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Hintertiefenbach

Schnelles Internet: Für einige Orte im Kreis Birkenfeld nur ein Traum

Vom schnellen Internetzugang können die Einwohner in Hintertiefenbach nur träumen. Christoph Wald ist einer von denen, die auf schnelle Webanschlüsse angewiesen sind, die sich aber auf andere Weise behelfen müssen, um ohne große Verzögerung ins Internet zu kommen. Das Thema liegt ihm am Herzen: Kaum hatte er in der Zeitung von einer Infoveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen in der Pulverlochschänke gehört, in der die medienpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Tabea Rößner, über die Internetmisere auf dem Land sprechen sollte, setzte er sich ins Auto und fuhr los zur Schänke.

„Es ist eine absolute Katastrophe“, wetterte er dort über die schlechte Breitband-Versorgung in seinem Wohnort „Es wird immer gesagt: Uns auf dem Land laufen die Jugendlichen weg. Bei solchen Benachteiligungen ist das kein Wunder. Wenn über sinkende Einwohnerzahlen gesprochen wird, dann ist auch das ein Thema.“ Der ländliche Raum blutet angesichts solcher Benachteiligungen aus, glaubt auch Thomas Petry, Grünen-Landtagskandidat aus dem Kreis Birkenfeld. „Wenn jemand heute eine Immobilie zum Kauf anbietet, ist die zweite Frage des Bewerbers: Wie sieht es mit Internetanschlüssen aus?“ Orte, die keinen schnellen Webzugang vorweisen können, haben schlechte Karten, Neubürger anzulocken. Und damit geht wieder ein Stück Finanzkraft auf dem Land verloren. „Im Kreis“, sagt Petry, „ist das Thema zu spät angegangen worden.“

Doch ihm gehe es nicht ums Jammern über versäumte Möglichkeiten, winkt Petry ab. Deshalb hatte er seine Parteikollegin Rößner eingeladen, um über Wege aus dem Übel zu diskutieren. Die komplizierte Beantragung von Fördermitteln überfordere oft Gemeinden, erklärte Rößner. Deshalb gebe es in manchen Gegenden spezielle Beauftragte als Ansprechpartner für die Kommunen. In der Kreisverwaltung in Birkenfeld ist dafür die Wirtschaftsförderung zuständig, die aber neben der Breitband-Versorgung eine Vielzahl weiterer Aufgaben zu bewältigen hat.

Auf Bundesebene haben die Grünen nach Aussage von Tabea Rößner ein Gutachten in Auftrag gegeben, um eine „Universaldienstverpflichtung“ durchzusetzen. Damit wollen sie die Nachteile des ländlichen Raums gegenüber den Ballungsgebieten ausgleichen, die für die Internet-Anbieter weitaus lukrativer sind. Mit der Verpflichtung sollen die Unternehmen dazu gebracht werden, in einen Fonds einzuzahlen, aus dem über eine Art Umlage der weitere Ausbau auf dem Land finanziert wird.

Die Probleme in der Fläche hatte Petry im Gespräch mit der Telekom gespürt: Die Erschließung koste sie 300 000 bis 400 000 Euro, bekam er zur Antwort, das rechne sich für sie nicht in kleinen Ortschaften wie Hintertiefenbach. „Aber sie sagen, es wäre möglich, dass in den nächsten Monaten ein Schritt nach vorn gemacht werde, wenn es LTE gibt.“ LTE ist eine Weiterentwicklung der UMTS-Frequenzen. Der Hintertiefenbacher Bürger Wald hält allerdings nicht viel von der LTE-Technik. „Das ist nicht der Heilsbringer. Die schließen Volumenverträge ab, bei denen ich eine bestimmte Menge in einer Stunde, eine bestimmte Menge in einer Woche zur Verfügung habe. Habe ich die Anzahl frühzeitig erreicht, dann werde ich runtergebremst.“

Ein Heilsbringer war für manchen in der diskussionsfreudigen Runde auch die Universalverpflichtung nicht. „Sie würde zig Millionen oder Milliarden kosten, und dafür fehlt das Geld. Egal von welcher Partei Vorschläge kommen, es gibt keine realisierbaren Lösungsansätze.“

Dass jedoch langfristig eine Lösung gefunden werden muss, darüber waren sich die Versammelten einig. Für die Grünen gehört der schnelle Internetzugang zur Grundversorgung der Bürger. Zwar würden derzeit ein Drittel bis ein Viertel der Bürger noch nicht ausreichend Wert auf DSL legen, hatte Petry in Studien gelesen. „Aber für die nachfolgenden Generationen ist es undenkbar, ohne DSL auszukommen.“

Idar-Oberstein Birkenfeld
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