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Idar-Oberstein

Frauennotruf ist seit 25 Jahren Anlaufstelle

Ilona Brombacher

Engagement aus Überzeugung, Beharrlichkeit und kontinuierliche Fortbildung zum Wohle ihrer Klientinnen sind die Voraussetzungen für die erfolgreiche Arbeit des Frauennotrufs, der nun in der evangelischen Stadtkirche Idar sein 25-jähriges Bestehen feierte. Gut 50 Gäste, darunter nicht wenige Männer, waren der Einladung zu der kleinen Feier der Fach- und Beratungsstelle zum Thema „Sexualisierte Gewalt“ gefolgt und hatten dem Wintereinbruch mit anziehender Glätte auf den Straßen und Gehwegen getrotzt, um dem Frauennotruf die Ehre zu erweisen.

Notruf-Mitarbeiterin Barbara Zschernack (links) und ihre Kollegin Susanne Findler (2. von rechts) hatten zum 25-jährigen Bestehen des Notrufs eingeladen. Mit dabei: Ariane Brensell von der Ostfalia-Hochschule Braunschweig (2. von links) und die aus Idar-Oberstein stammende Karin Heisecke. Foto: Hosser
Notruf-Mitarbeiterin Barbara Zschernack (links) und ihre Kollegin Susanne Findler (2. von rechts) hatten zum 25-jährigen Bestehen des Notrufs eingeladen. Mit dabei: Ariane Brensell von der Ostfalia-Hochschule Braunschweig (2. von links) und die aus Idar-Oberstein stammende Karin Heisecke.
Foto: Hosser

Umrahmt von der Ausstellung des „Photo Voice“-Projekts des Frauennotrufs, der Plakatausstellung des Traumforschungsprojektes von Prof. Dr. Ariane Brensell von der Ostfalia-Hochschule in Braunschweig sowie der Präsentation kunstvoller Kaleidoskope der Visual-Art-Künstlerin Monika Karl, begrüßten Barbara Zschernack (seit 1993 beim Frauennotruf angestellt) und Bettina Schäfer vom Trägerverein Frauen helfen Frauen die Gäste mit einleitenden Worten. Auch Gertrud Wipfler, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Birkenfeld, ließ in ihrer Festrede wichtige Stationen der Geschichte des Frauennotrufs Revue passieren (die NZ berichtete ausführlich am 11. November), wobei sie neben der Erinnerung an denkwürdige Aktionen wie die „Vagina-Monologe“ der Theatergruppe Frauenmantel besonderen Schwerpunkt auf die Prävention legte.

Zschernacks Kollegin Susanne Findler (seit 1996 mit Unterbrechungen dabei) übernahm anschließend die Vorstellung der jungen Gastmusiker: Die Teenager Claudia, Lea, Leon und Dennis des Kinderheimes Leisel präsentierten mit musikalischer Unterstützung von Sally und Jan Peter (Cajun/Gitarre) ihren „Anti-Stress-Rap“, der im Herbst nach einer Projektwoche entstanden war.

Jugendliche erhielten viel Beifall

Das feinsinnige Lied erhielt viel Beifall, und die Jugendlichen waren sichtlich gerührt von ihrem erfolgreichen Auftritt. Dank gebührte auch dem Ehepaar Sima Khosharay (Galeristin Art Gallery 64) für die Unterstützung der Fotoschau und Wilhelm Kinn (Café Artechino), der mit einer Auswahl an Govinda-Naschwerk zum Probieren einlud.

Zunächst sei sie skeptisch gewesen, leitete Susanne Findler ihren Dank an die Pfarrerin Angelika Röske und ihre Mitarbeiter ein, ob die evangelische Kirche wohl der rechte Ort für ein derart autonomes und nicht kirchliches Frauenprojekt sei, um darin das Jubiläum zu feiern. Doch angesichts des empathischen Engagements und der guten Zusammenarbeit sei sie inzwischen zu einem regelrechten Fan geworden und verlese nun mit Stolz das Grußwort der Pfarrerin, die leider nicht persönlich anwesend sein konnte.

Röske wisse aus eigenem Leiden, was es heiße, sexualisierter Gewalt ausgeliefert zu sein und mit den Folgen zu leben. Doch sie beschloss ihr Grußwort mit der hoffnungsvollen Botschaft von der Liebe als „Kraft, die Ja zu dir sagt, die dir leuchtet durch die Dunkelheit und dich aufrichtet, dass du deine Fesseln lösen kannst und frei gehst. Sie schenke dir Mut, Kraft und Liebe, dass du Ja sagst zu dir, und Nein zu allem, was dir schadet, und Ja zum Leben in all seiner Fülle.“ Aufgrund der veränderten Strukturen überlege Barbara Zschernack sogar, vielleicht doch wieder in die Kirche einzutreten.

Scham von Tabuisierungen geprägt

Ein zentrales Thema bei der Bewältigung von Traumata sei auch immer die Scham, die von der Gesellschaft und ihren Tabuisierungen geprägt sei. Dazu verlas Zschernack als Diskussionsanregung einen sehr beeindruckenden und anregenden Text einer Klientin, der zunächst für betroffene, nachdenkliche Stille sorgte. Ein Gespräch mochte sich nicht ergeben, zumindest nicht im Plenum. Auch die angestrebte Podiumsdiskussion mit der internationalen Expertin zum Thema „Beendigung von Gewalt gegen Frauen“, Karin Heisecke, und Prof. Dr. Ariane Brensell zu den Fragen, was noch zu tun sei und welche Hilfe noch benötigt werde, blieb ein wenig hinter den Erwartungen zurück, obwohl man den informativen Ausführungen der beiden Fachfrauen gespannt folgte.

Es standen wohl die Feierlichkeiten und die sehr familiär wirkende Atmosphäre bei den Anwesenden im Vordergrund. Nach der wirkungsvollen Kaleidokopshow mit Farben und Wörtern wurden die Gäste in den gemütlichen Teil der Feierlichkeit bei Schmaus und Trank entlassen.

Von unserer Mitarbeiterin Ilona Brombacher

Idar-Oberstein Birkenfeld
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