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    Neue Bundeswehrstruktur: Kreis Birkenfeld kommt insgesamt mit blauem Auge davon

    Bei der Bundeswehrstrukturreform kommt der Kreis Birkenfeld mit einem blauen Auge davon: Die Luftwaffendivision, die zuletzt nur noch mit dem Führungsstab und dem Programmierzentrum in Birkenfeld ansässig war, verlässt die Kreisstadt in absehbarer Zeit endgültig. Die Artillerieschule, die zwischenzeitlich akut gefährdet war, bleibt in Idar-Oberstein erhalten, ebenso der Truppenübungsplatz Baumholder.

    Steht bald leer: die Heinrich-Hertz-Kaserne in Birkenfeld.
    Steht bald leer: die Heinrich-Hertz-Kaserne in Birkenfeld.
    Foto: Reiner Drumm

    Kreis Birkenfeld - Aufatmen und Freude in Idar-Oberstein, Niedergeschlagenheit in Birkenfeld: Die Entscheidungen zur neuen Bundeswehr-Struktur lösten am Mittwoch im Kreis Birkenfeld ganz unterschiedliche Gefühle aus. Unter dem Strich herrscht aber Erleichterung darüber, dass es gelungen ist, die Artillerieschule in Idar-Oberstein und den Truppenübungsplatz in Baumholder zu retten. In der Kreisstadt hingegen kommt es so, wie es sich im Vorfeld frühzeitig abgezeichnet hatte: Die Luftwaffe geht. In Birkenfeld befinden sich zurzeit der Stab der 2. Luftwaffendivision und ein Programmierzentrum mit rund 420 Mitarbeitern, davon 45 zivile. Nachdem die Nachricht von der Schließung gestern offiziell bekannte wurde, erhoben führende Lokalpolitiker sogleich die Forderung nach einem finanziellen Ausgleich durch den Bund, um so ein wie auch immer geartetes Konversionsprojekt zu stemmen. Der Abzug erfolgt ohnehin nicht sofort, sondern erst in den nächsten Jahren bis 2015.
    In Idar-Oberstein hat das Zittern ein Ende: Das Aus für die Artillerieschule hätte auch den Verlust zahlreicher ziviler Arbeitsplätze bedeutet. Zwar verliert der Standort das Offizieranwärter-Bataillon und die 3. Rekruten-Inspektion. Unter dem Strich wird er aber sogar gestärkt, weil das Artillerie-Bataillon 345 von Kusel an die Nahe verlegt wird.

