40.000
Aus unserem Archiv
Freisen/Köln

Freisener Ex-Pfarrer muss vors Kirchengericht

Gegen einen früheren Pfarrer der katholischen Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen wird ein Strafverfahren am kirchlichen Gericht des Erzbistums Köln eingeleitet. Das hat die Glaubenskongregation in Rom nach Prüfung der kirchenrechtlichen Voruntersuchung des Bistums Trier gegen den Priester mitgeteilt, wie auf der Internetseite des Bistums Trier zu lesen ist.

Themenfoto: dpa​
Themen
Foto: dpa​

Da der frühere Pfarrer die gegen ihn erhobenen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger bestreitet, hat die Glaubenskongregation die Klärung in einem Gerichtsverfahren angeordnet. Es findet am kirchlichen Gericht des Erzbistums Köln statt, weil der Trierer Bischof Stephan Ackermann die Kongregation gebeten hatte, das Verfahren nicht innerhalb der Diözese Trier zu führen. Damit werde eine größtmögliche Neutralität sichergestellt.

Das Voruntersuchungsverfahren gegen den Beschuldigten war bereits im Mai 2016 eingeleitet worden (die NZ berichtete). Dem Priester im Ruhestand wird unter anderem vorgeworfen, Ende der 1990er-Jahre Kinder sexuell missbraucht zu haben. Der Pfarrer war 2015 von seinen Aufgaben in Freisen entbunden worden. Bei einer Dringlichkeitssitzung war direkt nach Bekanntwerden der Vorwürfe deutliche Kritik am Bistum geäußert worden. Es habe nicht aktiv an der Aufklärung der schon länger bekannten Vorwürfe mitgewirkt und nicht alle Gründe für die Beurlaubung des Pfarrers genannt.

Laut Medienberichten hatte die Staatsanwaltschaft bereits vorher dreimal gegen den Beschuldigten ermittelt – 2006, 2013 und 2016. Die Ermittlungen seien jeweils wegen mangelnden Tatnachweises und in einem Fall wegen Verjährung eingestellt worden.

Die NZ hat beim Erzbistum Köln nachgefragt, welche Konsequenzen ein kirchlicher Prozess für einen Täter nach sich ziehen kann. Die Antwort lautet folgendermaßen: „Sollten dem beschuldigten Priester strafbare Taten nachgewiesen werden, muss das Gericht eine angemessene Strafe verhängen, die strafweise Entlassung aus dem Klerikerstand nicht ausgeschlossen. Es kann ihm zum Beispiel auch auferlegt werden, sich finanziell an den Kosten einer gegebenenfalls erfolgten oder notwendigen Therapie von Personen zu beteiligen, die durch ihn geschädigt wurden; es kann ihm ganz oder begrenzt die öffentliche Ausübung des priesterlichen Dienstes untersagt werden; er kann das priesterliche Amt als solches aberkannt bekommen („Laisierung“).“

Die Öffentlichkeit wird von dem Kirchenprozess jedoch ausgeschlossen und nur über das Ergebnis unterrichtet. Wann dieses feststeht, ist nach Angaben des Erzbistums Köln unklar. Auch der Beginn des Verfahrens steht noch nicht fest. Silke Bauer

Verfahren in elf Schritten: So läuft ein Kirchenprozess ab

Der erste Schritt, der zu erfolgen hat, ist die Ernennung des sogenannten Kirchenanwaltes und die Bestellung des Gerichtshofes. Diesem muss der Kirchenanwalt, nachdem er die die Akten durchgearbeitet hat, in Schritt zwei die Anklageschrift vorlegen. Dann prüft der Vorsitzende des Gerichtshofes die Anklageschrift und verfügt deren Annahme oder Ablehnung (Schritt drei). Der Angeklagte wird förmlich geladen (vier) und aufgefordert, einen Verteidiger zu benennen, über dessen Zulassung dann zu entscheiden ist (fünf). Es folgt (sechs) die Beweisaufnahme, das heißt: Der Angeklagte und die Zeugen (vor allem: die geschädigten Personen) werden vom Gericht gehört. Dies geschieht nicht in einer Verhandlung, wie man sie aus dem staatlichen Prozess kennt, sondern nacheinander, ohne unmittelbare Konfrontation. Über die Anhörungen werden Protokolle angefertigt und zu den Akten genommen. Gegebenenfalls werden andere Beweismittel geprüft, auch Sachverständigengutachten, auch über die Glaub- haftigkeit der Geschädigten, sind möglich. Sind die Beweismöglichkeiten erschöpft, erfolgt die sogenannte Aktenoffenlegung“ (sieben) und der förmliche Abschluss der Beweisaufnahme (acht). Daran schließt sich die „Diskussion der Sache“ an (neun), das heißt: Kirchenanwalt und Anwalt des Beschuldigten legen Stellungnahmen vor, auf die beide einmal Erwiderungen schreiben können.

Dann kommt das Verfahren in die Urteilsphase (zehn): Jeder der drei Richter erhält die Akten und muss schriftlich sein Votum für die Urteilssitzung vorbereiten; das in dieser Sitzung nach Vortrag und Diskussion der Voten der einzelnen Richter gefällte Urteil muss ausgefertigt und durch Bekanntgabe an den Kirchenanwalt des erstinstanzlichen Gerichtes, den Kirchenanwalt bei der Glaubenskongregation in Rom und den Beklagten beziehungsweise dessen Anwalt mit Angabe der Rechtsmittel verkündigt werden. Es wird erst rechtskräftig (elf), wenn die Frist ohne Einlegung einer Berufung verstrichen ist. sib

Idar-Oberstein Birkenfeld
Meistgelesene Artikel
Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
Stefan Conradt (sc)
Redaktionsleiter
Tel. 06781/605-43
E-Mail
Vera Müller (vm)
Redakteurin
Tel. 06781/605-52
E-Mail
Bettina Schäfer (bet)
Redakteurin
Tel. 06781/605-56
E-Mail
Andreas Nitsch (ni)
Redakteur
Tel. 06781/605-45
E-Mail
Axel Munsteiner (ax)
Redakteur
Tel. 06781/605-44
E-Mail
Peter Bleyer (pbl)
Redakteur
Tel. 06781/605-58
E-Mail
Silke BauerSilke Bauer (sib)
Redakteurin
0171-2976119
E-Mail
Jörg Staiber (jst)
Reporter
Tel. 06781/605-63
E-Mail
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
E-Mail

Regionalwetter
Montag

6°C - 21°C
Dienstag

8°C - 22°C
Mittwoch

7°C - 21°C
Donnerstag

3°C - 16°C
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Anzeige