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    Baumholder

    Geschichtsbuch wird aufgeblättert: Gruppe stellt Konzept für Goldenen Engel vor

    Das Westrichstädtchen kulturell auf Augenhöhe mit der Großstadt Koblenz: Ganz so vermessen, wie er auf Anhieb klingt, ist dieser Gedanke in den Augen des Museumsexperten Dr. Ulrich Schmidt nicht - jedenfalls, wenn es um den Vergleich des entstehenden Kulturzentrums mit dem Pendant in der Rhein-Mosel-Stadt geht.

    Ikonisches Symbolbild für den Beginn einer neuen Ära in der Baumholderer Stadtgeschichte: Ein US-Soldat und seine modisch gekleidete junge Frau kommen 1952 im Westrich an. Zusammen fünf CDs füllen die historischen Fotos, die die Museumsgruppe zusammengetragen hat.
    Ikonisches Symbolbild für den Beginn einer neuen Ära in der Baumholderer Stadtgeschichte: Ein US-Soldat und seine modisch gekleidete junge Frau kommen 1952 im Westrich an. Zusammen fünf CDs füllen die historischen Fotos, die die Museumsgruppe zusammengetragen hat.
    Foto: Sammlung Ingrid

    Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher

    Auch die Schreckenszeiten der beiden Weltkriege und der Naziherrschaft werden im Museum ausführlich behandelt. Das Foto zeigt einen Appell der Wehrmacht auf dem heutigen US-Gelände.
    Auch die Schreckenszeiten der beiden Weltkriege und der Naziherrschaft werden im Museum ausführlich behandelt. Das Foto zeigt einen Appell der Wehrmacht auf dem heutigen US-Gelände.
    Foto: x

    "Was Koblenz hat, ist ein bisschen größer, aber nicht besser als das, was hier entsteht", erklärte der Biologe und einstige Leiter des Naturhistorischen Museums in Mainz bei der Vorstellung des Museumskonzepts im Stadtrat.

    Anschaulich informierten Architektin Jeanette Böhm, die Museumsbeauftragte Ingrid Schwerdtner und der Seniorexperte Schmidt die Entscheidungsträger über ihre Pläne für die beiden oberen Etagen des wieder aufgebauten Goldenen Engels. "Das ist ihr Geschichtsbuch, das hier dreidimensional entsteht und durch das sie mit ihren Kindern laufen können", verdeutlichte Schmidt, der selten um einen passenden Vergleich verlegen ist. Und Jeanette Böhm, die dem Projekt auch nach ihrem Ausscheiden beim Architekturbüro Hille über einen Beratervertrag verbunden bleibt (die NZ berichtete), erklärte, was Baumholder für sie so einzigartig macht: "Hier werde ich von einem 80-Jährigen auf Englisch angesprochen. Das erlebe ich in keiner anderen Stadt."

    Von Hufeisen bis Colaflasche: 117 Exponate zusammengetragen

    Mehr ins Detail ging dann die frühere Ratsfrau Ingrid Schwerdtner, die bereits seit mehr als dreieinhalb Jahren zusammen mit Schmidt an dem Konzept feilt. "Die besondere Herausforderung war, dass wir die Ausstellung nicht um eine bestehende Sammlung herum aufbauen konnten, sondern ganz neu mit dem Sammeln anfangen mussten", betonte sie. 117 Exponate - vom Hufeisen aus römischer Zeit bis zur einfachen Colaflasche - wurden zusammengetragen. Dazu kommen 100 Originaldokumente, 53 Ansichtskarten, 20 Bücher, 19 Zeitschriften und fünf CDs voll mit Digitalfotos. Viele Exponate, besonders zum alltäglichen Zusammenleben mit den Amerikanern, hat Schwerdtner für kleine Beträge bei Ebay ersteigert. Nicht der materielle Wert zähle, sondern die besondere Aura des Ausstellungsstücks, erklärte sie - etwa bei besagter Colaflasche im Design der 1950er-Jahre.