    Schmerzlicher Schlag für Birkenfeld
    „Der Abzug der Luftwaffe ist für Birkenfeld ein sehr schmerzlicher Schlag. Die Stadt braucht dafür einen finanziellen Ausgleich von Bund und Land. Für den Kreis Birkenfeld insgesamt ist das Paket mit dem Erhalt der Artillerieschule in Idar-Oberstein und des Truppenübungsplatzes Baumholder aber ein tragbarer Kompromiss“, bewertete Landrat Dr. Matthias Schneider (CDU) die Kunde aus Berlin.
    „Für Idar-Oberstein ist das herausgekommen, was wir uns erhofft haben“, freute sich Oberbürgermeister Bruno Zimmer (SPD). Wichtig ist für ihn vor allem, dass die Ausbildungsfunktion der Artillerieschule erhalten bleibt. Sein Dank gilt neben Ministerpräsident Kurt Beck, der ihn gestern morgen aktuell informierte, vor allem dem Schulkommandeur und General der Artillerie, Heribert Hupka. „Ich bin mehr als erleichtert“, kommentierte dieser die Entscheidung. „Alle Artilleristen werden auch zukünftig in Idar-Oberstein ausgebildet“, lautet für ihn die wichtigste Botschaft.
    Das entscheidende Pfund war dabei neben der Infrastruktur in der Rilchenberg-Kaserne der Truppenübungsplatz, wie der General betont. Die Zahl der Dienstposten steigt von derzeit 1270 auf 1330. Die Bezeichnung Artillerieschule entfällt allerdings. Unter dem Dach des Zentrums in Munster wird es in Idar-Oberstein zukünftig einen Ausbildungsbereich für indirektes Feuer geben, erläutert Hupka.
    Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière habe erkannt, dass der Kreis Birkenfeld die Bundeswehr braucht, urteilt die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner. „Als strukturschwache Region sind wir auf Unterstützung angewiesen.“ Das sei, neben dem Truppenübungsplatz vor der Haustür, eines der Argumente für die Stärkung des Standorts Idar-Oberstein gewesen. Wichtig ist für Klöckner, dass von Schließungen betroffene Regionen Unterstützung bekommen. Sei es, dass die Liegenschaften günstig zu erwerben und zu vermitteln sind, sei es, dass das Bundesbauministerium konzeptionell unter die Arme greift.
    „Es waren schwierige Verhandlungen“, berichtet der Bundestagsabgeordnete Fritz Rudolf Körper (SPD), Mitglied des Verteidigungsausschusses. Wichtig ist auch für ihn, dass in Idar-Oberstein Ausbildung und Schulung gehalten werden konnten. „Im Fall von Birkenfeld war die Argumentation schwieriger, weil ja die Divisionsebene komplett wegfällt. Dort muss man jetzt sehen, wie man mit Konversionsmaßnahmen und Begleitprogrammen für die Zivilbeschäftigten helfen kann“, meint auch er.
    Kaum abzuschätzen vermag Stadtbürgermeister Peter Nauert, was die Kreisstadt an Kaufkraft, aber beispielsweise auch an aktiven Vereinsmitgliedern durch die Schließung der Heinrich-Hertz-Kaserne verliert. Für den Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Dr. Bernhard Alscher, ist eine finanzielle Entschädigung ein Muss: Die Schließung des Standorts sei nach der Stilllegung des Bunkers Erwin der zweite große Verlust. „Das ist ein großer Einschnitt. Die Bundeswehr ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Lebens in Birkenfeld“, sagt der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Noss. Er kann sich noch an Zeiten erinnern, als in der Stadt bis zu 1400 Soldaten stationiert waren. Das endgültige Aus komme aber nicht unerwartet.

    Auswirkung für Platz nur marginal
    Die seit etwa drei Jahren ohnehin nur übergangsweise in Baumholder stationierte 5. Kompanie des Fallschirmjägerbataillons 261 wird abgezogen. Das ist die einzige Auswirkung der Bundeswehrreform auf den Truppenübungsplatz Baumholder. 140 Unterkunftsplätze wurden bislang dauerhaft von dieser Einheit belegt. Für Ingo Osbahr war es „nicht völlig überraschend“, dass die Reform nur „marginale Folgen“ für den Truppenübungsplatz hat. Mehr noch: Für den Platzkommandanten war dies „eine rein logische Entscheidung“. Denn zu dem Übungsgelände gebe es keine Alternative. Es bilde mit der Artillerieschule „eine ideale Symbiose“, hetont der Oberstleutnant.
    Erleichterung auch beim Beigeordneten Bernd Alsfasser, der den im Urlaub weilenden Bürgermeister Peter Lang vertritt. Er hatte allerdings auch nicht ernsthaft mit einer Schließung gerechnet. Ein Nationalpark wäre „auf keinen Fall eine Alternative gewesen“, ist sich Alsfasser sicher. „Da kann man doch niemanden über das Gelände gehen lassen“, betont er. „Um die ganzen Blindgänger aufzuspüren und wegzuräumen, müsste man etliche Millionen Euro ausgeben.“  kuk / kpm / ni / sc 

    Die Bundeswehrreform im Kreis BirkenfeldEs hätte schlimmer kommen könnenSchließung traf den Bürgermeister nicht ganz unvorbereitet Truppenübungsplatz Baumholder nur "marginal" von Bundeswehrreform betroffen
    Idar-Oberstein Birkenfeld
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