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    Reichenbach

    Restaurierung der Stumm-Orgel: Die Intonierung erfordert ein gutes Ohr

    Mit der Intonierung und Stimmung hat Orgelbauer Alexander Bükki zusammen mit Azubi Peter Seibert vom Orgelmeisterbetrieb Rainer Müller aus Merxheim die Endphase der Restaurierungsarbeiten an der Reichenbacher Stumm-Orgel eingeleitet. Das mittlerweile 153 Jahre alte und äußerst wertvolle Musikinstrument wurde von den Brüdern Friedrich Carl und Georg Karl Ernst Stumm 1864 gebaut.

    Orgelbauer Alexander Bükki und sein Team vom Orgelmeisterbetrieb Rainer Müller sind noch mit der Stimmung und der Intonierung der ReichenbacherStumm-Orgel beschäftigt. Auf unserem Foto überprüft er die Tonqualität. Foto: Gerhard Müller
    Orgelbauer Alexander Bükki und sein Team vom Orgelmeisterbetrieb Rainer Müller sind noch mit der Stimmung und der Intonierung der ReichenbacherStumm-Orgel beschäftigt. Auf unserem Foto überprüft er die Tonqualität.
    Foto: Gerhard Müller

    Neben einer gründlichen Reinigung war auch eine aufwendige Restaurierung geboten, damit die einst imposante klangliche wie optische Ausstrahlung wiederhergestellt wird. Angesichts des hohen Anteils originaler Substanz verfügt die Orgel über einen bedeutenden Denkmalwert. Genau nach diesen strengen denkmalpflegerischen Maßnahmen wurden die Arbeiten mit dem Ziel, das Klangbild des Zustandes von 1864 wieder zu erlangen, ausgeführt. Die meisten der 905 Pfeifen (zwei Drittel Metall- und ein Drittel Holzpfeifen) haben die Orgelbauer abgebaut, um sie in ihrer Werkstatt zu reinigen.

    Fehlende Pfeifen wurden durch materialgerechte Nachbildungen ersetzt. Die Restaurierung der Metallpfeifen nahm Pfeifenbaumeister Wolfgang Schramm vor. Dabei galt es, sämtliche Lötnähte zu überprüfen, sekundäre Stimmschlitze zuzulöten und verformte Pfeifen zu rundieren. Bei den Holzpfeifen waren gerissene Fugen zu verleimen, verwurmte Holzpfeifen aufzuleimen und von Holzwurm befallene Pfeifen zu behandeln.

    In den vergangenen Wochen erfolgte nun der Wiedereinbau der Pfeifen – registerweise. Bei der Stimmung kamen ausschließlich die von den Stumm-Brüdern angewandten Techniken zum Einsatz. Die ersten beiden Register, die über je 54 Pfeifen verfügen, wurden mithilfe eines Stimmgerätes eingestellt. Die Stimmung und Intonierung der restlichen 13 Register mit je 54 Pfeifen und der Pedalregister in vier Reihen mit je 25 Tönen erfolgte manuell.

    Zu beachten war auch die Raumtemperatur, die die Frequenz verändert. Erhöht sich die Temperatur, erklingt die Pfeife in höherer Frequenz und umgekehrt. Mit dem Stimmgerät besteht jedoch die Möglichkeit, eine Pfeife als Stimmton festzulegen und bei Veränderung der Temperatur das Stimmgerät danach auszurichten. Letztendlich wird die „neue“ Reichenbacher Orgel nach der Stimmung um ein Geringes höher klingen als die von 1864. Die Intonation ist die klangliche Gestaltung der Orgelpfeifen. Dabei wird der Bereich des Labiums („Gesicht“ der Pfeife) mit Spezialwerkzeugen bearbeitet, um die Pfeife in Klangfarbe und Lautstärke zu verändern. So erhält die Stumm-Orgel ihre kräftige und ausdruckstarke Klangfarbe.

    Der Ton jeder einzelnen Pfeife, die der Fachmann vereinfacht als auf den Kopf gestellte Blockflöte beschrieb, kann mehrfach verändert werden. Mit der Veränderung der Höhe des Aufschnitts (der Schlitz im „Gesicht“ der Pfeife), der Weite der Kernspalte (die Spalte, aus der die Luft ausströmt, die die Pfeife zum Klingen bringt) und der Veränderung des Fußloches können gleich drei klanglich relevante Parameter verändert werden. Stimmung, Intonierung und die Festlegung des Winddrucks sind zeitintensive Tätigkeiten. Zwei bis drei Tage benötigt ein Orgelbauer pro Register, was eine Gesamtzeit von rund zwei Monaten für Stimmung und Intonierung ergibt.

    Während man die Stimmung einer Orgel durchaus lernen kann, wie Bükki erklärt, erfordert die Intonierung Talent, viel Erfahrung und auch ein spezielles Hörvermögen sowie jede Menge Geduld. Alexander Bükki, der diese Arbeiten vornimmt, kann alle diese Eigenschaften auf sich vereinen. Der ausgebildete Kirchenmusiker, Chorleiter und Organist hat mit dem Orgelbau sein Hobby zum Beruf gemacht. So kann er seine Musikleidenschaft mit seiner Fähigkeit, Dinge auszutüfteln, gut verbinden. Bükki ist sich sicher, dass der von der Kirchengemeinde anvisierte Termin zur Übergabe der restaurierten Stumm-Orgel zum Reformationsgottesdienst am 31. Oktober eingehalten werden kann.

    Von unserem Mitarbeiter Gerhard Müller

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