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Hoppstädten-Weiersbach

Marcel-Adam-Konzert in Hoppstädten: Selbst ein Jodellied gehörte zum Repertoire

Karl-Heinz Dahmer

Und wenn man noch so dick im Musikgeschäft ist: Auch Profis können nicht wirklich vorhersagen, welches Stück beim Publikum ankommt und welches nicht. Jacques Brel ist es so gegangen, dem großen belgischen Chansonnier. Er fand, dass sein „Port d'Amsterdam“ ein Lied ohne jede Bedeutung sei, aber als er es damals, 1964, im Olympia sang, der legendären Pariser Music Hall, applaudierten die Zuhörer eine Viertelstunde lang, das Chanson musste einige Male wiederholt werden an diesem Abend.

Gute Laune und Lieder, die oft einen melancholischen Unterton haben: Bei den Konzerten des lothringischen Liedermachers Marcel Adam ist das kein Widerspruch, wie der Künstler auch bei seinem Auftritt in Hoppstädten unter Beweis stellte.  Foto: Reiner Drumm
Gute Laune und Lieder, die oft einen melancholischen Unterton haben: Bei den Konzerten des lothringischen Liedermachers Marcel Adam ist das kein Widerspruch, wie der Künstler auch bei seinem Auftritt in Hoppstädten unter Beweis stellte.
Foto: Reiner Drumm

Im Gemeindezenturm in Hoppstädten-Weiersbach dauerte es nicht ganz so lang, bis wieder Ruhe in den Saal kam: Nach handgestoppten 35 Sekunden war der Beifall der 80 bis 90 Zuhörer vorbei, als der letzte Ton von Port d'Amsterdam verklungen war. Marcel Adam, der den Brel-Song interpretiert hatte, konnte das nächste Lied beginnen. Oder eine Geschichte erzählen. Denn das macht der französische Chansonnier und Liedermacher gern.

In Lothringen zu Hause

Bei seinem Auftritt in Hoppstädten hätte man nicht mit letzter Sicherheit sagen können, ob er mehr sang oder mehr erzählte: von Lothringen, wie es früher war, von der Feindschaft zwischen Deutschen und Franzosen, Geschichten über sich, Musikkollegen und seinen Sohn Yann Loup. Der wohnt in Kleinblittersdorf, einem Ort an der saarländischen Grenze zu Frankreich. Auch dort gab es in der Nacht auf den 1. Juni ein Unwetter ähnlich dem, das das Fischbachtal traf. Wasser lief durch die Straßen, Keller wurden leer gepumpt, Yann Loup Adam hatte die Nacht mit Wasserschöpfen verbracht. Vater Marcel wohnt auf der anderen Seite der Grenze, in Grosbliederstroff. Unwetter war dort kein Thema, es tröpfelte nur.

Zum dritten Mal kam Marcel Adam zu einem Gastspiel nach Hoppstädten-Weiersbach. Vor der Bühne saßen die Zuschauer an Tischen, wer wollte, trank Wein – ein bisschen französische Lebensart kam mit dem Chansonnier ins Gemeindezentrum.

Akustik in der Halle war Manko

Weniger angenehm war die Akustik in der Halle: Töne hallten stark zurück. Aber das kann, fand Adam, auch motivieren: „Es hört sich an, als ob uns 4000 Leute beklatschen.“ Uns, das waren neben dem Sänger und Gitarristen Marcel Adam Christian di Fantauzzi und Christian Conrad. Conrad spielte Gitarre und Ukulele, Di Fantauzzi meist Akkordeon, manchmal auch Saxofon. Damit klang zum Beispiel Bette Middlers „The Rose“ interessant anders, man hörte wieder aufmerksamer zu. Hannes Wader wurde gespielt, Brel, Charles Aznavour und Edith Piaf, mit „Cœur volcan“ ein Tango, und auch ein Jodellied war im Repertoire, was Adam schmunzelnd mit „Wir schämen uns für gar nichts“ kommentierte. Viele Stücke, die an diesem Abend vorgetragen wurden, waren aus der eigenen Feder des lothringischen Musikers.

Eins davon hieß „Sellemols“, ein Lied, in dem Adam über seine Jugend singt, damals, als er die ersten Gitarrengriffe kennenlernte und Charles de Gaulle noch Staatspräsident war. Die meisten seiner Lieder waren melancholisch, ein bisschen wehmütig vielleicht und sanft, aber eins hob sich deutlich heraus: Brels „Port d'Amsterdam“ ist ein Stück, das sich im Lauf der Strophen dramatisch steigert und zum Fortissimo wird.

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Karl-Heinz Dahmer

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