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    Fischbach/Alt-Rehse

    Schreckliche Details aus den Ermittlungsakten: Sarah starb einen qualvollen Tod [Update: Anklage erhoben]

    Gut dreieinhalb Monate, nachdem die Leiche der 32-jährigen Sarah H. in einem Haus in Alt Rehse (Neubrandenburg) von Polizisten entdeckt worden war, gibt es neue grausame Erkenntnisse vonseiten der Staatsanwaltschaft - und weiterhin viele offene Fragen.

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

    Soll es Sarahs Schicksal sein, dass auch ihr Tod grau und diffus bleibt: das ewige Opfer?
    Soll es Sarahs Schicksal sein, dass auch ihr Tod grau und diffus bleibt: das ewige Opfer?

    Die Staatsanwaltschaft hat am Freitag vor dem Schwurgericht des Landgerichts Neubrandenburg Anklage gegen den 51-jährigen Axel G. aus Alt-Rehse, der mit Sarah seit Winter 2015 gemeinsam in dem früheren Tagungshaus lebte, erhoben (siehe aktuellen Bericht). Er sitzt seit 9. August in Untersuchungshaft.

    Die Staatsanwaltschaft hatte in den vergangenen Wochen stets betont, wie schwierig auch die rechtsmedizinischen Untersuchungen angesichts der stark verwesten Leiche waren. Ansonsten hatte sie sich mit öffentlichen Informationen über den Fall extrem zurückgehalten.

    "Auf Sarahs Seite" - schon lange

    Sarah H. war im Winter 2011 durch die Sat.1-Kuppelshow "Schwer verliebt" einem Millionenpublikum bekannt geworden. Unsere Zeitung unterstützte damals die Fischbacherin, die vor allem durch ihre Barbie-Sammelleidenschaft viel Hohn und Spott auf sich zog und in der Sendung aufs Übelste vorgeführt wurde. Juristische Hilfe im Kampf gegen die wenig seriösen Machenschaften des Senders Sat.1 erhielt Sarah auch vom Idar-Obersteiner Anwalt Damian Hötger, der nun die Nebenklage übernimmt. Mit Hinweis auf laufende Ermittlungen möchte er die Anfragen unserer Zeitung derzeit nicht kommentieren. Aus seiner Sicht hätten aber die Ermittlungsbehörden "noch einige Hausaufgaben zu erledigen".

    Streit wegen einer Brille

    Das Schicksal und die Umstände des Todes der jungen Frau beschäftigen auch noch Monate nach dem Auffinden ihrer Leiche viele Menschen in den sozialen Netzwerken. Wie kam Sarah ums Leben? Welche Rolle spielt ihr mehrfach polizeilich in den Fokus gerückter 51-jähriger Lebensgefährte, der als Reichsbürger den deutschen Staat nicht anerkennt und der am 23. Dezember 2015 bei einem Termin vor dem Amtsgericht Idar-Oberstein Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet hatte und dann mit dem Auto geflohen war?

    In diesem Haus in Alt Rehse (Mecklenburg-Vorpommern) soll der Tatverdächtige Axel G. die 32-jährige Sarah H. gequält haben, bevor die junge Frau vermutlich an einem Herz-Kreislauf-Versagen starb.
    In diesem Haus in Alt Rehse (Mecklenburg-Vorpommern) soll der Tatverdächtige Axel G. die 32-jährige Sarah H. gequält haben, bevor die junge Frau vermutlich an einem Herz-Kreislauf-Versagen starb.
    Foto: picture alliance

    Bereits vor gut zwei Monaten erhielt unsere Zeitung Informationen zum möglichen Tathergang, die sich nun offenbar bestätigen. Demnach hat sich Axel G. direkt nach seiner Verhaftung am frühen Morgen des 9. August - Nachbarn hatten die Polizei gerufen, weil er lautstark Trompete spielte - zur Tat geäußert. Er gibt damals an, dass es Streit wegen seiner Brille und seiner Brieftasche gegeben habe, die nicht mehr auffindbar gewesen seien.

    Er habe die junge Frau beschuldigt, die Gegenstände bewusst zu verstecken - zudem sei sie eine Spionin des Bundesnachrichtendiensts und auf ihn angesetzt. Er habe Sarah ans Bett gefesselt, unter anderem auch an den Haaren, und mit einer mehrschwänzigen Peitsche auf sie eingeschlagen, bis sie das Bewusstsein verloren habe. Sarah sei zu sich gekommen. Er habe weiter auf sie eingeschlagen - etwa insgesamt zwei Stunden lang, berichtet er. Sarah sei an einem Herz-Kreislauf-Versagen gestorben.

    Grausamer Fund in Sarahs Körper

    Ein grausames Detail, das auf rituelle Motive für die Tat hindeuten könnte, erinnert an den berühmten Thriller "Das Schweigen der Lämmer". Axel G. hat die Leiche gewaschen, angekleidet und einen Skarabäus aus Metall und Bernstein (ein altägyptisches Käfersymbol, das für Schöpferkraft steht) in dem Körper der Toten platziert, wie die Rechtsmediziner feststellten.

