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    Mörschied ist nach der Wahl in aller Munde

    Über kaum eine Gemeinde wird dieser Tage so viel geredet wie über Mörschied mit seinen rund 800 Einwohnern. Woran das liegt? Dieses Mal nicht am großartigen Musikverein, dem rührigen TuS Mörschied und auch nicht an den so beliebten Karl-May-Festspielen.

    Mörschied hat viel Attraktives zu bieten. Momentan sorgt die Gemeinde aber vor allem auf kommunalpolitischer Ebene für einigen Wirbel.  Foto: Hosser
    Mörschied hat viel Attraktives zu bieten. Momentan sorgt die Gemeinde aber vor allem auf kommunalpolitischer Ebene für einigen Wirbel.
    Foto: Hosser

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

    Die NZ begibt sich auf Ursachenforschung: Die Ortsbürgermeister-Urwahl: Dieter Brombacher muss damit leben, dass ihn 57 Prozent der Mörschieder Wähler nicht mehr als Ortschef wollen. Und schon wird orakelt: Wird der Jurist die Wahl gar anfechten, da fünf Stimmzettel zur Urwahl in Niederhosenbach in den Mörschieder Wahlzettel-Stapel geraten waren? Wird er nicht, wie von der Herrsteiner Verwaltung zu erfahren ist. Wird es einen neuen Kandidaten geben, der sich der Urwahl stellt? Wird Brombacher dann erneut seinen Hut in den Ring werfen? Eher unwahrscheinlich, dass sich ein neuer Kandidat findet. Würde er sich dann in der Folge vom Gemeinderat, der nahezu identisch in der alten Besetzung weiterarbeitet, zum Ortsbürgermeister wählen lassen? Schon eher möglich. Entsprechende Signale gibt es offenbar, wobei es wohl auch Ratsmitglieder gibt, die nichts von einem solchen Vorgehen halten würden.

    Hat die Abwahl vor allem mit den sehr umstrittenen Windkraft-Plänen der Ortsgemeinde zu tun? Da gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen: "Die Ansiedlung von Windkraftanlagen war und ist eine Entscheidung des Gemeinderates und nicht die des Ortsbürgermeisters. Und die hat nach wie vor Bestand. Und es sind andere Ortsgemeinden, die VG Herrstein und Personengruppen, die keine Windkraftanlagen wollen, nicht die Mörschieder Bürger. Dies ist ganz klar daran zu erkennen, dass der amtierende Gemeinderat in seiner Arbeit nahezu gänzlich bestätigt wurde. Sogar mit Stimmenzugewinn. Dass OB Brombacher eine ,Ohrfeige' bekommen hat, hat andere Hintergründe", schrieb der NZ nach der Wahl ein Mörschieder Ratsmitglied (Name bekannt). Die eigentlichen Gründe wolle man aber nicht nennen, das machten die Mörschieder ganz unter sich aus. Andere sagen ganz klar: Wie Brombacher die Windkraft-Pläne präsentiert und umzusetzen versucht, hat ihn viele Stimmen gekostet - wenngleich Fakt ist: Auf die Pläne, im Staatswald acht WKA zu errichten, hatte die Ortsgemeinde so gut wie keinen Einfluss. Auf möglicherweise zwei zusätzliche, die dann unter Gemeinderegie betrieben worden wären, aber sehr wohl.

    Die Zusammenhänge zwischen Pro Region und Mörschied: Im Januar wurde die Wählergemeinschaft Pro Region mit Sitz in Mörschied gegründet. Gründungsmitglied ist Dieter Brombacher, und so einige Mörschieder schlossen sich dem Verein an (siehe Kasten). "Im Vorstand ist Brombacher aber nicht", stellt Vorsitzender und Mörschieder Ratsmitglied Norbert Velten klar. Die Ratsmitglieder Mario Hub (Kassenwart) und Andreas Herbert (Schriftführer) gehören dem Vorstand indes an. Dass Pro Region bei der Wahl zum VG-Rat Herrstein in Mörschied so gut abgeschnitten und letztlich zwei Sitze ergattert hat, sei nicht weiter erstaunlich: "Da wird natürlich auch personenbezogen und aus Solidarität gewählt. Man kennt sich", sagt Velten. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Gründung der Wählergemeinschaft und dem im November 2013 gefassten Beschluss des Herrsteiner Verbandsgemeinderates, der einstimmig einen Antrag auf Aussetzung der Entscheidung über die Zulässigkeit von acht Windenergienanlagen auf der Gemarkung Mörschied gemäß Paragraf 15 Absatz 3 des Baugesetzbuches auf den Weg gebracht hatte? Und wie ist der Pro-Region-Leitsatz der Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung und Eigenverantwortung zu verstehen? Fühlen sich die Mörschieder von der Verbandsgemeinde bevormundet und in ihren Rechten beschränkt? Die Wählergemeinschaft habe nicht gänzlich mit offenen Karten gespielt und habe eben nicht im Wahlkampf deutlich gemacht, dass man für WKA in Mörschied sei, ärgern sich Kritiker. Pro Region - mit diesem Namen habe man in die Irre geführt, und auch aus dem Programm könne man nicht erkennen, was dahinter steckt.

