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    Fischbach/Neubrandenburg

    Prozessauftakt: Sarahs Peiniger schweigt vor Gericht

    Das ist das letzte Kapitel einer langen Geschichte, die für Sarah aus Fischbach mit einem qualvollen Tod endete. Seit dem heutigen Mittwoch steht der 51-jährige Mann, der sie nach einem Streit offenbar zu Tode gepeitscht hat, in Neubrandenburg vor dem Landgericht.

    Der 51-jährige Axel G., mit dem Sarah zusammenlebte, steht seit gestern in Neubrandenburg vor Gericht. Seine Verteidigung übernahm Henning Köhler (rechts). Foto: crimespot.de/Felix Gadewolz
    Der 51-jährige Axel G., mit dem Sarah zusammenlebte, steht seit gestern in Neubrandenburg vor Gericht. Seine Verteidigung übernahm Henning Köhler (rechts).
    Foto: crimespot.de/Felix Gadewolz

    Vorgeworfen werden Axel G. unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge und Widerstand gegen Staatsbeamte. Der Angeklagte schweigt bislang zu allen Vorwürfen.

    Verhandlung beginnt mit Turbulenzen

    Kurze Aufregung gab es vor Verhandlungsbeginn: Die Verteidigung des Angeklagten hatte einen Antrag gestellt, dass der Prozess nicht öffentlich stattfinden soll. Angeblich würden die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten und der Toten verletzt. Dem Antrag gab das Gericht nicht statt.

    Für weitere Aufregung sorgte, dass am Mittwochmorgen ein Briefumschlag mit einer bislang nicht definierten Substanz in den Briefkasten des Gerichts geworfen worden war. Feuerwehr und Gefahrenschutz waren im Einsatz.

    Müll, Pornos – und Barbies

    Axel G. (51) hatte die unter anderem in Folie und Malerflies verpackte Leiche der 32-Jährigen in seinem Bad abgelegt. In einer Ecke der Badewanne sitzt eine männliche Barbiepuppe – Sarah liebte die Puppen und sammelte sie. Am 9. August 2016 terrorisierte Axel G. zum wiederholten Mal seine Nachbarn: Gegen sechs Uhr am Morgen spielte er splitternackt in seinem Garten Trompete. 

    In diesem Haus in Alt Rehse/Neubrandenburg lebte Sarah nach ihrem Wegzug aus Fischbach im Kreis Birkenfeld. Im Internet hatte sie einen Mann kennengelernt. 
    In diesem Haus in Alt Rehse/Neubrandenburg lebte Sarah nach ihrem Wegzug aus Fischbach im Kreis Birkenfeld. Im Internet hatte sie einen Mann kennengelernt. 
    Foto: Crimespot

    Die Polizisten nahmen bei ihrem Eintreffen starken Verwesungsgeruch wahr und fanden Sarahs Leiche im Badezimmer. Früh machte Axel G., selbsternannter „Reichsbürger“, Angaben zur Tat: Er habe ihr nach einem Streit um eine verschwundene Brille eine Lektion erteilen wollen. Ihren Tod habe er indes nicht beabsichtigt. In den sozialen Netzwerken können viele nicht nachvollziehen, dass Axel G. nicht wegen Mord oder Totschlag angeklagt ist.

    Wut und Entsetzen in Facebook-Gedenkgruppe für Sarah

    Er habe ihren Tod in Kauf genommen, kalkuliert gehandelt, sagen sie. Die Wut und das Entsetzen einiger User – zum Beispiel in der seit August 2016 bestehenden Gedenkgruppe für Sarah in Facebook - ist groß. Von nur drei Jahren Haft ist in den Medien die Rede. „Absolut unverständlich, ein Witz, wo bleibt da die Gerechtigkeit?“, heißt es in den Kommentaren immer wieder.

    Allerdings: Die Beweislage ist dünn, bislang gibt es nur die spärlichen Angaben des Angeklagten, der von Henning Köhler – bekannt durch einige spektakuläre Fälle im Norden Deutschlands – verteidigt wird. Noch nicht einmal der genaue Todeszeitpunkt – die Ermittler gehen von vier Wochen vor dem Auffinden der Leiche aus – wie auch die Todesursache sind offenbar angesichts der stark verwesten Leiche der jungen Frau genau bekannt.

    Viele sorgten sich, nachdem Sarah verschwunden war. 
    Viele sorgten sich, nachdem Sarah verschwunden war. 
    Foto: Crimespot

    Was suchte Sarah in und bei Axel G.?

    Viele Fragen sind offen und beschäftigen jene, die Anteil an Sarahs Schicksal nehmen. 

    • Was hat sie bei Axel G., den sie 2015 im Internet kennengelernt hatte und recht schnell danach zu ihm nach Alt Rehse zog, gesucht? Tatsächlich die große Liebe? Jemanden, der ihre durch die fragwürdige Sat.1-Kuppelshow „Schwer verliebt“ einem Millionenpublikum bekannt gewordene Barbie-Sammelleidenschaft akzeptiert, gar unterstützt? Wahrnehmung nach einer schwierigen, von Mobbing geprägten Kindheit Materielle Sicherheit nach der Jugend in eher ärmlichen Verhältnissen, die das Zahlen der Heizölrechnung zum Problem werden ließ?
    • Warum nahm sie die Unterstützungsangebote der Frauenhaus-Mitarbeiterinnen – Sarah suchte dort zweimal Schutz vor Axel G. – nicht an?
    • Welche Rolle spielen die Behörden, deren Kommunikation untereinander wohl nicht die beste war?
    • Ist Axel G. tatsächlich psychisch schwer krank, wie auch seine unzähligen wirren Facebook-Posts untermauern könnten? Oder inszeniert er sich ganz kalkuliert und durchdacht?

