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Idar-Oberstein

Kohl-Platz: Jetzt kursieren noch andere Namen

Mit so viel Widerstand hatte die CDU sicher nicht gerechnet: Ihr Vorschlag, den Platz „Auf der Idar“ in Oberstein in Helmut-Kohl-Platz umzubenennen, sorgt weiter für kontroverse Diskussionen. Noch ist keine Entscheidung gefallen: Als die Christdemokraten merkten, dass die Umbenennung nicht so einfach werden würde, wie sie es sich vorgestellt hatten, zogen sie ihren Antrag in der jüngsten Stadtratssitzung kurzerhand zurück (die NZ berichtete). Ansonsten hätte es für die CDU auch ein böses Erwachen geben können: Eine Debatte, die zumindest teilweise verbrannte Erde hätte hinterlassen können, wollte sie tunlichst vermeiden.

Auch die neuen Stadtinfoschilder am Edelsteinweg müssten bei einer Umbenennung des Platzes Auf der Idar überarbeitet werden.  Foto: Hosser
Auch die neuen Stadtinfoschilder am Edelsteinweg müssten bei einer Umbenennung des Platzes Auf der Idar überarbeitet werden.
Foto: Hosser

Von Kurt Knaudt

Wie es jetzt weitergeht: Ein Politikum ist das Thema jetzt schon. Die CDU hat aber immerhin Zeit gewonnen, um nachzuholen, was sie im Vorfeld versäumt hat – nämlich im Ältestenrat mit dem Stadtvorstand und den Vertretern der anderen Fraktionen an einer möglichst einvernehmlichen Lösung zu feilen, ehe es dann nach den Ferien über den Haupt- und Finanzausschuss zurück in den Stadtrat zur entscheidenden Abstimmung geht. Möglicherweise stimmt die SPD-Fraktion dem Ansinnen der CDU am Ende zu. Deren Fraktionsvorsitzender Armin Korpus hatte jüngst im Stadtrat geradezu eindringlich darauf hingewiesen, dass die Christdemokraten seinerzeit die Umbenennung des Bahnhofplatzes in Willy-Brandt-Platz mitgetragen hatten. So leicht wollen es sich aber nicht alle Genossen machen.

Was hinter den Kulissen diskutiert wird: Dem Vernehmen nach stört Einzelne in der SPD, dass die CDU ausgerechnet den Platz „Auf der Idar“ als großen zentralen Platz im Stadtzentrum, der seinen Namen schon eine gefühlte Ewigkeit trägt, ausgesucht hat. Ihnen wäre lieber, wenn ein anderer Platz nach Helmut Kohl benannt würde, beispielsweise der Europaplatz oder der Christuskirchplatz in der Fußgängerzone. Darüber wird im Ältestenrat verhandelt werden.

Die CDU könnte natürlich versuchen, auch ohne die SPD eine Mehrheit zustande zu bringen. Was aber schwierig wäre: FDP und Freie Liste hätte sie wohl auf ihrer Seite, LUB, Grüne und Linke vermutlich eher nicht. Ohnehin wäre es ein negatives Signal nach außen, wenn ein solcher Beschluss nicht mit großer Mehrheit, am besten sogar einstimmig gefasst würde. Ein knappes Votum kann keiner wollen.

Welche Namen noch gehandelt werden: Es könnte gut sein, dass es im Ältestenrat nicht mehr nur um Helmut Kohl geht. Denn inzwischen werden auch andere Namen gehandelt, allen voran der von Peter Caesar, der immerhin Justizminister von Rheinland-Pfalz war. Er hatte als Idar-Obersteiner anders als Helmut Kohl einen engen Bezug zur Schmuckstadt. Seinen Namen trägt allerdings schon eine Schule. Was auch für für den erfolgreichen Unternehmer Harald Fissler und die sozial engagierte Ida Purper gilt.

Beide sind ebenso wie Otto Decker, der großzügige Gönner und Helfer der Stadt im Zweiten Weltkrieg, Ehrenbürger von Idar-Oberstein. Nach Otto Decker ist eine Straße in Oberstein benannt. Bei Harald Fissler wurde übrigens eine Ausnahme von einer eigentlich eisernen Regel gemacht: Er lebte noch, als die BBS Technik nach ihm benannt wurde. Ansonsten wird solche Ehre nur verstorbenen Persönlichkeiten zuteil. Damit würden einige Vorschläge, die unter anderem bei Facebook gemacht wurden, ins Leere laufen: Unter anderem wurden dort der frühere Oberbürgermeister Erwin Korb, Olympiasieger Bernd Cullmann und natürlich Hollywoodstar Bruce Willis genannt.

Was der Oberbürgermeister sagt: Frank Frühauf zeigt sich offen für die Umbenennung in Kohl-Platz, erinnert auf Anfrage zugleich aber daran, dass es noch andere Persönlichkeiten mit besonderen Verdiensten gibt. Auch er nennt dabei als Beispiel den Namen Peter Caesar. Er begrüßt, dass das Thema jetzt zunächst im Ältestenrat behandelt wird, und zeigt sich zuversichtlich, dass dort eine von einer breiten Mehrheit getragene Lösung gefunden wird.

Was die Kreissparkasse und Volkes Stimme sagen: Die am Platz „Auf der Idar“ ansässige Kreissparkasse kann der ganzen Umbenennungsdiskussion nichts abgewinnen. Vorstandssprecher Joachim Köls sähe lieber Initiativen zur Wiederbelebung des oft trostlos wirkenden Platzes. Und was sagt Volkes Stimme, die sich in den alles andere als „sozialen Medien“ nicht immer sachlich, aber dafür laut vernehmlich zu Wort meldet? Bei Facebook artikulieren sich viele Gegner und nur vereinzelt Befürworter eines Kohl-Platzes. Eindeutig ist auch das bisherige Ergebnis einer selbstverständlich nicht repräsentativen Onlineumfrage der NZ, an der sich bisher rund 1800 Leser beteiligt haben: Davon sind 91 Prozent gegen die Umbenennung und nur 5 Prozent dafür. 4 Prozent ist es egal.

Was die Jungen Liberalen stört: Sie kritisieren, dass der CDU-Fraktionsvorsitzende Armin Korpus mit Blick auf die Onlineumfrage meinte, dass von den klassischen CDU-Wählern nur wenige im Internet unterwegs seien und jüngere Leute mit dem Namen des Kanzlers der Einheit wohl nicht mehr viel anfangen könnten. „Derart despektierliche Äußerungen gegenüber jungen Menschen finden wir nicht in Ordnung“, sagt Alexander Fritsch, Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen. Die Christdemokraten müssten endlich lernen, „Jugendlichen in der politischen Diskussion auf Augenhöhe zu begegnen.“ Vorbildliche Projekte der Jugendbeteiligung in Idar-Oberstein und dem Kreis Birkenfeld würden durch solche klischeehaften Aussagen konterkariert.

An der Debatte um die Umbenennung wollen sich die Julis nicht beteiligten. Sie finden aber, dass das Wirken des ehemaligen Bundeskanzlers als großer europäischer Staatsmann angemessen gewürdigt werden sollte – in welcher Form, lassen sie offen.

Idar-Oberstein Birkenfeld
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