    Ein genauer Blick auf die Ziele wirkt denn auch eher allgemeingültig: Eine Alternative zu den etablierten politischen Parteien anbieten wolle man. Im Konzept heißt es: "Die Verbandsgemeinde Herrstein ist in ihrer dörflichen Struktur von der Einzigartigkeit ihrer Landschaft und ihrer Kulturen geprägt, die es zu erhalten und voranzubringen gilt. Im Rahmen der Herausforderungen des demografischen Wandels hängt die Zukunft eines Dorfes sehr stark von der Lebensqualität seiner Bürger ab. Eine gesicherte Grundversorgung und die soziale Daseinsvorsorge spielen hierbei eine zentrale Rolle." Und: "Umweltverträgliche Nutzung alternativer Energien durch Zentralisierung und ressourcenschonende Standortwahl" wird als Leitgedanke genannt. Die NZ fragte nach, und Norbert Velten antwortete: "Auf der Mörschieder Burr waren nie Windräder geplant, es sind auch keine geplant, und da diese zum zukünftigen Nationalpark gehören wird, werden auch nie welche geplant werden. Generell ist Pro Region für die Nutzung alternativer Energien bei geeigneter Standortwahl." Auf eine weitere Nachfrage stellte Velten klar: "Auf der Burr oder rund um die Burr: Es wird ja wohl nichts mit den Windrädern." Und da spielt der 56-Jährige darauf an, dass das Land vom Vertrag mit dem insolventen Betreiber Prokon zurückgetreten ist und nicht die Absicht hat, das Verfahren vor dem Hintergrund einer möglichen Zusammenarbeit mit einem anderen Betreiber weiterzuverfolgen. Hat die Gemeinde daran aber nach wie vor ein Interesse?

    Velten gibt zu: "Schön sind die Windräder sicher nicht." Aber es sei doch nur folgerichtig, wenn der Rat, der sich einstimmig für die Windkraft ausgesprochen habe, der Ansicht sei, dass man WKA wolle, dadurch Geld kassieren könne und eben nicht nur auf Räder in der Nachbarschaft draufschaut und letztlich finanziell davon nichts hat. Die Mörschieder seien mehrheitlich für die Windräder. Auch die Onlinepetition der Gegner sei fragwürdig: Seines Wissen seien von den mehr als 10 000 Unterschriften nur 200 aus Mörschied selbst gekommen. Velten verweist darauf, dass es im VG-Rat sicher schwierige Diskussion in Sachen Flächennutzungspläne und Windkraft geben werde. Die Vermutung, dass Pro Region lediglich der verlängerte Arm des Mörschieder Gemeinderates sei, lässt Velten so in keiner Weise gelten. Man sei allen Bürgern der VG Herrstein verpflichtet. Davon geht auch VG-Chef Uwe Weber aus: "Die Wählergemeinschaft heißt ja nicht Pro Mörschied ..."

    Welche Rolle spielt denn nun Pro Region, Shootingstar auf VG-Ebene und angesichts der Mehrheitsverhältnisse ein Zünglein an der Waage, im Rat? Velten, der für die CDU einige Jahre im VG-Rat saß, dazu: "Wir entscheiden von Thema zu Thema neu." Andere sagen: Auch wenn Velten und die CDU sich jetzt nicht ganz grün seien, werde Pro Region letztlich doch eher zur Fraktion der Christdemokraten tendieren. Bemüht wird da das Beispiel Wolfgang Wannemacher, dessen Rolle als Einzelkämpfer im Rat Vergangenheit und er nun wieder Teil der CDU-Fraktion ist.

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