    Der NZ liegen Fotos aus dem Haus in Alt Rehse vor: Das Chaos ist unbeschreiblich. Überall Dreck, Müll, Pornohefte, kaputte Barbies: Es scheint, als habe der Angeklagte nach Sarahs Tod völlig die Kontrolle über sein Leben verloren.

    Auch Magazin "Stern" berichtet über Sarahs Schicksal

    Auch der „Stern“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über Sarahs Schicksal und das Engagement unserer Zeitung für Sarah. Reporterin Kerstin Herrenkind schreibt: „Axel G. ist gerade von seiner Frau verlassen worden, kommt aus der Psychiatrie. Er hatte Benzin und Wasser in den Keller geleitet und gedroht, das Haus anzuzünden.

    Das Amtsgericht Neubrandenburg hatte ihn deshalb am 6. Januar 2015 vorläufig in die Psychiatrie einweisen lassen. Gut zwei Wochen später, am 21. Januar, war er wieder entlassen worden, weil nach einem ärztlichen Attest ,keine Eigen- oder Fremdgefährdung‘ mehr von ihm ausginge.“

    Ereignisse in Idar-Oberstein noch einmal beleuchtet

    Eine Rolle spielten auch die Ereignisse in Idar-Oberstein vor gut einem Jahr, als Axel G. ins Amtsgericht marschierte, den Direktor lautstark bedrohte, fast einen Polizisten überfahren hätte und dann mit hohem Tempo mit Sarah im Auto floh (die NZ berichtete). Nach Informationen des „Stern“ verteidige die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach ihre diesbezügliche Entscheidung, Axel G. nur wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in besonders schwerem Fall angeklagt und keine U-Haft beantragt zu haben. Die „rechtlichen Voraussetzungen“ für ein versuchtes Tötungsdelikt „hätten nicht vorgelegen“, sage ein Sprecher.

    So sieht es zurzeit im Haus des Angeklagten, in dem Sarah zu Tode kam, aus: Dreck, Müll, Pornohefte, kaputte Barbies. Der 51-Jährige steht nun in Neubrandenburg vor Gericht.  Foto: crimespot.de/Bastian Schlüter
    So sieht es zurzeit im Haus des Angeklagten, in dem Sarah zu Tode kam, aus: Dreck, Müll, Pornohefte, kaputte Barbies. Der 51-Jährige steht nun in Neubrandenburg vor Gericht.
    Foto: crimespot.de/Bastian Schlüter

    Dass Axel G. in Neubrandenburg schon mal in der Psychiatrie gewesen sei, weil er gedroht habe, sein Haus anzuzünden, habe der Staatsanwalt nicht gewusst. In Neubrandenburg wiederum sei nicht bekannt gewesen, dass er in Idar-Oberstein beinahe einen Polizisten überfahren hatte.

     

    Kein Draht zwischen Polizei in Ost und West?

    Ob die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern allerdings wirklich über den Vorfall in Idar-Oberstein informiert gewesen sei, lasse sich nicht mehr rekonstruieren. Es gebe kein Einsatzprotokoll. Womöglich habe die Polizei in Idar-Oberstein den Vorfall auch gar nicht nach Mecklenburg-Vorpommern gemeldet. „Aus unseren Unterlagen ist keine Mitteilung über den Sachverhalt an ein anderes Bundesland ersichtlich“, schreibe die Pressestelle.

    So bleibe mysteriös, woher Amtsgerichtsdirektor Hans-Walter Rienhardt die falsche Info bekommen habe, Axel G. sei gestellt worden. Fest stehe nur, „dass der Mann, der gedroht hatte, sein Haus anzuzünden und beinahe einen Polizisten überfahren hätte, auf freien Fuß blieb, obwohl er eine Gefahr für sich und andere war. Und dass er dann Sarah tötete“, schreibt Herrnkind.

    Damian Hötger vertritt Nebenklage

    Axel G. verweigert bislang die psychiatrische Begutachtung. Zudem spielt es in dem Prozess, der am 8. Februar fortgesetzt wird, vermutlich eine Rolle, ob Axel G. überhaupt schuldfähig ist. Sarahs leicht dementer Vater ist Nebenkläger im Prozess und wird vom Idar-Obersteiner Rechtsanwalt Damian Hötger vertreten: „Kein Urteil wird sie wieder lebendig machen. Aber wir brauchen ein Zeichen, dass ein solches Gewaltverbrechen von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird“, sagt er. Hötger kritisiert zudem die mangelnde Abstimmung der Ermittlungsbehörden untereinander wie auch mangelnde Tiefe der Ermittlungen.

    Von unserer Redakteurin Vera Müller 
     

    Sarah H.: Chronik eines einsamen Lebens Drama geht weiter: Prozess um zu Tode gefolterte Sarah H. wird neu verhandelt  [Update]Fall Sarah: Anwalt Hötger setzt auf RevisionAuch Nebenkläger Hötger legt Revision ein - Wie es im Fall Sarah weitergehen kannZu Tode gefoltert: Nach Revision kommt Fall Sarah vor den Bundesgerichtshofweitere Links
    Idar-Oberstein Birkenfeld
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