    Natürlich werden aber auch Exponate mit Seltenheitswert zu sehen sein, etwa die Artefakte aus römischer und keltischer Zeit, die das Landesmuseum in Trier zur Verfügung stellt. Lebendig werden soll das Museum außerdem durch Installationen, die Besuchern mit ausreichend Vorstellungskraft kleine Zeitreisen ermöglichen: zum Beispiel in eine typische Bar aus dem schillernden Baumholder der 1950er-Jahre, in der auch die Musik der Zeit gespielt wird. Auf sie werden die Museumsgäste zulaufen, wenn sie das Dachgeschoss betreten, das ganz dem Leben im Städtchen unter dem Einfluss der US-amerikanischen Militärpräsenz gewidmet ist. An vielen Stellen genutzt wird die luftige Innenarchitektur, die Sichtbezüge zwischen den Stockwerken ermöglicht. Da lockt dann ein leicht bekleidetes Pin-up-Girl die Besucher ins Obergeschoss.

    Beginnen wird der Rundgang im zweiten Stock entlang der Altbaufassade mit der Ausstellung der Fundstücke aus der Römerzeit. Relativ schnell werden dann die Jahrhunderte unter wechselnden Herrschaftsverhältnissen bis zu den beiden Weltkriegen durchquert - immer mit klarem Baumholder-Bezug wie Ingrid Schwerdtner betont. Über die Einheimischen in Diensten der Zweibrücker und Wittelsbacher werden besondere Geschichten erzählt - etwa über den Alchimisten vom Eschelbacherhof oder den Astrologen aus Grünbach, der es bis an den Hof des Kaisers Friedrich III. brachte. Als besonderer Blickfang wird zudem eine Karte des alten Baumholders in den Boden eingelassen. Zum Abschluss der ersten Abteilung werden ausführlich die Schrecken der beiden Weltkriege und der Naziherrschaft thematisiert.

    Das Obergeschoss ist dann vollständig den Umwälzungen in Kleinstadtgesellschaft und -landschaft aufgrund des massiven Truppenaufbaus der Amerikaner gewidmet. Neben dem Jeep, um den herum eines der Kunst-am-Bau-Elemente entsteht, und der Barszene sind dazu weitere Installationen geplant: Eine junge Frau im Petticoat und ein junger Mann im James-Dean-Look symbolisieren etwa den Wandel in der Mode, der in Baumholder weit früher einsetzte als in Städten vergleichbarer Größe.

    Thema Rassismus in der Army wird nicht ausgeklammert

    Auch der Aspekt des Rassismus innerhalb der US-Armee und der Haltung der Baumholderer dazu werde nicht ausgeklammert, betonte Ingrid Schwerdtner auf Nachfrage. Am Schluss gelangen künftige Besucher dann in ein kleines Kino, in dem Filmausschnitte über das einzigartige Phänomen Baumholder in der Nachkriegszeit gezeigt werden sollen, etwa aus dem Spielfilm "Die goldene Pest" von 1954 mit Karl-Heinz Böhm.

    Nach engagierter Diskussion genehmigte der Stadtrat schließlich 100 000 Euro für den Aufbau der Dauerausstellung, die im Nachtragshaushalt bereitgestellt werden sollen (die NZ berichtete). "Wir machen vieles selbst, und wir verzichten auf Dinge, die schön zu haben, aber nicht unbedingt erforderlich sind. Sonst könnte man problemlos 500 000 Euro dafür ausgeben", ordnete Ulrich Schmidt diese Summe ein.

    Für den künftigen Betrieb setzt die Museumsgruppe auf ehrenamtliche Helfer, die Führungen übernehmen und Gästen Rede und Antwort stehen, und auf Sponsoren, die einen Teil der Kosten übernehmen. Die Mitglieder des Stadtrates könnten dabei als Multiplikatoren wirken, gaben ihnen die drei Experten mit auf den Weg.

    • Wer Interesse hat, das Regionalmuseum künftig finanziell oder ehrenamtlich zu unterstützen, kann sich schon jetzt mit der städtischen Museumsbeaufragten Ingrid Schwerdtner über entsprechende Möglichkeiten austauschen, Tel. 06783/5459.

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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