    Axel G. postete außerdem auf seinem Facebook-Profil immer wieder Spirituelles und mythologische Hinweise. So zum Beispiel am 17. Juli einen Link zu Anubis, dem altägyptischen Gott der Totenriten und der Mumifizierung. Dieser Eintrag ist auch der letzte auf Sarahs Facebook-Profil. Vermutlich nutzte aber Axel G. ihr Profil, da Sarah zu diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr lebte.

    Er habe die Leiche erst draußen platziert, dann wieder ins Hausinnere geholt. Beim Auffinden durch die Polizei saß Sarah offenbar in einer Sackkarre im Bad - mumienhaft in Tücher, Decken und eine Isomatte gehüllt. Sie war stark verwest. Die Wohnung war in allen Bereichen in hohem Maß zugemüllt. Auch im Außenbereich befand sich Müll. Der Keller stand unter Wasser. Im Haus waren Unmengen an Pornoheften zu finden.

    Hier lebte sie seit Winter 2015 nach ihrem Wegzuag aus Fischbach bei Idar-Oberstein mit ihrem Peiniger zusammen. Hätte die Betreuerin aus Birkenfeld erkennen können, was sich da abspielt, wie sich ihr Schützling entwickelt und wo die junge Frau da in Alt Rehse hineingerät? 
    Hier lebte sie seit Winter 2015 nach ihrem Wegzuag aus Fischbach bei Idar-Oberstein mit ihrem Peiniger zusammen. Hätte die Betreuerin aus Birkenfeld erkennen können, was sich da abspielt, wie sich ihr Schützling entwickelt und wo die junge Frau da in Alt Rehse hineingerät? 

    Körperverletzung mit Todesfolge - dieses Martyrium?

    Nach Informationen unserer Zeitung soll der Beschuldigte - anders als Sarah H. - einen Hang zu SM-Praktiken gehabt haben. Seit er einen Anwalt hat, schweigt Axel G. und angeblich widerruft er alle vorab geäußerten Schilderungen zum Tathergang. Eine Haftbeschwerde wurde abgelehnt. Die Anklage geht nach wie vor von Körperverletzung mit Todesfolge aus.

    Das wirft Fragen auf: Der von Axel G. geschilderte Tathergang liefert Hinweise darauf, dass sein Handeln zielgerichtet war und dass er Sarahs qualvollen Tod letztlich billigend in Kauf nahm. Axel G. lehnt eine psychiatrische Begutachtung seiner Persönlichkeit bislang ab.

    Viele Fragen offen

    Diese Fragen dürften im Prozess, der vermutlich im Februar beginnen wird, eine Rolle spielen:

    • War Axel G. schuldfähig?
    • Waren Drogen im Spiel?
    • Kann zum Beispiel die Ex-Frau des Angeklagten, von der er seit Januar 2015 getrennt war, weitere Infos über das Seelenleben ihres damaligen Mannes liefern?
    • Welche Ergebnisse liefern Vernehmungen der Mitarbeiterinnen in den Frauenhäusern Rostock und Güstrow, wo Sarah offenbar kurz vor ihrem Tod einige Zeit Zuflucht gesucht hatte?
    • Was erbrachte die Auswertung des Computers des Angeklagten, der an manchen Tagen bis zu 30 Einträge auf seinen diversen Facebook-Profilen hinterließ und damit tiefe Einblicke in sein Handeln gewährte?

    Mit Spanung wird auch erwartet, wie sich ein gemeinsamer Bekannter von Sarah und Axel G. äußert, der Sarah sogar Hilfe angeboten hatte und in engem Kontakt zu Axel G. stand. Auch die Frage, welche Rolle die Reichsbürger spielen, dürfte untersucht werden. Hatte Sarah neben den fast 4700 virtuellen auch echte Freunde, die möglicherweise mehr über ihre Erlebnisse in dem Haus In Alt-Rehse wissen?

    Auf all das werden die weiteren Ermittlungen Antworten liefern müssen. Wie unsere Zeitung erfuhr, wurde Sarah bereits vor mehr als zwei Monaten in aller Stille beigesetzt. Ihr Elternhaus in Fischbach wurde bereits verkauft.

    HINTERGRUND:

    Die Artikel der Rhein-Zeitung über den "Fall Sarah" erregten Aufmerksamkeit über die Grenzen des RZ-Landes hinaus - nicht zuletzt, als die sogenannte "Produktionsbibel" von "Schwer verliebt" mit detaillierten Vorgaben zum vorgesehenen Verhalten der Protagonisten auftauchte. Unsere Redakteurin Vera Müller recherchierte weiter und schrieb immer wieder Artikel dazu.

    Wir haben viele Artikel damals in unserem Blog "Auf Sarahs Seite" gesammelt.  



     

    Sarah H.: Chronik eines einsamen Lebens Drama geht weiter: Prozess um zu Tode gefolterte Sarah H. wird neu verhandelt  [Update]Fall Sarah: Anwalt Hötger setzt auf RevisionAuch Nebenkläger Hötger legt Revision ein - Wie es im Fall Sarah weitergehen kannZu Tode gefoltert: Nach Revision kommt Fall Sarah vor den Bundesgerichtshofweitere Links
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