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Idar-Oberstein

Großbaustelle wird Anwohner lange belasten

Stefan Conradt

Auf viele Anwohner in Enzweiler, Hammerstein und am Homerich, aber auch auf Erholungssuchende in der Kama kommen schwere Zeiten zu: Die Deutsche Bahn (DB) will ab Frühjahr 2018 die beiden Tunnel in Enzweiler und im Homericher Berg umfassend sanieren und zukunftstauglich machen. Das dauert knapp drei Jahre und kostet unterm Strich rund 27 Millionen Euro. Dazu gab es am Dienstagabend im proppenvollen TSG-Vereinsheim „Auf Schachen“ eine Infoveranstaltung der DB.

Volles Haus im TSG-Sportheim „Auf Schachen“: Die geplanten Tunnelbaustellen zwischen Enzweiler und Oberstein haben die Anwohner mobilisiert, die Lärmbelästigung, Lkw-Verkehr und Schäden an ihren Häusern befürchten. Vertreter von Bahn, Schienenzweckverband und Planungsfirma versuchten mit größtmöglicher Offenheit, Kritikpunkte zu entschärfen und umfassend zu informieren. Foto: Stefan Conradt
Volles Haus im TSG-Sportheim „Auf Schachen“: Die geplanten Tunnelbaustellen zwischen Enzweiler und Oberstein haben die Anwohner mobilisiert, die Lärmbelästigung, Lkw-Verkehr und Schäden an ihren Häusern befürchten. Vertreter von Bahn, Schienenzweckverband und Planungsfirma versuchten mit größtmöglicher Offenheit, Kritikpunkte zu entschärfen und umfassend zu informieren.
Foto: Stefan Conradt

„Die Tunnel sind 160 Jahre alt, wurden immer wieder saniert“, erläuterte der zuständige Planer Andreas Werth vom Münchener Büro Obermeyer. In den alten Gemäuern gebe es undichte Stellen, loses Mauerwerk und marode Leitungen. Immer wieder stürzen Felsstücke oder wie jetzt in kalten Wintern Eiszapfen zu Boden und müssen von Hand geräumt werden, bevor der erste Zug am Morgen passiert. Die Tunnel entsprechen längst auch nicht mehr aktuellen Sicherheitsbestimmungen. Die geplante Aufweitung, bei der der Gleisabstand vergrößert wird, dient nicht nur der Sicherheit für den Zugverkehr: Im Zuge der Maßnahme werden auch Sicherheitswege in den Tunneln, aber auch zu nahe gelegenen Straßen geschaffen, um die Zufahrt für Rettungsdienste zu gewährleisten.

Homericher und Enzweiler Tunnel – in dieser Reihenfolge soll auch saniert werden – stehen am Ende einer ganzen Latte von Tunnelsanierungen im engen Nahetal, aber nie zuvor waren die Anforderungen an die Baufirmen so hoch, die Bedingungen vor Ort so schwierig. Schon die Suche nach Baueinrichtungsflächen (BE), wo später Bau- und Abraummaterial gelagert wird, aber auch Büro-, Labor- und Werkstattcontainer stehen sollen, gestaltet sich äußerst schwierig. Lediglich der Bereich zwischen Bahnhof Oberstein und Tunnelportal sowie am alten Enzweilerer Haltepunkt in der Siesbachtalstraße bieten sich an. Das reicht aber bei Weitem nicht.

Daher ist eine große zentrale BE-Fläche im Bereich des Picknickplatzes oberhalb des Nahe-radwegs geplant. Doch auch hier gibt es noch viele Fragezeichen aufgrund der schwierigen Anfahrt der schweren Lkw über einen schmalen, steilen Wirtschaftsweg hoch zur Straße „Am Stausee“ und der vielen geschützten Biotope und Arten in den Naheauen. Planerin Dr. Maria Altmann vom Institut für Umweltplanung und Raumentwicklung (Ifuplan) hat eine Fläche von fast 1,7 Hektar errechnet, auf der schützenswerte Flächen temporär oder dauerhaft beeinträchtigt werden. Die Zugänglichkeit der Kama-Traumschleife (möglicherweise durch eine Teilumlegung) und des Naheradwegs sollen während der Bauzeit aber gewährleistet werden.

