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Hoppstädten-Weiersbach

Strahlende Lieferung: Saarland darf radioaktive Abfälle künftig im Kreis Birkenfeld deponieren

Die Saarländer können schwach- und mittelradioaktiven Müll aus Medizin, Industrie und Forschung künftig zur Aufbewahrung nach Hoppstädten-Weiersbach bringen. Denn auf der Gemarkung dieses Orts betreibt das Land Rheinland-Pfalz – was selbst vielen Einheimischen nicht bewusst ist – bereits seit 1972 seine zentrale Sammelstelle für radioaktive Abfälle. Ihr Standort befindet sich direkt neben der früheren Urananlage Ellweiler im Steinautal an der B 41.

Kaum bekannt: An der B 41 im Steinautal befindet sich seit 1972 die rheinland-pfälzische Landessammelstelle für radioaktive Abfälle Foto: Reiner Drumm
Kaum bekannt: An der B 41 im Steinautal befindet sich seit 1972 die rheinland-pfälzische Landessammelstelle für radioaktive Abfälle
Foto: Reiner Drumm

Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Der Mainzer Ministerrat hat einem entsprechenden Verwaltungsabkommen zur Lagerung der radioaktiven Abfälle aus dem Saarland in der rheinland-pfälzischen Sammelstelle am 5. April zugestimmt. Das Kabinett in Saarbrücken gab am Dienstag grünes Licht. "Beide Länder arbeiten ja auf vielen Feldern gut zusammen. Diesmal kam der Antrag von uns", sagt Sabine Schorr, Sprecherin des saarländischen Umweltministeriums, auf NZ-Anfrage. Die einzige Sammelstelle im Saarland – ein ehemaliger Bunker im Schwalbach-Elm (Kreis Saarlouis) – war bereits 2012 komplett geleert worden. Die dort befindlichen Abfälle wurden anschließend zu einem externen Anbieter gebracht.

Susanne Keeding vom zuständigen Mainzer Wirtschaftsministerium betont, dass Rheinland-Pfalz dem Anliegen des Nachbarbundeslands deshalb zugestimmt habe, weil es nur um "sehr geringe Mengen geht und es sich lediglich um schwach radioaktive Abfälle handelt". Diese würden in erster Linie in Krankenhäusern, zum Beispiel beim Röntgen oder bei der Strahlentherapie für Krebspatienten, entstehen. Ausdrücklich weist das Wirtschaftsministerium darauf hin, dass in Hoppstädten-Weiersbach prinzipiell "nur radioaktive Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung eingelagert werden. Abfälle aus Atomkraftwerken werden dort nicht angenommen".

Da bereits für den Transport radioaktiver Stoffe strenge Regeln gelten, unterhält die Landessammelstelle einen eigenen Dienst, der die Abfälle beim Verursacher abholt. In der 1982 und 1988 erweiterten und 2007 teilerneuerten Sammelstelle befinden sich aktuell – was großen Teilen der Bevölkerung ebenfalls kaum bewusst sein dürfte – mehr als 1000 Rollreifenfässer mit einem Volumen von 200 beziehungsweise 280 Litern. Durch das geplante Abkommen sollen im ersten Schritt voraussichtlich zehn Fässer mit einem Volumen von 200 Litern aus dem Saarland nach Hoppstädten-Weiersbach gebracht werden. Bei diesen zehn Fässern handelt es sich nach Auskunft des Mainzer Wirtschaftsministeriums um die Abfälle, die in der Vergangenheit an der saarländischen Sammelstelle in Elm abgeliefert wurden. Diese bestand seit 1964.

Da das Abkommen zwischen beiden Bundesländern im Mai offiziell besiegelt werden soll, geht Schorr davon aus, dass das Saarland seine radioaktiven Abfälle ab Sommer in Hoppstädten-Weiersbach unterbringen kann. Für die Abholung des Materials kann das Land Rheinland-Pfalz von den Erzeugern Gebühren verlangen und damit Einnahmen erzielen, sagt Schorr. Auch der in Zukunft entstehende Nuklearabfall wird künftig nach Rheinland-Pfalz gebracht. Das Mainzer Wirtschaftsministerium betont aber, dass pro Jahr im Saarland nur eine Menge von circa 0,1 Kubikmetern – das entspricht 100 Litern – radioaktiver Müll anfällt und nach Hoppstädten-Weiersbach geliefert wird.

Der Birkenfelder VG-Bürgermeister Bernhard Alscher sieht die Lieferung von radioaktiven Abfällen aus dem Saarland in die Sammelstelle im Steinautal gelassen. "Es geht nicht um die Lagerung von gefährlichen Sachen, sondern von schwachradioaktivem Material, das meist aus Krankenhäusern und Arztpraxen kommt. Irgendwo muss dieses Zeug nun mal untergebracht werden."

Edmund Schulz, Beigeordneter der Gemeinde Hoppstädten-Weiersbach, betont, dass man vom Wirtschaftsministerium über das Anliegen des Saarlandes und das geplante Abkommen im November 2015 unterrichtet wurde. "Aus unserer Sicht sind die Pläne auch kein weitergehendes Problem, weil die Sammelstelle ja schon lange betrieben wird und es in der Halle noch genügend Kapazitäten gibt." Auch der vorher informierte Kreis sah keinen Anlass, Einwände gegen das geplante Abkommen geltend zu machen. "Denn die Sammelstelle ist technisch so ausgestattet, dass sie die Lagerung einer zusätzlichen Menge von 0,1 Kubikmeter schwach radioaktiven Abfalls pro Jahr hergibt", sagt Landrat Matthias Schneider.

Auf Facebook wird die Entscheidung jedoch bereits heftig diskutiert und kritisiert. Einige Kommentare: "So viel zum Thema Transparenz von Entscheidungen der jetzigen Landesregierung in Rheinland-Pfalz …" – "Im Nationalparklandkreis Birkenfeld sollte dies nicht genehmigt werden" – "Man muss das Risiko nicht erhöhen, indem man den radioaktiven Abfall anderer Länder auch noch vor unserer Haustür lagert" – "Naiv wie ich bin, dachte ich: Nationalpark schützt vor Müllhalden jeglicher Art, da er ja ein Schutzgebiet mit internationaler Tragweite ist." Andere kündigen an, gegen das Vorgehen demonstrieren und sich mit entsprechenden Gremien vernetzen zu wollen.

Der in der Landessammelstelle gelagerte Müll soll zwar langfristig in das geplante Endlager Schacht Konrad in Salzgitter (Niedersachsen) kommen. Die Umrüstung dieses einstigen Eisenerzbergwerks zieht sich aber in die Länge und soll erst 2022 abgeschlossen sein.

Idar-Oberstein Birkenfeld
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