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Herborn

Gesundheit: Ärztemangel wird den ländlichen Raum hart treffen

Die CDU-Bundestagskandidatin Antje Lezius hatte gemeinsam mit dem CDU-Gemeindeverband Herrstein zu einer Informationsveranstaltung über die Gesundheitsfürsorge im ländlichen Raum in die Mehrzweckhalle Herborn eingeladen.

Symbolbild
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Foto: DPA

Zu der kompetent besetzten Runde fanden sich Dr. Rudolf Schwarz, Obmann der Ärzteschaft im Kreis, Dominik Beutler, Obmann der Apothekerschaft im Kreis, Landrat Dr. Matthias Schneider, der Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages, sowie Dr. Fred-Holger Ludwig, Facharzt für Gynäkologie und Mitglied im Bundesvorstand der Senioren-Union ein. Als Moderator fungierte CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Stephan Dreher, der bestens auf das Thema vorbereitet war, allerdings nur gut 40 Besucher, darunter viele Ärzte aus der Region, begrüßen konnte.

Landrat Schneider umriss die zu erwartende demografische Entwicklung des Kreises, die von sinkenden Einwohnerzahlen und wachsender Überalterung gekennzeichnet sein wird. Damit kommen, erläuterte Schneider, ganz neue Herausforderungen auf den ohnehin strukturschwachen Kreis zu, wie etwa eine teurer werdende Infrastruktur oder bei immer mehr Einwohnern steigende Pflegebedürftigkeit und Multimorbidität von der Inkontinenz bis zur Demenz. Es sei zu befürchten, dass die Schere von Nachfrage und Angebot bei der medizinischen Versorgung sich immer weiter öffnen werde.

Ärzteschaft ist überaltert

Diese Annahme konnte Dr. Schwarz mit konkreten Zahlen für den Kreis untermauern. Zwar sei die ärztliche Versorgung im Kreis bislang noch recht gut, aber angesichts der Altersstruktur bei den niedergelassenen Ärzten, von denen die Hälfte älter als 50 und ein Drittel älter als 60 ist, müsse man damit rechnen, dass sich ihre Zahl innerhalb der nächsten zehn Jahre halbiere. Besonders kritisch sei die Situation in den Verbandsgemeinden Baumholder und Herrstein, wo 85 beziehungsweise 50 Prozent der Ärzte älter als 60 sind. Bei den Fachärzten sei mittelfristig vor allem bei Gynäkologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten und Orthopäden, aber auch bei den Kinderärzten mit Versorgungslücken zu rechnen. Im Hinblick auf den zu erwartenden Ärztemangel und die Tatsache, dass inzwischen mehr als zwei Drittel der Absolventen eines Medizinstudiums weiblich sind, forderte Schwarz dazu auf, bei der Infrastruktur ein besonders Augenmerk auf die Bedürfnisse von Frauen, vor allem auf die Versorgung von Kindern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu richten.

Zu hohes Einkommensgefälle

Der Bundestagsabgeordnete Rüddel verwies darauf, dass in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen wurden, die ärztliche Versorgung auf dem Land zu verbessern, allerdings sei es Sache der Ärzte selbst, diese Möglichkeiten über die eigenen Organisationen, insbesondere die Kassenärztliche Vereinigung, auch umzusetzen. Er kritisierte das große Einkommensgefälle zwischen Fachärzten wie Radiologen oder Laborärzten gegenüber Allgemeinmedizinern und vor allem Landärzten.

In den kommenden Jahren seien fundamentale Veränderungen im Gesundheitswesen erforderlich, erklärte Rüddel. So sei eine engere Verzahnung von stationärer, ambulanter und pflegerischer Versorgung erforderlich. Auf Zustimmung bei allen Anwesenden stieß "Schwester Agnes", das Modell einer Gemeindeschwester, die im Vorfeld und unter Aufsicht der niedergelassenen Ärzte tätig werden soll. Sehr gelobt wurde von Rüddel die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, die allerdings von den anwesenden Ärzten als untauglich für die Praxis abgelehnt wurde.

Aber auch andere Veränderungen, so Rüddel, müssten kommen – wie etwa der Ausbau der Tele-Medizin, die Abschaffung der Residenzpflicht bei niedergelassenen Ärzten oder eine stärkere Pauschalvergütung für ärztliche Leistungen. Derzeit sei die finanzielle Situation der Krankenkassen gut, sodass das notwendige Geld für Strukturveränderungen da sei.

Dominik Beutler, Apothekenobmann im Kreis, sprach die Befürchtung aus, dass sich mit dem Rückgang der niedergelassenen Ärzte auch das Apothekensterben fortsetzen werde, bereits jetzt schließen in Deutschland in jeder Woche sechs Apotheken. Wie bei den Ärzten sei auch für Apotheker der ländliche Raum eher unattraktiv, schon allein wegen der Vielzahl an Notdiensten, die man zu leisten hat. Fred-Holger Ludwig vom Bundesvorstand der Senioren-Union verwies darauf, dass mangelnde ärztliche Versorgung ein Hauptgrund für ältere Menschen ist, den Wohnort zu wechseln.

Ein wesentlicher Aspekt bei der lebhaft geführten Diskussion war die schwierige kinderärztliche Versorgung im Kreis. Diese führe, wie betont wurde, zu Problemen bei der ärztlichen Versorgung insgesamt. Zum einen, weil eine Unterversorgung Engpässe in der allgemeinmedizinischen und Notfallversorgung nach sich zieht, zum anderen, weil dies für junge Ärztinnen, die man anwerben will, ein wichtiger Standortfaktor ist.

Von unserem Reporter Jörg Staiber

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