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Idar-Oberstein

Tunnelsanierung beginnt erst im Jahr 2021

Im kommenden Frühjahr sollten eigentlich die aufwendigen Tunnelsanierungsarbeiten auf der Bahnstrecke zwischen Oberstein und Enzweiler beginnen – eine Mammutmaßnahme, die nicht nur Bahnreisende, sondern auch Anwohner drei Jahre lang stark belasten wird (die NZ berichtete). Umfangreiche Voruntersuchungen haben begonnen, Baustraßen sind bereits angelegt und zum Teil verbreitert worden.

Knapp zwei Kilometer Bahnstrecke, die es in sich haben: Gleich zwei lange Tunnel gibt es zwischen Oberstein und Enzweiler, beide sind gut 160 Jahre alt und dringend sanierungsbedürftig. Auch an Rettungswegen hapert es. Die Arbeiten wurden dennoch um drei Jahre nach hinten verschoben. Grafik: DB Netz
Knapp zwei Kilometer Bahnstrecke, die es in sich haben: Gleich zwei lange Tunnel gibt es zwischen Oberstein und Enzweiler, beide sind gut 160 Jahre alt und dringend sanierungsbedürftig. Auch an Rettungswegen hapert es. Die Arbeiten wurden dennoch um drei Jahre nach hinten verschoben. Grafik: DB Netz
Foto: DB

Betreiber Vlexx hatte die Fahrpläne für 2018 bereits modifiziert. Doch nun hat die Deutsche Bahn bekannt gegeben, dass die Maßnahme verschoben werden muss. Nicht um ein paar Wochen, sondern um satte drei Jahre, sodass die Wiederherstellung der Nahestrecke wohl erst im Jahr 2024 gefeiert werden kann. Baubeginn soll nun im April 2021 sein.

Als Grund nennt ein Bahnsprecher auf NZ-Nachfrage „bundesweite Planungsänderungen und Umplanungen im Rahmen des angelaufenen Infrastruktur-Modernisierungsprogramms“. Durch Mehrkosten oder längere Bauphasen bei anderen Projekten könne es „in geringem Umfang zu Verschiebungen und Neuplanungen ... kommen. Dies betrifft leider auch die für 2018 vorgesehene Maßnahme der Erneuerung des Homericher und Enzweiler Tunnels“, heißt es in der Pressemitteilung.

Michael Heilmann vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (ZSPNV) kündigt aber an, dass verschiedene dringende Sanierungsmaßnahmen etwa an Stützmauern in Oberstein dennoch im kommenden Jahr im laufenden Bahnbetrieb in Angriff genommen werden. Dadurch könne es immer wieder zum Einsatz von Schienenersatzverkehren kommen – das heißt: Busse bringen Bahngäste an gesperrten Abschnitten zur Weiterfahrt an die Bahnhöfe. Zwischen Oberstein und Neubrücke sollen zudem Felshang- und Durchlasssanierungen angegangen werden. In den Sommerferien ist eine dreiwöchige Vollsperrung der Strecke ins Auge gefasst.

DB will Gleis dauerhaft verkürzen

Nach NZ-Informationen steckt allerdings mehr hinter der Verschiebung als nur planungstechnische Gründe. Laut ZSPNV hat die DB Netz die zunächst nur für die Bauphase (um Platz zu schaffen für Material und Transportwaggons) angedachte Verkürzung des Gleises 1 im Idar-Obersteiner Bahnhof als dauerhafte Lösung ansehen wollen. Das machen aber weder der Zweckverband noch das Eisenbahnbundesamt mit: „Man muss bedenken, dass die Nahestrecke die einzige zweigleisige Ausweichstrecke in Ost-West-Richtung südlich des Hunsrücks ist“, sagte Fritz Engbarth vom ZSPNV gegenüber der Nahe-Zeitung.

Wenn etwa ein unvorhersehbarer Zwischenfall die Strecke Mannheim–Saarbrücken–Paris blockiere, sei man auf die Nahestrecke angewiesen. Das Desaster auf der Rheinstrecke bei Rastatt habe gerade gezeigt, wie wichtig leistungsfähige Umleitungsstrecken in solchen Fällen sind. In Baden-Württemberg hatten in Ermangelung geeigneter Strecken riesige Güterzüge große Umwege über teils eingleisige Routen befahren müssen. Zudem wisse man nicht, ob nicht doch der Güterverkehr auf die Nahestrecke zurückkehre, sagt Engbarth. Das Statement des Zweckverbands, der ebenfalls sehr spät und erst auf mehrfache Nachfrage umfassend über die Verschiebung unterrichtet wurde, gegenüber der DB Netz fiel deshalb deutlich aus: „Wir stimmen keiner Verschlechterung bei der Infrastruktur am Bahnhof Oberstein zu.“ Leidtragende waren nun vor allem die Planer bei Vlexx, die in einem Hauruckverfahren die Fahrpläne vor dem Fahrplanwechsel im Dezember noch einmal komplett umarbeiten mussten.

Es mangelt an Rettungswegen

Die Sanierungsmaßnahme an den beiden etwa 160 Jahren alten Portalen war von Vertretern der DB Netz und des Zweckverbands bei einem gut besuchten Infoabend im TSG-Vereinsheim „Auf Schachen“ in Enzweiler im Februar als hoch dringlich eingestuft worden. In den alten Gemäuern gebe es undichte Stellen, loses Mauerwerk und marode Leitungen, erläuterte der zuständige Planer Andreas Werth. Immer wieder stürzten Felsstücke oder in kalten Wintern große Eiszapfen zu Boden und müssen von Hand geräumt werden, bevor der erste Zug am Morgen passieren darf. „Die Tunnel entsprechen längst nicht mehr aktuellen Sicherheitsbestimmungen“, so Werth. Die geplante Aufweitung, bei der auch der Gleisabstand vergrößert wird, dient aber nicht nur der Sicherheit für den Zugverkehr: Bei der Maßnahme sollen auch Sicherheitswege in den Tunneln und zu nahen Straßen geschaffen werden, um die Zufahrt für Rettungsdienste zu gewährleisten.

Schon die Suche nach Baustelleneinrichtungsflächen, wo Bau- und Abraummaterial gelagert wird, aber auch Büro-, Labor- und Werkstattcontainer stehen sollen, gestaltete sich äußerst schwierig. Lediglich der Bereich zwischen Bahnhof Oberstein und Tunnelportal sowie am alten Enzweilerer Haltepunkt in der Siesbachtalstraße bieten sich an. Das reicht aber bei Weitem nicht. Deshalb ist eine große zentrale Fläche im Bereich des Picknickplatzes oberhalb des Naheradwegs geplant – zum Leidwesen der Naturschützer. Auf Grund der schwierigen Anfahrt für die schweren Lkw über einen schmalen, steilen Wirtschaftsweg hoch zur Straße „Am Stausee“ gibt es noch viele Fragezeichen.

Von unserem Redaktionsleiter Stefan Conradt

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