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    Kreis Birkenfeld

    Mehrere Sichtungen: Wolf ist im Kreis Birkenfeld unterwegs – UPDATE

    Es war klar, dass er irgendwann zurückkommt, jetzt ist er da: Es deutet vieles darauf hin, dass in den Wäldern des Kreises Birkenfeld ein Wolf unterwegs ist. „Keine Panik“, gibt Kirsten Beetz, Vorsitzende der Kreisjägerschaft, die Devise aus. Der letzte, entscheidende Beweis fehlt ohnehin noch: Den könnte nur eine genetische Untersuchung bringen.

    Foto: picture alliance

    Von Kurt Knaudt

    Der Pächter des Jagdreviers Wickenrodt traute auf dem Hochsitz seinen Augen nicht: Erst entdeckte er zwei Rehe, die aus dem Dickicht kamen. Ihnen folgte ein Vierbeiner, den er nur auf den ersten Blick für einen Hund hielt. Denn bei näherem Hinsehen war er sich sicher: Das kann nur ein junger Wolf sein.

    Noch kein gerissenes Tier entdeckt

    Als Beweis machte er ein Foto mit seinem Handy. Seine Beobachtung deckt sich mit dem Hinweis, den Wilhelm Zimmermann, Förster im Nationalparkamt, von einem anderen Augenzeugen erhielt: Dieser will das vermutlich etwa einjährige Tier zwei Tage vorher im Idar-Obersteiner Stadtteil Enzweiler gesehen haben, als er die B 41 überquerte. Dennoch bleibt Zimmermann, Wolfs- und Luchsberater des Landes in der und um die Nationalparkregion, vorsichtig. Zumal es wiederholt Verwechslungen mit dem vom europäischen Grauwolf abstammenden tschechischen Wolfshund gegeben hat, der dem Original täuschend ähnlich sieht. „Es ist möglich, aber nicht sicher, dass es sich um einen Wolf handelt“, sagt der Förster, der die Sichtungen bereits der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt gemeldet hat. Die will das Handyfoto erst auswerten, bevor sie es öffentlich freigibt.

    Beetz hält die Angaben des auswärtigen Jagdpächters, ein sehr erfahrener Jäger, für glaubwürdig. Fraglich sei, ob das Jungtier nur durchgezogen sei oder länger bleibe. Zahm war es offenbar nicht: Er sei sofort geflüchtet, als er auf ihn aufmerksam geworden sei, berichtete der Jäger. Bisher sind laut Beetz aber noch keine gerissenen Tiere mit typischen Bissspuren entdeckt worden. Bekannt ist, dass Wölfe große Strecken von bis zu 100 Kilometer pro Tag zurücklegen können. „Es kann also sein, dass er längst woanders ist.“ Die Vorsitzende der Jäger im Landkreis appelliert vor diesem Hintergrund an ihre Kollegen und die Bevölkerung, keine Ängste zu schüren. „Es gibt keinen Grund, hysterisch zu werden.“ In der Region sei man allerdings mental nicht darauf vorbereitet, wie man mit dieser Situation umgeht - auch wenn die Rückkehr rund 135 Jahre nach dem Abschuss des letzten Wolfes im Hunsrück bei Deuselbach abzusehen war.

    „Es gibt keinen Grund, sich vor einem wilden Wolf zu fürchten“, betont Oliver Matla, Diplom-Biologe und Vorsitzender des Vereins Deutsche Wolfsgemeinschaft, der zu dem Team gehört, dass zurzeit vier junge Wölfe im Wildfreigehege bei Kempfeld aufzieht. Frei lebende Tiere sind, wie er unterstreicht, extrem scheu und gehen dem Menschen aus dem Weg. „Die Chance, dass sie in freier Wildbahn einem Wildschwein begegnen, ist ungleich größer.“ Der Biologe war schon mehrere Wochen in Kanada unterwegs, wo es jede Menge Wölfe gibt: „Ich habe keinen einzigen gesehen.“ Bei einem einzelnen Tier müsse man sich erst recht keine Gedanken machen.

    Schafe sind seine Lieblingsspeise

    Nicht alle heißen den Neuankömmling willkommen. Kreisjagdmeisterin Heiderose Hügel ist davon überzeugt, „dass unser dicht besiedeltes Gebiet mit den vielen Straßen kein geeigneter Lebensraum für den Wolf ist. Bei uns ist er fehl am Platz“. Das sieht Oliver Matla anders: „Wölfe können sich gut anpassen.“ Sie seien sogar auf Truppenübungsplätzen mit Schießlärm zu finden.

    Bedenken kommen vor allem von Jägern und Nutztierhaltern. Die einen, weil das Wild sich anders verhält und der Wolf ihnen die Beute streitig macht, die anderen, weil sie um ihre Bestände fürchten. Nicht ganz zu Unrecht, wie Matla sagt. Denn Schafe und Kälber stehen auf dem Speisezettel des Beutegreifers ganz oben. Deshalb seien spezielle Schutzmaßnahmen notwendig (siehe Infotext). „An Spinat werden wir ihn jedenfalls nicht gewöhnen können“, meint Kirsten Beetz lakonisch. Wölfe sind streng geschützt. Im Westerwald war bereits 2012 ein Wolf entdeckt und kurz darauf illegal von einem Jäger erschossen worden. Die größte Gefahr für die Räuber ist allerdings der Straßenverkehr.

    Einen Managementplan gibt es schon

    Die Landesregierung hat zu Jahresbeginn einen Wolfsmanagementplan präsentiert, der gemeinsam mit Tierschützern, Naturfreunden, aber auch Jägern und sogar Schäfern erarbeitet wurde. Die Tiere sollen weder gefüttert noch an Menschen gewöhnt werden. Elektronetzzäune oder Drahtgeflechtzäune können Nutztiere schützen. Die Kosten werden ganz oder größtenteils vom Land übernommen. Reißt der Wolf ein Nutztier, fließt ein Ausgleich. Auch frei laufende Hunde sind gefährdet. Sie sollen in Waldgebieten aber ohnehin angeleint werden. Die Landesregierung heißt den Wolf ebenso wie die Deutsche Wolfsgemeinschaft in Rheinland-Pfalz willkommen. Deren Ziel ist der Schutz des Wolfes in Freiheit und in Gefangenschaft, dessen Erforschung und vor allem die Aufklärung der Öffentlichkeit über diesen bedrohten Beutegreifer. In Europa gibt es derzeit (ohne Russland und die Ukraine) schon wieder 15 000 Wölfe. In Deutschland soll es bereits wieder mehr als 150 Tiere geben.

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