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Kreis Birkenfeld

Obfrau der Ärzte winkt ab: Kein Bedarf für eine rollende Hausarztpraxis im Kreis Birkenfeld

Kurt Knaudt

Rollt schon bald eine Landarztpraxis auf vier Rädern durch den Kreis Birkenfeld? Wenn es nach Karoline Hautmann-Strack, der Obfrau der Kreisärzteschaft geht, auf keinen Fall. Denn sie ist von dem von der DB Regio, einer Tochter der Deutschen Bahn, entwickelten Medibus alles andere als begeistert. Ein komplett ausgebautes Exemplar fährt auf Initiative von Landrat Matthias Schneider beim Trauntalfest am Sonntag, 20. Mai, in Abentheuer vor.

So sieht der Medibus aus, der am 20. Mai beim Trauntalfest in Abentheuer näher in Augenschein genommen werden kann. Foto: Harald Braun
So sieht der Medibus aus, der am 20. Mai beim Trauntalfest in Abentheuer näher in Augenschein genommen werden kann.
Foto: Harald Braun

Der Landrat hatte Gutes im Sinn, als er die DB Regio einlud. Wer weiß, vielleicht könnte der Medibus – analog zur mobilen Filiale der Kreissparkasse – irgendwann auch ein Modell für den Kreis Birkenfeld sein, dachte er sich mit Blick auf etwas abgelegenere Orte, deren Einwohner weitere Wege zur nächsten Arztpraxis in Kauf nehmen müssen. Schneider ahnte nicht, dass er damit in ein Wespennest stieß.

Denn die Obfrau im Kreis Birkenfeld hält den Medibus für überflüssig und sogar kontraproduktiv. Sie sieht darin einen Angriff auf das bestehende Hausarztsystem, das ihrer Meinung nach „optimal für die Betreuung der Patienten ist“. Dabei spiele auch die persönliche Beziehung von Arzt und Patient eine wichtige Rolle. Zu diesem System gehören laut Hautmann-Strack auch die ergänzenden Hausbesuche, „sodass wir insgesamt alles abdecken können“.

„Wir haben im Kreis Birkenfeld keinen Ärztemangel, und das wird hoffentlich auch so bleiben“, betont sie. Nach den Erhebungen der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es sogar eine Überversorgung. Selbst wenn es irgendwann einen Mangel geben sollte: Dann werde sich schwerlich auch noch ein Arzt für einen Medibus finden. Hautmann-Strack plädiert dafür, auf die bewährten Strukturen zu vertrauen.

Angesichts der Überalterung der Gesellschaft hält sie es für notwendig, die Transportmöglichkeiten für betagte Patienten zum Hausarzt zu verbessern. Die Politik müsse zudem mehr Studienplätze in Medizin bereitstellen und die Bezahlung von Landärzten zu verbessern. Nur so könne das Probleme, dass es zu wenige gibt, grundsätzlich gelöst werden.

Der Medibus soll allerdings nach Aussage von Arndt Hecker, Projektmanager bei der DB Regio, ohnehin keinen Arzt ersetzen, sondern nur Lücken füllen. Und die könnte es ja gerade auf dem Land zunehmend geben, wenn es für ältere Ärzte keine Nachfolger gibt, meint Hecker. Der Bus soll auf keinen Fall eine Konkurrenz für die Hausärzte sein, sondern sie ganz gezielt da unterstützen, wo sie an Kapazitätsgrenzen stoßen und keine neuen Patienten mehr aufnehmen können.

Bei absehbar sinkendem Schülerverkehr „wird sich unser Busgeschäft in den nächsten 10 bis 15 Jahren verändern“, begründet er, warum die DB Regio sich auf diesem Feld tummelt. Die erste rollende Arztpraxis hat das Unternehmen Mitte 2016 in Berlin präsentiert. Die Charité war davon so angetan, dass sie den Medibus auf Tour schickte – vor allem für das Impfen von Flüchtlingen und Schülern in der Hauptstadt. Zwei Fahrzeuge werden zurzeit in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung für ihren Einsatz auf dem Land in Hessen hergerichtet.

Der Ansatz dabei: Die DB Regio stellt die mit modernster medizinischer Technik ausgestatteten Busse und die Fahrer, der Partner bezahlt dafür eine Miete. Zahlen will der Projektmanager aber nicht nennen: „Das hängt immer vom konkreten Bedarf ab“, meint er ausweichend. Irgendwann aber will die DB Regio mit diesem neuen Geschäftsmodell natürlich auch Geld verdienen. Noch sei aber nicht absehbar, ob das gelingen kann.

Von Kurt Knaudt

Idar-Oberstein Birkenfeld
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