Bis zu 60 Lkw am Tag

Was die Einwohner aber noch viel mehr interessierte, waren Themen wie Lärm- und Staubbelästigung, der zu erwartende Lkw-Verkehr während der Bauphase und mögliche Schäden an den Wohnhäusern durch die Sprengungen, Meißelarbeiten und sonstigen Erschütterungen. Hier versprachen Bahn und Planer größtmögliches Entgegenkommen im Schadensfall, Transparenz während der Bauphase (so soll es eine Telefonhotline und ein Infoportal im Internet geben) und ein Mitspracherecht nach der öffentlichen Auslegung des Planfeststellungsbescheids.

Mit bis zu 60 Lkw-Fahrten (im Schnitt etwa 30) müssen die Anwohner in Enzweiler, mit im Schnitt zehn (in der Spitze um die 30) jene in Hammerstein rechnen. Eine Zufahrt über den Homerich ist aufgrund der zu niedrigen Bahnunterführung in der Hasbach nicht geplant. In Enzweiler soll, um eine möglichst reibungslose Zu- und Abfahrt zu gewährleisten, ein Einbahnsystem durch Engweg und Heidstraße (Hinfahrt) sowie „Zum Stausee“ (Rückfahrt) erfolgen. Die Zufahrt erfolgt über die B 41.

Anwohner drängten auf Anlieferung und Bauschuttabfuhr über die Gleise. Das sei aufgrund der engen Vertaktung auf der Nahestrecke nur teilweise, etwa in den Nachtstunden, möglich. Denn: Der Schienenverkehr soll weitgehend aufrechterhalten werden. Lediglich in den Sommerurlaubsmonaten ist an eine vierwöchige Vollsperrung gedacht. Dann müssen Fahrgäste auf Busse – den sogenannten Schienenersatzverkehr – umsteigen. Es sei keine Option, die Belastung auf die Fahrgäste abzuwälzen, erläuterte Gunther Enke vom Schienenzweckverband Rheinland-Pfalz Süd: „Schon die vier Wochen im Sommer tun uns da weh.“ Eine Einstellung der Regionalbahn (RB) 34 nach Baumholder, wie von einem Anwohner gefordert, bringe in dieser Frage keine Lösung. Schon allein der viel genutzte Regionalexpress 3 verkehre im Halbstundentakt in beide Richtungen: „Da bleibt kein großes Zeitfenster für Bauzüge.“ Gleichwohl werden weite Teile des Abbruchs und des Tunnelausbaus über Spezialzüge abgewickelt, weshalb die Nahe-strecke in der Bauphase in diesem Bereich nur eingleisig befahren werden kann. Das könnte dann in der Tat Auswirkungen auf das Angebot der RB 34 haben, so Enke gegenüber der NZ.

Umfassende „Beweissicherung“

In Bezug auf Erschütterungen und mögliche Schäden an Häusern sind die Planer schon tätig geworden. In einzelnen Gebäuden wurden bereits Sensoren angebracht. Vor Baubeginn wird es sogenannte Beweissicherungsverfahren in einem noch zu definierenden Bereich geben. Eventuelle Schäden sollen dann nach Ende der Bauarbeiten festgestellt und reguliert werden: Das treffe auch auf Straßen und Infrastruktur wie Kanal zu, die möglicherweise durch den Lastwagenverkehr zu Schaden kommen. All dies werde vor Baubeginn schriftlich fixiert, sagten die DB-Vertreter zu (weiterer Bericht folgt).

Von unserem Redaktionsleiter Stefan Conradt

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