hin zu Totalschäden.  Foto: Sebastian Schmitt (Archiv)
Mit voller Gewalt traf die Flutwelle am Abend des 27. Mai Herrstein, Niederwörresbach und Fischbach (Foto). Dabei wurden zahlreiche Keller und Wohnräume geflutet und mehr als 50 Fahrzeuge beschädigt, bis hin zu Totalschäden.
Foto: Sebastian Schmitt (Archiv)

Landrat Matthias Schneider berichtete von intensiven Gesprächen mit dem Umweltministerium. Ihm schwebt eine Infoveranstaltung vor, bei der mit Fachleuten und „professionellen Wettermoderatoren“ die Vorgänge beleuchtet, den Bürgern nahegebracht und Vorkehrungen für derartige Extremsituationen vorgestellt werden. Schneider betonte, dass die Starkregenfälle nicht mit Hochwassersituationen vergleichbar seien, wo es Vorwarnzeiten gebe. So war sich der Ausschuss einig, dass Verbesserungen im Rettungsszenario oder auch bauliche Veränderungen die Situation am Abend des 27. Mai zwar hätten entschärfen, aber nicht verhindern können.

Kritik gab es an der am Montag in der NZ veröffentlichten Schadensbilanz aus Sicht der Kreisverwaltung und des Kreisfeuerwehrinspekteurs (KFI) Eberhard Fuhr. Uwe Weber sprach von „Schönfärberei“, das habe sich so gelesen, „als ob der VW-Vorstand den Abgasskandal bewertet“. Laut Weber gab es sehr wohl Dinge, „die hätten besser laufen können“. So werden seitens der Einsatzkräfte unter anderem leistungsstärkere Pumpen gewünscht und eine ungenügende Anzahl an Notstromaggregaten moniert. Auch Bernhard Alscher (Freie Liste) sprach von einem „sonderbaren Artikel“ und einer „vorschnellen Analyse ohne Einbindung aller Beteiligten“.

Petry fordert „ehrliche Analyse“

Thomas Petry (Grüne) forderte eine „ehrliche Analyse“ der technischen Einsatzleitung: „Mit einer besseren Kommunikation hätte man sicher einiges besser hinbekommen.“ Der stellvertretende Ortsbeauftragte des THW Idar-Oberstein fordert auch eine bessere Koordinierung der ehrenamtlichen Helfer: „Da wollten ganz viele Menschen mit anpacken, aber keiner konnte ihnen sagen, was sie tun sollen.“ Wolfgang Augenstein (LUB) fühlt sich „nicht hinreichend informiert“ und beantragte eine Fragestunde mit dem KFI im Kreistag. Landrat Schneider kündigte eine Besprechung mit den Verantwortlichen der Einsatzdienste an, bei der auch der Katastrophenschutzplan des Landkreises auf den Prüfstand gestellt werden soll.

Bei aller Kritik unterstrichen sämtliche Redner die gute Arbeit, die die Einsatzkräfte während der Ausnahmesituation leisteten. „Ich denke, dass alle versucht haben, das Beste aus der Situation zu machen“, sagte Bruno Zimmer (SPD), der hofft, dass die Bevölkerung durch die Katastrophe sensibilisiert wird, am eigenen Grundstück nach hochwasserschädlichen Dingen zu schauen. Klaus Beck hatte zum Beispiel beobachtet, dass direkt am Fischbach Meterholz gestapelt war, das von den Fluten weggerissen wurde und beim nächsten Nadelöhr talabwärts die Wassermassen weiter anstaute.

Zimmer unterstrich, dass man alles in allem sogar noch von Glück reden könne, weil niemand ernsthaft verletzt wurde: „Wenn so ein Wolkenbruch bei Allenbach niedergeht und sich die Wassermassen durch das Idarbachtal Richtung Idar-Oberstein schieben, dann sieht das wahrscheinlich anders aus...“ Beck sprach von einer großartigen Solidaritätswelle und dankte dem Abfallwirtschaftsbetrieb für die unbürokratische Hilfe beim Abtransport des Sperrmülls, „der am Tag zuvor zum Teil noch hochwertiges Mobiliar war“.

Armin Korpus begrüßte das Ziel, Aufklärungsarbeit bei der Bevölkerung zu leisten: „Der Klimawandel ist da“ – was Bernhard Alscher süffisant mit dem Satz „Schön, das von der CDU zu hören“ kommentierte. Er frage sich, warum der Kreis und andere VGs noch keinen Klimaschutzmanager haben.

Richtlinien werden erstellt

Uwe Weber berichtete vom Stand der Spendensammlung. Die Richtlinie, wie die Gelder verteilt werden sollen, soll nächste Woche vorgestellt werden. Dazu wurde ein Gremium zusammengestellt, dem die VG-Verwaltung, der Kreis, betroffene Ortsbürgermeister, aber auch zum Beispiel Vertreter der Serviceclubs (die auf dem Nationalparkfest alleine 13.500 Euro spendeten) angehören. In Härtefällen könne man sofort Hilfe veranlassen. Ziel sei es, bis Ende Juni Antragsformulare an alle Ortsbürgermeister der betroffenen Dörfer auszuliefern. Angesichts der großen Summe, die zusammenkomme, sei er dafür, sagte Weber, auch Vereine und Gewerbetreibende in Notlagen aus diesem Topf zu unterstützen. Weber fragte in Richtung Landrat: „Dazu kommt dann noch die Summe, die der Kreis in diesen Topf spendet...“

Alscher kritisierte, dass es bei der Hochwasservorsorge Unterstützung des Landes (90 Prozent für Ingenieurleistungen) derzeit nur für einzelne Kommunen statt etwa für ganze Bachtäler oder Einzugsgebiete wie den Traunbach gebe: „Das macht keinen Sinn.“

Der Kreis sei gefordert, Kommissionen in die Dörfer zu schicken, um die Situation vor Ort unter die Lupe zu nehmen, meinte Hans-Jürgen Noss. Damit könne man sofort „auf unterschwellige Weise“ Bausünden und Ähnlichem auf den Grund gehen, „statt zu warten, bis ein Antrag genehmigt ist“. Der zuständige Dezernent Jürgen Schlöder warnte: „Hier ist Ingenieurwissen gefragt, dazu können Verwaltungsbeamte relativ wenig sagen.“ Aber auch Schlöder hofft auf Lerneffekte: „Beim letzten großen Nahehochwasser 1996 standen in vielen Idar-Obersteiner Betrieben die teuersten Maschinen noch im Keller oder im Erdgeschoss. Das hat sich geändert.“

Weber votierte dafür, das Hochwasserkonzept für den ganzen Landkreis anzupassen, das sei besser, als einzelne Orte mit Fördermitteln auszustatten. Beck forderte mehr Retentionsraum für Bäche und dass Brücken und andere Hindernisse zurückgebaut werden.

Von unserem Redaktionsleiter Stefan Conradt

Idar-Oberstein Birkenfeld
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